Fluidtechnik – das ist fluidische Antriebstechnik dank hydraulischer oder Druckluftkomponeten in zahlreichen Facetten für die unterschiedlichsten Branchen, von den mobilen Maschinen über Werkzeugmaschinen oder Pressen, Verpackungsmaschinen oder Druck- und Papiertechnik. 200 Mitgliedsfirmen sind im VDMA in den Fachverbänden Antriebs- und Fluidtechnik organisiert, deren Vorsitzender und stellvertretender Hauptgeschäftsführer des VDMA Hartmut Rauen betont: „Die Fluidtechnik hat das große Glück, dass sie mit Industrie 4.0 ihre Position als Schlüsseltechnologie stärken kann. Die Digitalisierung ist hier ein wichtiger Motor. Neue Geschäftsmodelle sind denkbar. Predictive Maintenance steht exemplarisch dafür.“ Das meint auch Andreas Gerstenberger, im Continental-Konzern verantwortlich für den Geschäftsbereich Industrial Fluid Solutions: „Das, was digitalisiert werden kann, wird digitalisiert werden – und das über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg. Deshalb wird die zunehmende Vernetzung in den kommenden Jahren noch stärker in den Fokus rücken. Durch die Integration von Sensoren können beispielsweise Ausfälle vermieden und damit Wartungskosten reduziert werden. Das verbessert die Effizienz, erhöht die Arbeitssicherheit und steigert gleichzeitig die Qualität.“

Darüber hinaus bilde die Digitalisierung künftig die Grundlage für zusätzliche Serviceangebote, so Gerstenberger. Aus den gewonnenen Daten könnten individualisierte Services angeboten werden. Bisherige Produktlieferanten würden damit zu Serviceanbietern. „Hinzu kommt ein weiterer Aspekt: Gewonnene Daten dienen demnächst auch als Steuerungsinstrument für eine verbesserte Produktentwicklung oder bestimmen Einkaufsprozesse entscheidend mit. Die Digitalisierung wird den ganzheitlichen Kreislauf der Fluidtechnik auf allen Ebenen erheblich beeinflussen“, betont Gerstenberger.

Die Vernetzung der verschiedenen Antriebskomponenten bekomme eine immer höhere Relevanz, meint auch Klaus Peter Sprödhuber, der bei KTR für den Vertrieb der Hydraulik-Komponenten zuständig ist. Gerade das Zusammenwirken von Pumpe, Motor, Ventilen, Kühler und Sensorik bringe sowohl bei der Steuerung als auch der Überwachung erhebliche Vorteile. „Ob C-oder A-Teil, die Komponentenhersteller sind gefordert entsprechende Produktlösungen zu entwickeln“, so Sprödhuber. Die Digitalisierung spiele aber auch bei der Beschaffung eine wichtige Rolle: „Nehmen wir einmal den Auswahlvorgang bei der Planung einer Anlage oder Maschine: Online-Konfigurationstools helfen bei der Suche und Auslegung der passenden Komponente und liefern die dazu gehörende Dokumentation wie zum Beispiel 3D-Zeichnungen und Datenblätter“, erzählt Vertriebsmann Sprödhuber aus der Praxis.

Smart Pneumatics Monitor, Bild: Aventics
Der Smart Pneumatics Monitor, das erste Aventics Produkt für den Einsatz in Industrie-4.0-Umgebungen. Bild: Aventics

Aus der praktischen Umsetzung berichtet auch Dr. Steffen Haack, Mitglied des Vorstands mit Zuständigkeit für die Business Unit Industrial Applications und Koordination Vertrieb bei Bosch Rexroth: „Entscheidend für den Erfolg der Elektrohydraulik ist, dass sie sich nahtlos und komfortabel in moderne Steuerungssysteme einfügt. Dazu braucht sie zwingend verteilte Intelligenz, offene Schnittstellen und eine einfache Bedienung.“

Bei vielen Anwendungen werde der Umgang mit der Elektrohydraulik, wie bei den elektrischen Antrieben, immer stärker von Software bestimmt. „Wizards schlagen für die Erstparametrierung passende Reglerwerte vor und führen auch Fachkräfte ohne fundiertes Hydraulik-Know-how durch die Inbetriebnahme“, so Haack. Darüber hinaus werde sich die energieeffizientere Verdrängersteuerung in vielen Fällen durchsetzen. Drehzahlvariable Pumpenantriebe steuerten einzelne Achsen aus der Drehzahl heraus. Die Synchronisation solch autarker Achsen, beispielsweise bei Gleichlaufregelungen, werde durch die Vernetzung untereinander und der übergeordneten Steuerungsebene erheblich vereinfacht. „Automatisierung at it’s best und kein Unterschied zur elektrischen Antriebstechnik.“

„Auch in der Pneumatik gibt es seit Langem aktive Komponenten, die sowohl elektronische Hardware als auch entsprechende Software an Bord haben, wie zum Beispiel Ventileinheiten mit Feldbusanschluss und E/A-Modulen oder komplexe Sensorik“, unterstreicht Wolf Gerecke als Director Strategic Product Management bei Druckluft-Hersteller Aventics. Hier sei die Erwartungshaltung des Marktes ganz klar eine Integration dieser Produkte in die sich rasant entwickelnden Industrie-4.0-Architekturen und -Anwendungen. Dadurch eröffneten sich auch hier neue Möglichkeiten, vor allem hinsichtlich vorausschauender Wartung.