Kai Gilbert, IMC Messsysteme

"Das Vertriebsmodell, das jetzt gefragt ist, ist ein Modell, das wir seit 20 Jahren erfolgreich betreiben". - Kai Gilbert, IMC Messsysteme. Bild: IMC Messsysteme

Herr Gilbert, inwieweit ist gerade Ihre Softwareseite seit dem Hype um Industrie 4.0 noch mehr gefragt?
Dem Hype um Industrie 4.0 liegen ja die Themen Digitalisierung und Vernetzung zugrunde. Für uns als Messtechnik-Spezialist sind diese beiden Aspekte auch gleichzeitig die Grundlagen unseres Geschäftsmodells und das seit Gründung vor bald 30 Jahren. Unsere Kunden, die vorwiegend aus Forschung und Entwicklung stammen, wollen seit jeher ihre Maschinen, Anlagen und Fahrzeuge digitalisieren, um diese anhand von Daten besser zu verstehen und dadurch zu optimieren. So haben wir zum Beispiel bereits Ende der 90er Jahre Schiffsdiesel von MAN mit Monitoringsystemen ausgestattet und vernetzt – damals noch mit lückenhafter Mobilfunkverbindung. Daraus haben wir dann den IMC-Cloud-Server entwickelt – nur dass es damals noch keiner Cloud genannt hat. Man sieht also, dass solche Softwarelösungen im Forschungs- und Entwicklungsumfeld bereits vor 20 Jahren gefragt waren. Nichtsdestotrotz löst natürlich der Hype auch eine stärkere Nachfrage aus – vor allem nach Echtzeit-Software-Plattformen, Cloud-Speicherlösungen und Big-Data-Analysewerkzeugen.

Typische Cloud-Anfragen aus dem Maschinenbau sind...?
Die Aufgaben lassen sich grob in drei Bereiche einteilen. Erstens: Sammeln von realen Felddaten in der Cloud zur Validierung, Optimierung und Weiterentwicklung der Maschine oder Anlage. Der zweite Bereich ist die vorbeugende Instandhaltung. Und drittens: Cloudbasiertes Monitoring von Windanlagen und Smart Grids.

Inwiefern hat sich das Vertriebsmodell von IMC mit der Diskussion um Industrie 4.0 verändert?
Das Vertriebsmodell, das jetzt gefragt ist, ist ein Modell, das wir seit 20 Jahren erfolgreich betreiben – nämlich das des Lösungslieferanten. Bedingt durch knappe Zeitpläne und umfangreiche Aufgaben sinkt bei unseren Kunden das Messtechnik-Know-how. Im Vorteil ist also der, der jetzt nicht nur als reiner Produktlieferant agiert, sondern seine Kunden als Partner beraten und eine passgenaue Lösung entwickeln kann. Als Systemhaus sind wir dazu bestens aufgestellt und helfen unseren Kunden von der Sensorik über die Datenerfassung bis hin zu IT- und Telekommunikationstechnik. In den letzten Jahren gehört dazu auch ein verstärktes Dienstleistungsangebot. Angefangen bei der Auswahl und Installation von Sensorik, dem Konfigurieren und Einrichten von Messgeräten, der Erstellung von Echtzeit-Analyse-Programmen, dem Aufsetzen verschlüsselter Telekommunikationsstrecken bis hin zum Betrieb von Cloud-Speicher-Lösungen mit Big-Data-Analysen.