Erneuerbare auch auf der Hannover Messe auf dem Vormarsch 1

World Energy Dialogue: Erneuerbare Energien auf dem Vormarsch. Die Zeit ist passé, als Politiker Erneuerbare Energien als weltfremde, grüne Phantastereien bezeichneten. Heute sind sie „salonfähig“, wie der alteingesessene World Energy Dialogue in Hannover bewies.

Im Mittelpunkt des diesjährigen Kongresses stand die Verleihung des „Energy Effiency Award 2010“. Hier beteiligen sich mittlerweile nicht nur Firmen aus westlichen Industrienationen. Stephan Kohler, Vorsitzender der Geschäftsführung Deutsche Energie-Agentur (Dena): „Es gingen insgesamt 90 Bewerbungen aus aller Welt ein, die sogar aus China oder Südamerika stammten.“ Die Vorreiterrolle bewies allerdings erneut Deutschland mit zwei ersten Preisen, die an SMA Solar Technology und die Viessmann Werke gingen.

„Wie geht es bei Ihnen weiter in Sachen Energieeinsparung?“, fragte Prof. Dr. Klaus Töpfer, Chairman des World Energy Dialogue, die Vertreter der siegreichen Firmen der Jahre 2007 bis 2010. Günther Cramer, Vorstandssprecher von SMA Solar Technology aus Niestetal (bei Kassel): „Wir haben einmal ursprünglich damit begonnen, Photovoltaik in alte Gebäude zu integrieren.“ Beim Fabrikneubau des Weltmarktführers für Solar-Wechselrichter (Weltmarktanteil nach Firmenabgaben: deutlich über 40 %) nahm sich Cramer mit seinem Führungsteam das ehrgeizige Ziel vor, die CO2-neutrale Produktion in der Fertigung zu erreichen.

Das gelang durch Effizienz und durch erneuerbare Energie (Tageslichtnutzung, Biogas als Treibstoff für ein Blockheizkraftwerk BHKW, Wasserkraft als Reserve). Im Mittelpunkt steht ein eigenes Energiekonzept, das verschiedene Energieträger auf clevere Weise miteinander verknüpft, um Wärme, Kälte, Druckluft und Strom bedarfsgerecht zu erzeugen. Fakten: Der Neubau kostete rund zehn Millionen Euro und damit rund 1,3 Millionen Euro mehr als eine vergleichbare Fabrik mit konventioneller Energieversorgung.

Das Invest hat sich gelohnt: SMA spart pro Jahr fast 540000 Euro an Energiekosten (für rund sieben Megawattstunden pro Jahr) und senkt den CO2-Verbrauch um jährliche 1700 t auf null. SMA will die Energieerzeugung weiter vorantreiben: Er plant eine Solar­akademie, die in einer sehr anspruchsvollen Produktionsumgebung ohne Netzanschluss nur mit Photovoltaik und ein kleines Biogas-BHKW betrieben wird. Damit nicht genug. Cramer: „Wir wollen in der Nähe ein neues Industriegebiet erschließen, das ausschließlich über erneuerbare Energie versorgt wird.“

Eine Akademie zum Weitergeben von erworbenem Wissen rund um das Energiesparen besitzt bereits Viessmann Werke aus Allendorf/Eder: Im Jahr 2005 startete der Hersteller mit dem Modellprojekt „Effizienz Plus“. In einer Firmenschrift meint dazu Dr. Martin Viessmann, Geschäftsführender Gesellschafter: „Wir zeigen, dass mit der auf dem Markt verfügbaren Technik bereits heute die Klimaschutzziele für 2020 erreicht werden können.“

Wärme sinnvoll nutzen

Es handelt sich in der Tat nicht um Hightech von morgen: Im Mittelpunkt steht in Allerdorf vielmehr das Zentralisieren der Wärmerückgewinnung. Viessmann nutzt eine Kältemaschine, die mit den Abwärmeströmen unter anderem Fertigungsprozesse kühlt und gleichzeitig den Rücklauf des Wärmenetzes auf ein nutzbares Energieniveau bringt. Dazu Fakten: Die Wärmerückgewinnung senkt den jährlichen Erdgas- und Strombedarf um 44 Prozent (über neun Megawattstunden) und spart Viessmann fast 590 000 Euro pro Jahr. Den restlichen Bedarf an elektrischer Energie erzeugen ein BHKW, eine Biogasanlage und ein Generator (Kraft-Wärme-Kopplung). Doch mit Technik allein ist es bei derartigen „Grün-Anlagen“ nicht getan. Generalbevollmächtigter Manfred Greis: „Wir benötigen auch dringend eine steuerliche Förderung.“

Den ersten Preis gewann vor drei Jahren Weidmüller Interface aus Detmold, die 2009 eine eigene Energiegesellschaft gegründet hat. Sie sucht intern nach Einsparpotenzial und schult Mitarbeiter in „E-Fit-Days“ beruflich und privat. Das Unternehmen stellt auch selbst Produkte aus dem Bereich erneuerbare Energie her. Harald Vogelsang, Chief Finance Officer: „Unsere Photovoltaikbox ermöglicht es, die Energieeffizienz aus großen Photovoltaikparks zu steigern.“ Das Unternehmen hat ergänzend Wireless-Module entwickelt, mit denen der Betreiber die nicht effektiv arbeitenden Bereiche seiner Photovoltaikanlagen über Funk orten kann. Dieses System entstand wie einige Neuentwicklungen in enger Zusammenarbeit mit einem Leitkunden, einem der größten spanischen Photovoltaik-Hersteller.

Pneumatik unter Druck

In dem Ruf Energiefresser zu sein stehen Systeme zur Druckluftherstellung. Dass die Pneumatik-Branche aber nicht schläft, bewies Festo aus Esslingen als Preisträger des Jahres 2008. Paul Kho, Head of Technical Communication: „Seitdem hat sich bei uns eine eigene Energiespar-Philosophie entwickelt, bei der wir uns nicht nur bei den eigenen Gebäuden, sondern auch im Sinne eines intelligenten Engineerings vorbildlich verhalten.“ Die Erfahrungen der Esslinger beim Monitoring eigener Produktionsstätten können auch die Anwender anzapfen. Kho: „Es entstehen plötzlich völlig neue Geschäftsfelder wie Leckage-Management.“

2009 ging der Energy Efficiency Award an EBM-Papst aus Mulfingen (bei Künzelsau) für einen extrem leichten Ventilator mit geregeltem EC-Motor (laut EBM-Papst minus 30 % Energieverbrauch). Vorstand Hans-Jochen Beilke: „Die heutigen Gewinner SMA und Viessmann, beide sehr gute Kunden, nutzen unsere Produkte in ihrem Energiesparprogramm.“ Seine sparsamen Produkte sind jedoch nicht nur in Deutschland gefragt. Bei einem Besuch in Fernost stellte der Vorstand erstaunt fest, „wie die Chinesen auf das Thema Energiesparen und erneuerbare Energie abfahren“.

Ähnlich sehe es auch in den USA aus. Die „Grün-Anlagen“ lassen sich, so die Überzeugung von EBM-Papst und SMA, künftig nicht mehr nur exportieren. Staaten wie etwa China würden erwarten, dass ihre Geschäftspartner auch Fabriken in den jeweiligen Ländern aufbauen. SMA-Chef Cramer: „Wir müssen Wertschöpfung direkt in den neuen Märkten machen. Es geht bei erneuerbarer Energie auch immer um lokale Wertschöpfung.“

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