EMI-Dichtung, Bild: Parker

Die neue EMI-Dichtung weist im Vergleich zu Ag/Al-Dichtungen geringere galvanische Korrosion auf. (Bild: Parker)

Die Betrachtung der Marktanforderungen für EMI-Abschirmdichtungen führt vor allem zu einer Schlussfolgerung: An Dichtungen, die nicht nur einige, sondern alle der industrieüblichen Anwendungskriterien erfüllen, besteht ein riesiger Bedarf. So muss sich in modernen Anwendungen eine hohe EMI-Abschirmleistung mit einer Fülle zusätzlicher Kriterien paaren. Dies sind zum Beispiel stabile Funktion in unkontrollierten Umgebungen (in Innen- und Außenbereichen), Lebensdauererwartung in Jahren, Verträglichkeit mit Aluminiumgehäusen und mit engen Flanschtoleranzen, da kein Bauraum für doppelte Abdichtungen vorhanden ist.

Bislang konnte diese Reihe von Anforderungen nur von wenigen EMI-Abschirmdichtungen erfüllt werden. Aus diesem Grund wurde bei Parker Chomerics die Entwicklung der jüngsten Generation nickelbeschichteter und aluminiumgefüllter (Ni/Al) EMI-Abschirmdichtungen auf Silikon-Elastomerbasis in Angriff genommen. Hierbei bringt das Unternehmen eine Nickelbeschichtung auf knollenförmige Aluminumpartikel auf und disopergiert sie in Silikon-, Fluorsilikon- und EPDM-Polymeren.

Versuche bestätigen die Leistungsfähigkeit dieser Dichtungen. So weisen Ni/Al-Dichtungen in Tests mit Cr3+ und Cr6+ der Klasse 1A und Klasse 3 behandeltem Aluminium eine um circa 50 Prozent geringere galvanische Korrosion im Vergleich zu Ag/Al-Alternativen bei Lagerung über 500 beziehungsweise 1000 Stunden in SO2-freiem Salznebel auf. Darüber hinaus zeigen die Dichtungen eine um 20 Dezibel höhere Abschirmwirkung (shielding effectiveness - SE) im Bereich von 30 Megahertz bis 18 Gigahertz sowie stabilere SE-Werte in erweiterten (1000 h) Temperatur- und Feuchtigkeitstests. Der SE-Wert bezeichnet das Verhältnis der Radiofrequenz-Energie (RF-Energie) an einer Seite der Abschirmung zur RF-Energie an der anderen Seite der Abschirmung, ausgedrückt in Dezibel.

Medienquellung im Griff

Elektrotechnik, Bild: Parker
Der Bedarf an EMI-Abschirmdichtungen ist hoch. Bild: Parker

Auch der Erhalt der hohen mechanischen Leistungsfähigkeit der Ni/Al-Dichtungen wurde durch entsprechende Lebensdauerprüfungen bestätigt. Dabei erhält das Elastomer nicht nur seine Umgebungs- und physikalische Dichtwirkung, sondern das Fluorsilikon weist zudem auch eine ausgezeichnete Beständigkeit gegenüber Medienquellung auf.
Darüber hinaus unterstützen Ni/Al-Dichtungen den Feldeinsatz von Geräten in unkontrollierten Umgebungen, ohne dass hierzu Sekundärgehäuse erforderlich sind. Neben den daraus resultierenden geringeren Montagekosten, die in der Regel im Bereich von 20 bis 30 Prozent liegen, ergibt sich eine höhere Einsatzflexibilität, zum Beispiel in mobilen Geräten, auf Fahrzeugen oder in der Luft.

Bei nicht-maritimen beziehungsweise Luft-und Raumfahrt-Anwendungen ermöglichen Ni/Al-Dichtungen den Verzicht auf doppelte Abdichtungen, metallbeschichtete Flansche, spezielle Flanschlackierungen sowie den Einsatz von Chrom der Klasse 1A zur Verbesserung der Gehäusebeständigkeit. Ferner ermöglicht der Einsatz schmaler Dichtungen mit hohem SE-Wert auch Konstruktionen mit reduziertem Bauraum.

Im Einsatz in maritimen sowie in Luft- und Raumfahrtumgebungen sind Ni/Al-Dichtungen an sich weniger aktiv. Hieraus resultiert eine längere Lebensdauer und höhere Sicherheit im Hinblick auf nachlassende Abschirmwirkung und Flanschkorrosion - und zwar unabhängig von den jeweiligen konstruktiven Gegebenheiten. Kurz gesagt: Mit der Ni/Al-Dichtung verfügt die Industrie über eine EMI-Abschirmdichtungslösung, die alle wichtigen Marktanforderungen abdeckt.