Gyro Swing, Bild: Intamin

Ein Gyro Swing ist eine Freizeitparkattraktion, die mutige Besucher durch Pendelbewegungen bis zum Gefühl der Schwerelosigkeit schwingt. Bild: Intamin

Loke, oder zu Deutsch Loki, war in der nordischen Mythologie der Sohn eines Riesen und ein Halbgott von Asgard. Nach ihm benannte der schwedische Vergnügungspark Liseberg auch seine neuste Attraktion, den Gyro Swing 40 des Schweizer Vergnügungsanlagen-Herstellers Intamin. Betrachtet man die Pendel-Attraktion, ist der Name sehr treffend gewählt: Mit einer Kapazität von 40 Passagieren in der drehenden Gondel und einer Bauhöhe von 27 Metern scheint auch der Gyro Swing 40 von einem Riesen abzustammen.

Dabei griff die Firma Intamin bei Loke zum ersten Mal zu einem neuen Konzept. Während vorherige Gyro Swings entweder hydraulisch oder mit bis zu neun Norm-Getriebemotoren angetrieben wurden, setzte der Hersteller auf einen kompakten Direktantrieb der Firma Oswald Elektromotoren. 400 Kilowatt Leistung bei einem Nennmoment von 15.400 Newtonmeter liefert der Torquemotor aus Miltenberg im Dauerbetrieb. Unterstützt durch ein Planetengetriebe der Firma Brevini mit einer Übersetzung von 20,11 werden die benötigten 325.000 Newtonmeter zum Beschleunigen des Schwungarms erreicht.

Oswald Torquemotoren und -generatoren sind für viele verschiedene Anwendungen geeignet. Sei es als Hauptantrieb in Automobilpressen oder als Propellerantrieb in elektrischen Passagierfähren. Durch hohe Nennmomente bei niedriger Drehzahl und hohe Wirkungsgrade sind diese Motoren vielseitig einsetzbar.

Als Direktantrieb sind Torquemotoren bestens für hochdynamische Prozesse geeignet. Mit dem Verzicht auf Übersetzungen spart der Anwender – im Vergleich zu konventionellen Getriebemotoren – viel Energie.

Nervenkitzel in 42 Metern Höhe

Bei einem Winkel von 120 Grad und einer Höhe von 42 Metern erreicht der Swing seinen höchsten Punkt. Ab diesem Punkt fängt für die Passagiere der wahre Nervenkitzel an. Mit einer Höchstgeschwindigkeit von bis zu 100 Kilometern pro Stunde rasen die Fahrgäste, bis dieselbe Höhe auf der gegenüberliegenden Seite erreicht wird. Verstärkt durch die drehende Gondel wirken dabei Beschleunigungen von mehreren g auf den menschlichen Körper. Sobald das Pendel wieder den höchsten Punkt erreicht und die Beschleunigung gegen Null geht, spürt der Fahrgast ein Gefühl der Schwerelosigkeit.

Während der gesamten Fahrt unterstützt der Torquemotor das Schwingen, um den maximalen Schwungwinkel mehrmals erreichen zu können. Nach rund 80 Sekunden Fahrtzeit beginnt der Bremsprozess. Dabei erzeugt der Direktantrieb ein Spitzen-Drehmoment von 25.580 Newtonmeter bei einer Leistung von 640 Kilowatt. Beim Bremsen wird die kinetische Energie wieder in Strom umgewandelt. Bis zum Erreichen des Stillstands werden mehrere Kilowattstunden Energie wieder in das Netz zurückgespeist. Die gesamte Fahrzeit beträgt etwas mehr als anderthalb Minuten. Somit können bis zu 900 Fahrgäste in der Stunde das Abenteuer mit Loke genießen.

Kleiner Bruder in Down Under

Auf der anderen Seite der Welt, knapp 14.000 Kilometer Luftlinie entfernt, erfreuen sich Fahrgäste an dem kleinen Bruder des mächtigen Loke. Goliath, treffenderweise auch nach einem Riesen benannt, steht seit September 2017 im australischen Vergnügungspark Adventure Park Perth. Der kleinere Type aus dem Hause Intamin, mit der Bezeichnung Gyro Swing 32, basiert ebenfalls auf dem neuen Antriebskonzept. Auch hier liefert die Firma Oswald den passenden Torquemotor. Der eingesetzte 165-Kilowatt-Motor des Typs TF36.70-24W erreicht 6.500 Newtonmeter im S1-Betrieb.

Im Zusammenspiel mit dem Getriebe der Firma Brevini werden die benötigten 132.600 Newtonmeter erreicht, um den kleineren Goliath und seine 32 Fahrgäste zum Schwingen zu bringen. Wie beim großen Bruder werden nach mehrmaligen Schwingen die 120 Grad erreicht. Ab diesem Punkt rasen die Passagiere mit einer Höchstgeschwindigkeit von 65 km/h auf die gegenüberliegende Seite, dem Gefühl der Schwerelosigkeit entgegen. Beim Bremsen zeigt der Motor nochmals seine Stärken. 128.000 Newtonmeter Spitzenmoment, welche durch das Getriebe auf 260.000 Newtonmeter übersetzt werden.

Auch ab 2018 wird wieder ein neuer Gyro Swing mit dem neuen Antriebskonzept in einem Freizeitpark auf unserer Seite der Welt viele Besucher erfreuen. Ob dieser auch nach einem mythischen Riese benannt wird, ist noch nicht bekannt. Aber eins ist sicher: Auch er wird Fahrgäste zur Schwerelosigkeit schwingen – und das, Dank dem Torquemotor der Firma Oswald, besonders leise. jl