Diese Hydraulikzylinder bewegen 2500 Tonnen in einer für die USA bestimmten Biegepresse.

Diese Hydraulikzylinder bewegen 2500 Tonnen in einer für die USA bestimmten Biegepresse.

Die Firma Kayahan aus Konya – einer der Hersteller für industrielle Hydraulikzylinder der Türkei – fertigt alle Arten von Zylindern wie teleskopische, hydraulische, pneumatische, mit einer oder mehreren Kolbenstangen, rostfreie, mit Ni-/Cr-/NiCr-Beschichtung, mit Keramik-Beschichtung, Zylinder bis zu 15 Meter Länge und zwei Meter Außendurchmesser. Fach- und Spezialgebiet des türkischen Unternehmens sind kundenspezifische hydraulische und pneumatische Zylinder mit großen Dimensionen, die in der Schwerindustrie eingesetzt werden.

Das Unternehmen Kayahan

Sonderanfertigungen in Serie

Firmengründer Mehmet Kayhan

Firmengründer Mehmet Kayhan kommt noch jeden Tag in die Firma.

Mehmet Kayhan gründete die Firma Kayahan1950 mit seinen Brüdern als kleine Reparaturwerkstatt. Doch bald darauf begann er, vorrangig die selbst benötigten Hydraulikpressen herzustellen. So wurden zunächst Hydraulikpressen mit 100 und 150 Tonnen für Kunden in der Türkei hergestellt. Dann begann das Unternehmen, sehr unterschiedliche Produkte, die der Markt benötigte wie hydraulische Pumpen, Ventile und Hydraulikpressen für besondere Zwecke zu produzieren. Im Laufe der Zeit hat man sich dann auf hydraulische und pneumatische Zylinder konzentriert. In den letzten 25 Jahren wurden industrielle Hydraulikzylinder, die für den Betrieb unter schweren Bedingungen konzipiert waren, zu den Hauptprodukten. Die Grenze beim Honen liegt für Außendurchmesser bei 1800 mm, für die Länge bei 15.000 mm. Durch eine kürzlich getätigte Investition ist man in der Lage, auch Kundenwünsche im Bereich mobiler Zylinder in kleineren Ausführungen zu erfüllen. Heute beschäftigt Kayahan 245 Mitarbeiter. 80 Prozent der Produktion geht in den Export, fast ausschließlich nach Europa.

Dank des Maschinenparks im Unternehmen können diese großdimensionierten Zylinder gleichzeitig und in großer Stückzahl hergestellt werden. So reicht die Kapazität des Unternehmens etwa für 20 hydraulische Zylinder mit 1000 mm Durchmesser und 2000 mm Länge pro Monat.

2012 wurden 7270 kundenspezifische Zylinder in 568 verschiedenen Ausführungen hergestellt. Das Qualitätsniveau ist hoch: Die inneren Oberflächen der Zylinder werden im Werk gehont und verchromt, bei den Oberflächen der Kolbenstangen kommen Verfahren wie Schleifen, Polieren, Außenhonen und darauf Chrom- oder Keramikbeschichtung oder Nitrierung zur Anwendung. Nur das Induktionshärten der Kolbenstangen-Oberflächen findet nicht im Werk selbst statt. Momentan ist man dabei, eine zweite Anlage für die Hartverchromung aufzubauen. Zudem ist in Planung, im Werk gleichzeitig auch Nickel-Beschichtungen anzubieten. Die Anlage soll 2014 fertiggestellt werden. Dank ERP-System werden Kunden dann ab 2014 online den Fortgang ihrer Bestellung verfolgen können.

Die hydraulischen Zylinder kommen in den unterschiedlichsten Branchen zum Einsatz: Zylinder für hydraulische Stützen und Fahrwerke für Bergwerke, Zylinder für Arbeits- und Baumaschinen, die auch im Eisen- und Stahlsektor zur Anwendung kommen, Zylinder für hydraulische und pneumatische Pressen, hydraulische und Gasdämpfer, die bei Brücken und Hafenkränen eingesetzt werden, Hydraulikzylinder für Staudammklappen und verschiedene Zylinder, die beim Schiffbau verwendet werden.

„Unsere Firma ist nicht nur wegen der großen Zylinder, die sie produziert interessant, sondern auch wegen ihrer Führung. Denn die Mehrzahl des Vorstands besteht aus Frauen“, betont die Vorstandsvorsitzende Sevda Kayhan Yilmaz. Erklären lässt sich dieser Umstand durch die Haltung des liberalen Firmengründers Mehmet Kayhan, der weder im privaten Bereich noch in der Arbeit nach Geschlechtern differenziert habe. „Unsere Familie verarbeitet seit drei Generationen Eisen und Holz: Das heißt: die Produktion liegt in unseren Genen“, schmunzelt Tochter Sevda. Der Firmengründer, heute Ehrenvorsitzender, habe immer daran geglaubt, dass Frauen am gesellschaftlichem Leben aktiv teilnehmen müssten. Dies könne zum Wohlstand des Landes beitragen. Er habe deshalb die weiblichen Familienmitglieder stets aktiv unterstützt.

Zurzeit ist die Gründergeneration der Eltern noch als Berater im Unternehmen tätig, die zweite und dritte Generationen der Familie hat aktive Positionen inne. Die weiblichen Führungskräfte, die nicht aus der Familie stammen, sind aber schon seit so langer Zeit im Unternehmen tätig, dass sie faktisch zur Familie gehören. Alle Frauen – mit Ausnahme der Vizegeneraldirektorin – haben ihre berufliche Karriere in unteren Positionen begonnen und konnten sich dank ihrer professionellen Leistungen mit der Zeit ihre höheren Positionen erarbeiten.

„Dass Frauen gemäß ihrer Natur gemäßigter und kompromissfreudiger sind, war für uns in unseren Kundenbeziehungen schon immer von Vorteil“, unterstreicht Sevda Kayhan und fährt fort: „Wir bringen unseren Kunden die gleiche Sorgfalt und Geduld entgegen, die wir unseren Kollegen oder unseren Kindern entgegenbringen. Ich glaube, dass wir deshalb insbesondere bei der Lösung von Problemen sehr erfolgreich sind. Unsere Art der Beziehungen hat dafür gesorgt, dass wir mit einigen unserer Kunden, die im gleichen Sektor als Mitbewerber tätig sind, seit langen Jahren problemlos zusammenarbeiten.“ So sei man im Unternehmen sehr stolz darauf, dass man auch heute noch immer mit einem Kunden aus dem frühen Exportgeschäft zusammenarbeite.

Konsequent in Qualität

Was das Unternehmen stark mache, seien Verständnis, Überzeugung und das stete Streben nach Qualität. „Diesbezügliche Vorschläge und Hinweise unserer Kunden werden sofort befolgt“, betont die Geschäftsführerin. Bei Fehlern konzentriere man sich nicht auf die Suche nach irgendwelchen Schuldigen, sondern auf das System. So sei Ehrlichkeit ein Muss: „Wenn wir einen Fehler machen, dann geben wir das zu und treffen Vorkehrungen, damit das nicht wieder passieren kann.“

Die türkische Maschinenindustrie beabsichtigt ihre Exporte innerhalb von zehn Jahren um das Zehnfache zu erhöhen. Lässt sich das verwirklichen? „Auch wir wollen weiter wachsen“, hat sich die Vorstandsvorsitzende für ihr Unternehmen das gleiche Ziel gesetzt. Um das zu erreichen sei es notwendig, hart zu arbeiten. In der türkischen Kultur gebe es viele Geschichten darüber, dass Menschen Dinge vollbracht hätten, die von anderen als unmöglich bezeichnet worden waren, man gar versucht habe, diese von ihrem Vorhaben abzubringen. Zwar sei die Türkei im vergangenen Jahr nicht mehr so schnell gewachsen wie in den Jahren zuvor. „Mich hat diese Wachstumszahl aber nicht enttäuscht, hat doch die türkische Regierung diese bewusst nach unten gesteuert“, blickt Frau Kayhan hingegen positiv in die Zukunft: „Meine Erwartung für dieses Jahr liegt bei einem Wachstum von vier Prozent.“

ke NEXT hakt nach bei Sevda Kayhan Yilmaz, Kayahan

Keine Diskriminierung
Gibt es im Unternehmen außer im Vorstand noch weitere Frauen?
Meine Mutter – die auch die Position der Vizevorsitzenden des Vorstands inne hat – ist gleichzeitig Großgesellschafterin der Firma. In den Bereichen der technischen Abteilungen und der Verwaltung arbeiten außer uns Vorstandsfrauen noch weitere vier weibliche Angestellte. Allerdings macht das im Gesamtverhältnis zu allen Mitarbeitern nicht einmal fünf Prozent aus. Wir wünschen uns zwar, dass es mehr Frauen werden, aber wir wollen deshalb niemanden diskriminieren. In der Arbeitswelt gewinnt die-/derjenige, die/der es verdient.

Was ist Ihre wichtigste Eigenschaft?
Meiner Meinung nach ist unsere wichtigste Eigenschaft, dass wir eine große Anzahl von großen Zylindern gleichzeitig herstellen können. Ich vertraue unserer Mannschaft und unserem Werk.

Worin besteht Ihre Schwäche?
Ich denke, dass unsere schwächste Seite mehr mit der Industrialisierung des Landes zu tun hat. Die türkische Industrie ist noch sehr jung – das beeinflusst den gesamten Rahmen.
Denn wenn du ein Ahorn werden möchtest, kannst du in einem kleinen Blumentopf nicht wachsen. Aus diesem Grund arbeiten die Menschen in der Türkei sehr viel, damit sich unser Land weiterentwickelt. Noch vor zehn bis 15 Jahren hätten einige europäische Firmen nicht geglaubt, dass wir in der Türkei derartige große Zylinder herstellen können.

Wer sind Ihre Kunden?
Es ist unser Prinzip, dass wir weder die Namen unserer Kunden noch deren technische Daten preisgeben. Geheimhaltung ist für uns sehr wichtig. Selbst die meisten Mitarbeiter in der Produktion kennen den Kundennamen nicht. Alle von uns gefertigten Produkte werden nur mit Codezeichen bearbeitet.

Arbeiten Sie an neuen Produkten?
Bereits auf der letzten Hannover Messe haben wir angefangen, Hybridzylinder (Gas + Hydraulik) für Brückenkräne oder Dämpfer vorzustellen. Diese produzieren wir schon seit langem für die Türkei und sind auf diesem Gebiet führend. Jetzt möchten unseren Marktanteil erhöhen und haben begonnen, diese auch nach Europa zu exportieren.

Wie hoch ist denn Ihr Exportanteil?
80 Prozent unserer Produktion wird exportiert. Fast der gesamte Export geht nach Europa. 20 Prozent für die Türkei zu produzieren ist eine Grenze, die wir selbst gesetzt haben. Unser nächstes Ziel sind die USA. Bereits heute gehen die ersten Bestellungen aus Amerika ein. Wir sind davon überzeugt, dass wir ebenfalls erfolgreich nach Amerika exportieren können.

Wie bewerten Sie die politischen Demonstrationen in der Türkei?
Die türkische Bevölkerung hat Werte, die für sie wichtig sind, eingefordert. Dies hat sie auf eine sehr demokratische Weise und sehr diszipliniert getan. Alle Personen, die sich an den Demonstrationen beteiligten, sind tagsüber weiter ihrer Arbeit nachgegangen. Ich bin sicher, dass das im Endeffekt die demokratische Entwicklung des Landes beflügelt.

Lesen Sie hierzu auch folgenden Artikel: Wie Kayahan in Europa Marktanteile erobern möchte

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