Verbindungstechnik-Interview: Ralph Wolter, Volz Gruppe GmbH 1

Die Volz-Gruppe hat in der fluidischen Verbindungstechnik allerhand auf den Weg gebracht – mit sichtbaren Erfolgen auf der Hannover Messe 2011. Doch schon gibt es weitere strategische und produktspezifische Überlegungen im Management. Das Interview sorgt für Transparenz.

fluid: Volz bezeichnet sich als einziger Hersteller von Stahl- und Edelstahlverschraubungen „Made in Germany“. Wie muss man das verstehen?
Es gibt ja nur eine Hand voll Hersteller, die das Marktsegment der Rohrverschraubungen und -verbindungen für hydraulische Anlagen bedienen. Die meisten davon konzentrieren sich in der Produktion auf Stahl, kaufen

Zink-Nickel-Beschichtung: der Volz-Standard für Stahl. Diese Korrosionsschutzvariante ist auf der Hannover Messe auf große Zustimmung gestoßen.

Edelstahlprodukte aber überwiegend zu. Das liegt daran, dass die Fertigungstechnik für beide Materialien nur bedingt kompatibel ist und die wenigsten Unternehmen neben der Ausstattung für Stahl auch spezielle Maschinen für die Edelstahlproduktion haben. Hinzu kommt: Der Zeitaufwand ist sehr hoch, Maschinen umzurüsten, die für die Fertigung beider Werkstoffe geeignet sind. Wir haben für beide Materialien spezielle Maschinen, und abgesehen davon haben wir auch den Umrüstprozess erheblich vereinfacht und die Maschinenstillstandszeiten auf ein Minimum reduziert. Daher sind wir in der Lage, in beiden Werkstoffen eine große Produktbreite und -tiefe anzubieten – und zwar aus eigener Fertigung. Im Bereich Edelstahl haben wir definitiv die größte Fertigungstiefe unter den deutschen Produzenten.
Unser Programm aus Stahl-Verschraubungen gemäß DIN 2353 mit Zink-Nickel-Oberflächenschutz plus Rohrverbindungen, Schlauchfittings und Adaptern in Edelstahl ist in dieser umfassenden Form einzigartig. Durch die hohe Eigenfertigungstiefe für beide Werkstoffe können wir auch individuelle Kundenanforderungen kurzfristig bedienen.

Richtungseinstellbare Verschraubungen WEE aus Stahl und Edelstahl.

Unsere Kunden, die für ihre Projekte alle Rohrverbindungskomponenten aus einer Hand erhalten und dadurch Zeit und Geld sparen, wissen das zu schätzen. Ebenso natürlich wie die hohe Qualität, für die wir stehen: Made in Germany bedeutet, dass wir in Deilingen den größten Teil unseres Produktportfolios selbst herstellen. Unser Stangenmaterial kommt grundsätzlich von deutschen Produzenten; auch Schmiederohlinge beziehen wir überwiegend aus Deutschland. Häufig sind das sogar Unternehmen aus unserer unmittelbaren Umgebung, wo wir uns vor Ort von der Güte der Produkte überzeugt haben. Teilweise kaufen wir die Rohlinge für die Formteile-Herstellung bei weiteren renommierten Herstellern in Frankreich, Italien und Spanien zu. Etwa ein Fünftel unserer Stahl- und Edelstahlverschraubungen werden in unserem eigenen Werk in Polen gefertigt. Dieser Schritt war vor einigen Jahren notwendig, nicht etwa um Kosten zu sparen, sondern weil in Süddeutschland Vollbeschäftigung herrscht und es dementsprechend schwierig ist, genügend qualifizierte Mitarbeiter zu finden. In Polen haben wir eine Kooperation mit der Technischen Universität Breslau. Sie vermittelt uns Mitarbeiter, die dann in Deilingen auf unsere hohen Standards gebracht werden. Übrigens läuft auch der Einkauf der Rohmaterialien für unsere polnische Niederlassung komplett über Deilingen.

„Viele Kunden nehmen
uns jetzt als kompetenten
Lieferanten für den gesamten
Bedarf an Verbindungstechnik wahr.“

Ralph Wolter,Volz

fluid: Was macht das Edelstahlgeschäft umsatzmäßig etwa aus?
Zurzeit machen wir mit Edelstahl den deutlich höheren Umsatz. Hier bieten wir die komplette Bandbreite an: Edelstahl-Schlauchnippel und -Fassungen für Textil-, 1- oder 2-Lagen-Geflechtschläuche oder Multi-Spiralschläuche. Auch für PTFE- oder Thermoplastik-Schläuche bieten wir Lösungen an. Darüber hinaus haben wir Adapter in allen Variationen (JIC, NPT, BSP, metrisch etc.) sowie Rückschlagventile und Kugelhähne. Auch kundenspezifische Sonderlösungen können wir in unserer Produktion kurzfristig umsetzen. Mit der Integration von Metric Fittings in die Volz- Gruppe haben wir unser Produktportfolio um den Bereich Stahl erweitert. Die Kundennachfrage ist gewaltig und lässt ein gutes Wachstum in den nächsten Jahren erwarten. Das hat auch die Hannover Messe 2011 gezeigt. Um der steigenden Nachfrage gerecht zu werden, investieren wir in Fertigung und Logistik. So werden wir in Deilingen beispielsweise im vierten Quartal 2011 zusätzliche Maschinen für Stahl in Betrieb nehmen.

fluid: Wie sind Ihre Produkt-Neuheiten auf der Hannover Messe von den Kunden aufgenommen worden?

Die neue Lösung für Edelstahl-Kaltaufschweißen: Low-Friction-Überwurfmuttern.

Unsere Stahl-Verschraubungen mit dem im Vergleich zur silberfarbenen Galvanikschicht höherwertigen Korrosionsschutz Zink-Nickel sind auf große Zustimmung gestoßen. Für viele Kunden war Volz bislang ein Nischenanbieter für Edelstahl. Diese Sicht hat sich erweitert: Viele Kunden nehmen uns jetzt als kompetenten Lieferanten für den gesamten Bedarf an Verbindungstechnik wahr. Das unterstützen auch unsere Innovationen im Bereich Edelstahl, die auf einen enormen Bedarf im Markt treffen, wie etwa die Low-Friction-Überwurfmuttern. Im Vergleich zu blanken oder silberbeschichteten Edelstahlverschraubungen haben sie ein geringeres Anzugsmoment, um eine sichere und dauerhafte Verbindung zu erzeugen. Zudem kann es bei ihnen nicht zu Kaltaufschweißungen der Gewindegänge kommen. Dass wir dabei höchste Qualität liefern und hohe Druckstufen in allen Baureihen haben, stellt uns technisch auf eine Stufe mit den alteingesessenen Unternehmen auf dem Hydraulikmarkt.

fluid: Gibt es charakteristische Merkmale bei den Volz-Produkten, die sich von den Wettbewerbsprodukten unterscheiden?
Unsere Produkte unterscheiden sich in vielen kleinen Details, die insgesamt den großen Unterschied machen: So sind zum Beispiel alle Dichtkopfverschraubungen mit einer Stoppkante versehen, um Übermontagen zu vermeiden. Das ist insbesondere in den kleineren Abmessungen von hoher Bedeutung für staubtrockene Hydraulikverbinder. Rückschlagventile bieten wir in kompakterer Bauform ebenso wie winkeleinstellbare Einschraubverschraubungen (WEE) mit Kontermutter. Diese Vorteile beziehen sich sowohl auf Stahl als auch auf Edelstahl, denn unser Qualitätsanspruch zieht sich wie ein roter Faden durch alle Bereiche des Unternehmens. Viele Anwender in der Hydraulikbranche erleben ihr blaues Wunder, wenn sie minderwertige Werkstoffe einsetzen. Unser Standard für Edelstahl-Produkte ist daher 1.4571. Dieser Werkstoff ist neben der Korrosionsfestigkeit auch beständig gegenüber aggressiven Medien und Säuren.

Volz verfügt sowohl für die Bearbeitung von Stahl wie auch für Edelstahl spezielle Produktionsmaschinen.

fluid: Losgelöst von den unterschiedlichen Anwendungsgebieten: Welche grundsätzlichen Forderungen diktieren die Anwender Ihnen aktuell ins Pflichtenheft?
Aktuell ist Verfügbarkeit das Top-Thema. Während der allgemeinen Wirtschaftskrise haben alle Unternehmen in der Lieferkette vom Rohstofflieferanten bis zum Endkunden ihre Lagerbestände reduziert. Das heißt, dass nur das Nötigste nachbestellt wurde. Der aktuelle Aufschwung in allen Branchen sorgt für eine Verknappung der Ressourcen. Wer da nicht rechtzeitig vorgeplant hat, steht nun mit dem Rücken zur Wand. Durch unsere Eigenfertigung sind wir klar im Vorteil und können auch kurzfristig reagieren. Das verdanken wir einem guten Verhältnis zu unseren Mitarbeitern, die bereit sind, dem Bedarf entsprechend mehr zu arbeiten.

fluid: Auf welche aktuelle Produktentwicklung sind Sie besonders stolz – und warum?
Im Bereich der Edelstahl-Schlaucharmaturen haben wir es mit vielen unterschiedlichen Schlauchmarken zu tun, für die unsere passenden Schlauchnippel und -fassungen ausgewählt werden. Sie müssen nach fachgerechter Montage den Anwendungsbedingungen standhalten, oft auch über den vorgesehenen Lebenszyklus des Schlauchgummis hinaus. Wir prüfen diese Kombinationen regelmäßig auf unseren eigenen Prüfständen. Auch bei gezielten Kundenanfragen zu Kombinationsmöglichkeiten können wir eine Prüfung durchführen. Darüber hinaus belegen Freigaben und Zertifikate der unabhängigen Organisationen wie zum Beispiel Lloyds Register, DNV, DVGW oder TÜV die gute Performance der Volz-Schlaucharmaturen. Um diese Performance zu erreichen, gehen wir keine Kompromisse ein. Risikofaktoren wie etwa Lötstellen konsequent auszuschließen, ist unsere erste Priorität. Darüber hinaus verwenden wir ausschließlich säurebeständigen Edelstahl der Sorte 1.4571, bei dem eine Rückverfolgbarkeit aufgrund der Chargenkennzeichnung problemlos möglich ist. Vielen unserer Kunden in sensiblen Industrien ist das wichtig. Wird ein Abnahmeprüfzeugnis 3.1B für Ausgangsmaterialien benötigt, so können wir dies bei Bestellung bereitstellen. Hier zeigen sich deutlich die Vorteile von „Made in Germany“.

fluid: Wie flexibel sind Sie bei Sonderlösungen?
Sehr flexibel – aufgrund der hohen Eigenfertigungstiefe. Stückzahlabhängig können wir die Fertigungsverfahren anpassen und somit ökonomische Lösungen für Stahl- und Edelstahlprodukte schaffen. Nach der engen Abstimmung mit dem Kunden und seiner Zeichnungsfreigabe läuft die Maschinerie an und liefert kurzfristig das gewünschte Produkt. Eine unserer Stärken ist es, mit dem Kunden Hand in Hand zu arbeiten; dabei erweitern wir oft auch unsere Produktbreite und -tiefe. Dann werden aus Sonderlösungen auch gern einmal Standards.

Für Konstrukteure und Entwickler eine hilfreiche Übersicht: Druckstufen-Diagramm der MF-Stahlprodukte made by Volz.

fluid: Gibt es ein aktuelles Projekt, bei dem es Ihre Ingenieure mit einer sehr diffizilen Aufgabenstellung zu tun hatten?
Unsere Kunden kommen oft mit besonderen Anforderungen auf uns zu, die vom Standard abweichen. Ein gutes Beispiel war vor einiger Zeit eine Anfrage aus dem Offshore-Bereich. Hier waren besonders glatte Oberflächen gefragt: Unreinheiten, Turbulenzen, Späne beziehungsweise Auswaschungen mussten vollständig vermieden werden. Eine Herausforderung insbesondere vor dem Hintergrund, dass bei der späteren Anwendung Drücke und Strömungsgeschwindigkeiten im Grenzbereich des Machbaren zu erwarten waren. Wir haben dann mit rissgeprüften Sonderwerkstoffen gearbeitet und bei der Zerspanung besondere Werkzeuge eingesetzt. Jedes einzelne Stück wurde anschließend separat geprüft. Der Kunde hat uns diese diffizile Aufgabe übertragen, nachdem er sich vor Ort von Arbeitsweise, Qualität und Ablauf unserer Fertigung überzeugt hatte und sicher sein konnte, dass wir in der Lage sind, kostspielige Stillstandszeiten zu vermeiden.

„Aufgrund er hohen Eigenfertigungstiefe
sind sind wir bei Sonderlösungen sehr flexibel
und liefern kurzfristig das gewünschte Produkt.“

Ralph Wolter,
Volz

fluid: Wann empfehlen Sie einem Konstrukteur und Entwickler die Zink-Nickel-Beschichtung bei Hydraulik-Verschraubungen?
Immer, denn dies ist derzeit eindeutig der beste Korrosionsschutz. Die Zink-Nickel-Beschichtung für Stahl-Verschraubungen ist für die Mobilhydraulik oder aber für Hydraulik, die Wind und Wetter beziehungsweise Feuchtigkeit ausgesetzt ist, besonders gut geeignet. Ihr Vorteil kann so weit gehen, dass unsere Kunden auf das Lackieren verzichten können und trotzdem einen besseren Korrosionsschutz haben als bei silber- beziehungsweise goldfarbener Beschichtung. Das muss jedoch im Einzelfall geprüft werden. Selbst für stationäre Hydraulik, die vor Umwelteinflüssen und Feuchtigkeit geschützt und daher nicht korrosionsgefährdet ist, liefern wir mit Zink-Nickel-Beschichtung – alles andere würde eine überflüssige zeit- und kostenaufwendige Sonderfertigung verlangen. Anforderungen, die noch darüber hinaus gehen, bedienen wir mit unseren Edelstahl-Produkten aus 1.4571, die neben dem Korrosionsschutz auch Säurebeständigkeit bieten. Beratung ist das A und O in unserer Zusammenarbeit mit den Kunden.

Autor: Franz Graf, Chefredakteur