Die europäische Ökodesign-Richtlinie 2009/125/EG reguliert mit den Verordnungen 640/2009 und 4/2014 den Einsatz von Energiesparmotoren. Zum 1. Januar 2017 trat nun die dritte und letzte Stufe der Verordnung in Kraft. Sie fordert die Verwendung von IE3-Motoren im Netzbetrieb schon ab 0,75 kW oder in der Wirkungsklasse IE2 mit einer elektronischen Drehzahlregelung.

Einführung der neuen Norm ohne Probleme

Eins vorweg: Die Hersteller von Elektromotoren haben ihre Hausaufgaben gemacht. „Sie haben ihr Portfolio stetig weiterentwickelt und sind in der Lage, alle gesetzlichen Anforderungen nicht erst ab dem jeweiligen Stichtag zu erfüllen“, erklärt Gunther Koschnick, Geschäftsführer ZVEI-Fachverband Automation und Leiter Fachbereich Elektrische Antriebe. Allerdings kann im ungünstigen Fall der bestehende Motor nicht durch einen Energiesparmotor der Energieeffizienzklasse IE3 ersetzt werden, da diese bei gleicher Performance oft eine größere Bauform haben. Das bedeutet, dass sich nicht nur der Motor ändert, sondern auch die Maschine umkonstruiert werden muss, so Koschnick weiter.

„Nachdem der IE2-Standard mehrere Jahre lang Geltung hatte, wirkte sich die zweite Stufe der Verordnung für Motoren zwischen 7,5 und 22 kW signifikant auf unsere Entwicklungsabteilung und die Produktionsaktivitäten aus. Die Umsetzung stellte zu diesem Zeitpunkt einen erheblichen Aufwand an Entwicklungsarbeit dar“, berichtet Matteo Canepa, Product Marketing Manager bei Bon­figlioli Riduttori. „Aufgrund unserer bisherigen Erfahrungen bei der Umsetzung der Stufe 2 war die Erweiterung in diesem Jahr auf Stufe 3 für kleinere Motorenleistungen keine große Herausforderung für uns. Trotz restriktiverer Regulierungen haben wir uns darauf konzentriert, die Features des IE2-Portfolios bei den IE3-Motoren aufrechtzuerhalten, um das gleiche Maß an Vielfalt zu gewährleisten.“

Oder vielleicht ein alternatives Motorprinzip?

General-Purpose-Motor Simotics GP-VSD4000, Bild: Siemens
Der General-Purpose-Motor Simotics GP-VSD4000 von Siemens. Bild: Siemens

Auch für Siemens wirft die Realisierung keine unlösbaren Fragen auf, betont Dr. Carsten Rebbereh, Leiter Produktportfolio-Management Low Voltage Motoren und Umrichter bei Siemens in Nürnberg. „Natürlich mussten im Vorfeld der neuen Normen alle Designs sauber qualifiziert und die notwendigen Zertifizierungen durchgeführt werden. Allerdings lassen zusätzliche Energieeinsparungen durch die starren Regelungen, wie sie in der kommenden Wirkungsklasse IE4 beschrieben sind, nur bedingt realisieren. Es ist sinnvoller, den Fokus auf die Energieeinsparung des gesamten Antriebssystems zu legen.“ Deshalb werden sich neben der klassischen Asynchrontechnik auch alternative Motorprinzipien wie die Synchron-Reluktanzmotoren durchsetzen. Aus dem durchgängigen Portfolio in IE3 und IE4, erweitert um Synchron-Reluktanzmotoren, könne der Kunde das passende Produkt auswählen, so Rebbereh.

Auch ABB sieht in der Erweiterung der Verordnung kein Problem. „Wir verfügen bereits seit geraumer Zeit über ein komplettes Sortiment an EU-konformen IE3-Motoren in allen Leistungsklassen und erweitern unser Produktportfolio entsprechend den weltweiten Normforderungen. Darüber hinaus bietet ABB eine breite Palette an IE4-Motoren, die weitere Energieeinsparungen ermöglichen“, sagt Ralf Peschel, Produktmanager Niederspannungsmotoren bei ABB Automation Products.

„Bei SEW-Eurodrive hat die überwiegende Zahl der deutschen Kunden nicht auf das Jahresende 2016 gewartet, sondern betreibt schon seit dem Januar 2015 in allen Leistungsklassen den Wechsel“, erklärt Gregor Dietz, Marktmanager Motoren bei SEW-Eurodrive. Bereits 2016 erzielten IE3-Drehstromasynchronmotoren der Baureihe DRN einen Anteil an den Stückzahlen, der weit über dem Durchschnitt anderer deutscher Hersteller lag, so Dietz weiter.