Harald Schwend

Harald Schwend, General Manager Field Sales der Ovako-Gruppe in Deutschland

Über die Vorteile der Stahlgüte etwa für Zylinder und Kolbenstangen sprach fluid mit Harald Schwend, dem General Manager Field Sales der Ovako-Gruppe in Deutschland.

Herr Schwend, was macht den Ovahyd-Stahl so geeignet für Hydraulikkomponenten?
Es ist die besondere Reinheit und Güte, die den Stahl speziell für die Anforderungen der Hydraulikindustrie so interessant machen. Denn die Bauteile werden in der Hydraulik immer höheren Belastungen ausgesetzt, Stähle müssen immer höhere Anforderungen erfüllen in Bezug auf Streckgrenze, Kerbschlagarbeit, Bearbeitung und Schweißbarkeit, damit die Anwender gewichtsreduzierte Komponeten konstruieren können.

Was unterscheidet Ihren Ovahyd-Stahl von herkömmlichen Maschinenbaustählen?
Dank seiner Reinheit und Festigkeit bieten wir mit dem Ovahyd den Herstellern zertifizierte Sondergüten an, mit denen Kon-strukteure zukunftsorientierte Lösungen entwickeln können. Obgleich wir den Ovahyd bereits seit fünf Jahren auf die Anforderungen unserer Kunden hin kreiert haben, sind diese Stahlgüten im Markt noch nicht so bekannt, da unsere Werkstoffe zum Beispiel an den Universitäten gar nicht gelehrt werden.

Welche Hydraulikkomponenten lassen sich mit dem Ovahyd für welche Anwendungen konstruieren?
Für einfache Anwendungen wurde die Güte Ovahyd 450 (normalisiert) und Ovahyd 590 (vergütet) entwickelt. Dieser Stahl entspricht der Güte 20MnV6, zeichnet sich aber durch einen verbesserten Reinheitsgrad aus. Ovahyd 600, 650 und 700 gibt es als Rohre und Stabstahl, den Ovahyd 450 und 590 gibt es nur als Rohr. Eingesetzt werden sie für alle Zylinderanwendungen bei tiefen Temperaturen in allen Baumaschinenbereichen mit hohen Anforderungen an Festigkeit und Kerbschlagarbeit. Zylinderrohre aus Ovahyd ergänzen unsere Cromax-Kolbenstangen zu einer starken Einheit.

Für welche Anwendungen ist dieser Ovahyd-Stahl noch geeignet?
Speziell im Bereich erneuerbare Energien wie zum Beispiel bei Windkraftanlagen müssen die Hydraulikkomponenten enormen Kräften standhalten können, so etwa bei den Pitchzylindern. Hochfesten Stahl brauchen auch die Hersteller von Kunststoff-Spritzgussmaschinen oder Hydraulikventilen.

Welche Eigenschaften bringt der Ovahyd dafür mit?
Das ist zum einen die hohe Kerbschlagzähigkeit sowohl in Längs- als auch Querrichtung bei tiefen Temperaturen bis zu -40 Grad. Zum anderen die Streckgrenze von mindestens 650 N/mm2 zum Beispiel beim Ovahyd 650.

Dank der Festigkeit des Stahls lassen sich also gewichtsreduzierte Anwendungen konstruieren?
In vielen Bereichen konnten durch diese neuen Stähle massive Kolbenstangen durch Rohre als Kolbenrohre ersetzt werden. Das spart natürlich enorm Gewicht ein. So können etwa sogar Sicherheitsbauteile wie Abstützzylinder mit hohlen Kolbenstangen gefertigt werden.

Wie lässt sich der Stahl denn schweißen?
Da es ein lufthärtender Stahl ist, erhält er auch nach dem Schweißen seine Festigkeit wieder zurück – der Konstrukteur kann also über den vollen Querschnitt weiter rechnen. Zudem ist die Gefahr der Rissbildung beim Schweißen marginal. Und das Material hat einen ausgesprochen geringen Verzug.

Ovako + Hydraulik

Ovahyd 650 – ein hochfester Werkstoff
Um den Forderungen der Hydraulikindustrie entgegen zu kommen, hat Ovako den Ovahyd 650 entwickelt, der sich besonders für die Herstellung hoch beanspruchter Hydraulikkomponenten eignet. Ovahyd 650 weist eine Streckgrenze von mindestens 650 N/mm2 auf sowie eine sehr gute Kerbschlagarbeit in Längs- und Querrichtung bis -40 Grad. Von daher kann der Ovahyd 650 die meisten mikrolegierten und durchhärtenden Stähle ersetzen. Der hochreine Ovahyd 650 wird im martensitischem hochangelassenem Zustand geliefert – das Ausgangsgefüge ist also stets homogen.
Vorteile des Ovahyd 650:

  • hohe Kerbschlagarbeit bei Temperaturen bis zu -40 Grad, sowohl in Längs- als auch Querrichtung
  • hohe Festigkeitseigenschaften ermöglichen, dass die Konponenten
  • höheren Beanspruchungen standhalten und die Betriebssicherheit verbessern. Die Zylinder können mit
  • geringeren Wanddicken hergestellt werden und sind somit leichter
  • hoher Reinheitsgrad und feines Gefüge erhöhen die Dauerfestigkeit der Komponenten
  • hervorragende Eignung für das Hartverchromen dank der Stahlreinheit
  • hohe Temperaturbeständigkeit
  • gute Eignung für das Nitirieren und Nitrocarburieren
  • gleichmäßiges und homogenes Gefüge
  • gute Bearbeitungseigenschaften und gute Schweißbarkeit.

Und wie sieht es mit der Zerspanbarkeit aus?
Der Ovahyd lässt sich in Relation zu der hohen Festigkeit gut spanend bearbeiten.

Muss der Anwender den Ovahyd noch vergüten?
Nein, dieser Stahl muss nicht vergütet werden. Dies bedeutet einen Kostenvorteil im Vergleich zu den handelsüblichen vergüteten Werkstoffen. Zudem bewirkt die hohe Reinheit, dass der Stahl eine hohe Dauerfestigkeit aufweist und hervorragend hartverchromt werden kann. Er eignet sich aber auch sehr gut für das Nitrocarburieren und Nitrieren.

In welchen Abmessungen haben Sie den Ovahyd vorrätig?
Im Stabstahlbereich von 30 bis 170 mm, im Rohrbereich derzeit mit Außendurchmesser 30 bis 235 mm, vorgesehen sind 250 mm. Dabei sind wir flexibel in der Herstellung der Dimensionsabstufungen. Je nach Auftragsumfang liefern wir jede Sondergröße, die der Anwender benötigt.

Wie flexibel sind Sie mit Ihren Lieferzeiträumen?
Als direkte Werksvertretung können wir auch komplette logistische Konzepte bieten mit Lagerzuschnitt mittels Sägezentrums und Services über unser Lager. Mit unseren Geschäftspartnern gehen wir langfristige Geschäftsverbindungen ein und betreuen dann nicht nur die Endverbraucher, sondern auch deren Subunternehmer, sodass beim Anwender kein Lager vorgehalten werden muss. Wir liefern Just-in-time als Teil der Supply Chain. Weiter unterstützen wir unsere Anwender bei allen begleitenden Maßnahmen wie Versuchen und Zertifizierungen, zum Beispiel beim TÜV oder in Nitrier- beziehungsweise Verchromungsbetrieben.

Wie sieht es denn momentan aus, können Sie Ihre Hydraulik-Kunden 2010 mit Stahl bedienen, damit es nicht wieder zu Engpässen kommt, wenn die Konjunktur wieder anspringt?
Noch haben wir Kapazitäten in unseren Stahlwerken frei. Erfreulicherweise steigt der Auftragseingang wieder deutlich an. Durch unser Kapazitäts-Reservierungsprogramm können wir aber durch Kunden-Rahmenaufträge und Abruf- beziehungsweise Lieferplansystem auch künftig die Lieferzuverlässigkeit sicherstellen.