Maschinenelemente und Normalien

Gefragt: Federnde Druckstücke zum Beispiel finden in nahezu allen Branchen Anwendung. Quelle: Halder

"Wer Geld verdienen will, muss in Standards denken“, stellt Bernd Janner klar, Gesamtvertriebsleiter und Prokurist beim Normalienhersteller Erwin Halder aus Achstetten-Bronnen. Er meint damit, dass es für Produktentwickler immer wichtiger wird, Normalien und Normteile einzusetzen. Gerade auch vor dem Hintergrund von zunehmend individuelleren Produkten und Lösungen, bis hin zur Losgröße Eins, sei das – wo immer es möglich ist – unabdingbar. Auch Industrie 4.0 spiegelt diese Entwicklung wider, denn es geht letztlich um kosten-, zeit- und ressourceneffiziente Herstellung von einmaligen Massenprodukten unter den Bedingungen einer hoch flexibilisierten (Großserien-)Produktion. „Und nur wer hier modular denkt und sich die Baugruppen-Bauweise zu eigen macht, hat gute Chancen am Markt“, betont Janner. Ausnahmen bilden Speziallösungen, die dann aber ausschließlich im Hochpreissegment liegen und nicht den Massencharakter haben.

Normalien sind nicht gleich Normteile

Dirk Langenohl, Key Account Manager bei Norelem Normelemente
Dirk Langenohl, Key Account Manager bei Norelem Normelemente: „Normalien können auch Baugruppen sein, die aus Einzelteilen zusammengefügt sind, bestimmte Funktionen erfüllen und von unseren Kunden als standardisierte Bauteile definiert werden.“ Bild: Norelem

Zunächst eine Begriffsklärung: Normalien sind nicht gleich Normteile und umgekehrt. Klassische Normteile, wie Kerbspann- oder Zylinderstifte, Unterlegscheiben, Schrauben oder Muttern, unterliegen nationalen oder internationalen Normen. Normalien sind ebenfalls standardisierte Bauteile, die aber häufig keiner Norm unterliegen. Beide haben definierte, reproduzierbare Eigenschaften hinsichtlich Material, Abmessungen und Form und verfügen über eine bestimmte Güte, Präzision und Toleranz und werden jeweils von einem bestimmten Hersteller entwickelt, hergestellt und auf dem Markt angeboten. „Normalien werden vorwiegend im Werkzeugbau, Vorrichtungsbau und Maschinenbau eingesetzt“, sagt Dirk Langenohl, Key Account Manager bei Norelem Normelemente aus Markgröningen und ergänzt: „Normalien können auch Baugruppen sein, die aus Einzelteilen zusammengefügt sind, bestimmte Funktionen erfüllen und von unseren Kunden als standardisierte Bauteile definiert werden.“

Für einen Normalien-Hersteller ist es vorab immer wichtig, für diese Funktionen einen ausreichend großen Bedarf in den Märkten zu ermitteln. Bei der Entwicklung der Bauteile und Baugruppen wird dann versucht, möglichst viele verschiedene Anforderungen unterschiedlicher Kunden mit einer Normalie abzudecken. Beauftragt lediglich ein bestimmter Kunde dieses Teil nur für sich allein, so wird es als Sonderteil gehandhabt. „Wir produzieren die Teile immer so lange, wie sie benötigt werden und bis sich eine intelligentere Lösung herauskristallisiert“, so Bernd Janner. Diese Zeiträume können sehr unterschiedlich sein. So gibt es ausgereifte Lösungen, die das Unternehmen bereits seit über vierzig Jahren anbietet.

Vorrichtungssysteme und Spannmittel

Das Unternehmen Halder stellt im Bereich Normalien unter anderem Vorrichtungsteile, Spannelemente und Bedienteile her, die Funktionen, wie zum Beispiel Einstellen, Rasten, Verriegeln, Verstellen, Ausgleichen, Positionieren, Fixieren und Verbinden abdecken. Die Produkte finden sich in fast allen Branchen und erleichtern Bedienfunktionen. Für den Endverbraucher bleiben sie vielfach unsichtbar, da sie in den Produkten meist verborgen verbaut sind.

Neben anderen großen Herstellern wie Kipp, Norelem, Ganter oder Misumi setzt sich die Branche im Wesentlichen aus kleineren Unternehmen zusammen, die sich oft auf begrenzte Spezialsortimente konzentrieren. Wiederum andere sind reine Handelshäuser. „Vor allem im Internet treten immer mehr reine Händler auf, die die Wettbewerbssituation verschärfen“, berichtet Dirk Langenohl. Weltweit gesehen ist die Zahl der Normalien-Hersteller aber eher überschaubar.

Trotzdem ist der Vertrieb keine einfache Angelegenheit. Bernd Janner ist für sein Unternehmen weltweit unterwegs und kennt sich in praktisch allen Märkten aus. „Der Vertrieb ist eine echte Herausforderung“, sagt er, „denn wir wissen ja nicht, an welchem Projekt ein Entwicklungsingenieur gerade dran ist.“ Deshalb bietet das Unternehmen neben einem gedruckten Katalog auch eine umfassende Online-Plattform mit Webshop an. Eine bisher einzigartige Besonderheit ist die Möglichkeit, auch über die Suchmaske „Funktion“ die passenden Komponenten zu finden. Das komme der Denkweise des Konstrukteurs entgegen, der zum Beispiel etwas arretieren oder abstützen will und noch nicht weiß, ob das Teil rund sein wird oder ein Gewinde haben muss, erläutert Janner. Und das erspart lästiges Suchen, denn die auf dem Markt angebotene Teilevielfalt kann leicht mehrere Tausend betragen.