Rüdiger Eikmeier, BDSAH

Rüdiger Eikmeier, BDSAH

Seit 2014 hat der Schaltanlagenbau einen Verband: am 29. Januar wurde der BDSAH e.V. – Bundesverband deutscher Schaltanlagenbauer – in Berlin gegründet. Er ist keine Gegenveranstaltung
zu den politisch engagierten Verbänden ZVEI und Co., sondern möchte vielmehr eine Plattform für den Informationsaustausch sein.

Was hat den Anstoß zur Gründung des BDSAH gegeben?
Der Schaltanlagenbau ist eine komplexe Angelegenheit. Für die Hersteller, Lieferanten, Lösungsanbieter und Komponentenfertiger fehlte bisher aber eine kompetente Anlaufstelle, an die sie sich mit ihren speziellen Fragen wenden konnten.

Deshalb entstand die Idee, auf einem Online-Portal mit Forum und Lexikon das gesammelte Wissen der Branche aufzubereiten. Um dieses Vorhaben zu finanzieren, haben wir im Januar 2014 mit sieben Gründungsmitgliedern den BDSAH aus der Taufe gehoben. Im Anschluss haben wir unser Online-Portal www.schalt.net entwickelt und mit ersten Inhalten gefüllt. Zur SPS IPC Drives 2014 wurde das Portal dann erstmals der Öffentlichkeit präsentiert.

Wie ist der Verband organisiert?
Der Verband versteht sich als Expertennetzwerk, das allen in diesem Wirtschaftszweig tätigen mittelständischen Akteuren für einen freien und gleichberechtigten Informationsaustausch offensteht. Unabhängig von der Unternehmensgröße verfügen in der Mitgliederversammlung alle Vollmitglieder, das heißt Hersteller von Komponenten oder Dienstleister für den Schaltanlagenbau, über gleiches Stimmrecht. Die Versammlung wählt den Aufsichtsrat, in dem die Gründungsmitglieder mit je einem festen Sitz vertreten sind. Und der Aufsichtsrat bestimmt aus seinen Reihen den Vorstand. Neben der Vollmitgliedschaft gibt es auch die Möglichkeit, als Schaltanlagenbauer in Form einer assoziierten Mitgliedschaft beizutreten.

Wie grenzen Sie sich von den bereits existierenden Branchenverbänden wie VDMA, ZVEI oder VDE ab? Ist da ein Verband extra für den Schaltanlagenbau nötig?
Der BDSAH tritt nicht in Konkurrenz zu großen branchenübergreifenden Vereinigungen wie dem VDE, dem ZVEI oder auch dem VDMA. Diese Verbände setzen ihren Schwerpunkt auf Normierung und Prüfung, untergliedern sich in verschiedenste Fachverbände beziehungsweise vertreten allein die deutsche Maschinenbau-Industrie.

Dagegen orientiert sich der BDSAH als Branchenfachverband am operativen Geschäft der Vernetzung der Mitglieder mit den Kunden. Er stellt Informationen über Normen, Zulassungen und Markttrends zur Verfügung und ermöglicht seinen Mitgliedern den direkten Dialog mit ihren Kunden.

Der BDSAH ist also politisch nicht aktiv?
Unser Fokus liegt nicht auf der politischen Interessenvertretung und Einflussnahme, sondern auf Lösungskompetenzen für die praktischen, handfesten Schwierigkeiten, mit denen die Branche im Arbeitsalltag konfrontiert ist.

Um ein Beispiel zu nennen: Eine Trafo-Station, die etwa 100 Meter von der eigentlichen Einspeisung oder der Anlage entfernt ist, muss erneuert werden. Welchen Querschnitt muss das zu verlegende Erdkabel haben? Stimmt meine Berechnung? Wer kann mir mit Erfahrungswerten helfen? Oder: Welche Vorschriften und Standards – zum Beispiel CSA oder UL – habe ich zu beachten, wenn ich eine spezielle Anlage nach Nordamerika exportieren will?

Und wenn ich die Anlage mit einem Filterlüfter oder Klimagerät mit Wasserwärmetauscher ausstatte, welche Fabrikate sind dann überhaupt zulässig? Bei solchen Fragen kann man sich natürlich jedesmal an die Gerätehersteller wenden, die aber in erster Linie ihre Lösungen verkaufen wollen. Auf schalt.net bauen wir dagegen einen Wissenspool auf, zu dem alle Branchenakteure mit ihrer Expertise beitragen können, damit möglichst jeder schnell die für ihn passende Lösung findet.

Vor welchen Herausforderungen steht die Branche des Schaltanlagenbaus aktuell?
In Deutschland haben wir etwa 40.000 bis 60.00 Betriebe, die entweder als Schaltanlagenbauer oder als Maschinenhersteller mit eigenem Schaltanlagenbau tätig sind. Das reicht von Kleinstbetrieben wie einer Firma, die im Jahr vielleicht nur zehn Bäckereimaschinen elektrisch ausrüstet, bis zu global aufgestellten Unternehmen aus dem Anlagenbau.

An wen können sich all diese Marktakteure bei konkreten Fachfragen zum Beispiel zur Klimatisierung wenden? In den großen Verbänden finden sich vielleicht sechs, sieben Hersteller von Klimageräten, die man kontaktieren könnte. Aber die Verbände werden sich hüten, eine Empfehlung für ein Produkt oder einen Hersteller auszusprechen. Unser Portal folgt dem Open-Source-Gedanken, um die passenden Antworten und Lösungen bereitzustellen oder sich mit seinen Fragen an die Fach-Community zu wenden.

Wie wird Ihr Angebot angenommen?
Das ist ein bisschen wie das Henne-und-Ei-Problem. Der BDSAH hat die Werkzeuge bereitgestellt, um das Branchenwissen zu vernetzen. Dadurch soll neben dem Forum und einer Datenbank mit Werksnormen, technischen Regeln und Konstruktionsdaten das größte User-generierte Lösungslexikon Deutschlands entstehen.Noch stehen wir am Anfang. Deshalb mein Appell an die Branche mitzuwirken und diese Werkzeuge zu benutzen. Denn wenn jeder Marktakteur sein Know-how einbringt, profitiert die ganze Branche davon.

Das Interview führte Julia Lansen, Redaktion

Der BDSAH

Ein Verein für den Informationsaustausch

Der BDSAH e.V. ist die Interessenvertretung der deutschen Schaltanlagenindustrie. Ziele des Vereins sind die Standardisierung, Verbreitung und Weiterentwicklung von Schaltanlagentechnologien und die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit des deutschen Schaltanlagenbaus.
Er bietet seinen Vollmitgliedern eine gemeinsame Plattform für Marketing- und Öffentlichkeitsarbeit und Interessenvertretung. Weitere Vorteile bestehen in der Nutzung von Marktinformationen des vom BDSAH betriebenen Online-Portals www.schalt.net und die herstellerübergreifende Bündelung von Fachkenntnissen, beispielsweise zu Richtlinien, Normen, Kennzeichnungspflichten und branchenspezifischen Anforderungen.

Abgrenzung zum ZVEI

Der Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie setzt sich für die gemeinsamen Interessen der gesamten Elektroindustrie in Deutschland und auf internationaler Ebene ein. Er versteht sich als Gestalter von Rahmenbedingungen und gemeinsamen Plattformen für das Wachstum der Branche im internationalen Wettbewerb. Von den 22 Fachverbänden innerhalb des Verbandes kommt der BDSAH dem „Fachverband Elektroinstallationssysteme“ am nächsten, der die übergreifenden fachlichen und marktpolitischen Interessen der Hersteller von Produkten der elektrischen Installationstechnik und Gebäudesystemtechnik wahrnimmt. Der ZVEI ist eng mit der Politik vernetzt und arbeitet an der nationalen- und internationalen Normung mit. Er engagiert sich darüber hinaus auch in aktuellen gesellschaftlichen Themen wie zum Beispiel dem drohenden Fachkräftemangel, dem er mit verschiedensten Aktionen zu begegnen versucht.
Zielsetzung des BDSAH ist dagegen die Stärkung ausschließlich des deutschen Schaltanlagenbaus. Er ist eher am operativen Geschäft der Vernetzung der Mitglieder mit den Kunden orientiert. Den Mitgliedern stellt er Informationen über Normen, Zulassungen und Markttrends zur Verfügung und ermöglicht ihnen den direkten Dialog mit ihren Kunden.

Abgrenzung zum VDE

Der Verband der Elektrotechnik, Elektronik und Informationstechnik ist einer der großen europäischen Verbände für Branchen und Berufe der Elektro- und Informationstechnik. Sein Schwerpunkt liegt in der Normung und Produktprüfung. Kernthemen der Arbeit sind Innovation und Sicherheit. Er engagiert sich für qualifizierten Nachwuchs und eine höhere Technikakzeptanz in der Bevölkerung. Oberstes Ziel ist es, die Position Deutschlands als einen der führenden Innovationsstandorte weltweit zu festigen und weiter auszubauen.

Abgrenzung zum VDMA

Der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau ist der größte Industrieverband in Europa. Seine Mitglieder kommen aus der deutschen Maschinenbau-Industrie. Er vertritt die gemeinsamen wirtschaftlichen, technischen und wissenschaftlichen Interessen des Maschinenbaus, insbesondere gegenüber nationalen und internationalen Behörden und Wirtschaftskreisen. Die Mitglieder haben im Rahmen dieser Interessenwahrnehmung Anspruch auf Unterrichtung, Beratung und Beistand. Elektrotechnische Themen sind eher Beiwerk, sowie sie zur Errichtung und zum Betrieb von Maschinen und Anlagen notwendig sind.