Frank Kronmüller, Prokurist und Executive Vice President R+W, Quelle: ke NEXT/wk

Sie sagen, dass R+W bei Kupplungen immer wieder Maßstäbe setzt. Wie kommen Sie darauf?

Frank Kronmüller: Im Grunde sieht man es daran, dass man vom Wettbewerb nachgeahmt wird. Uns zeigt das, dass wir etwas richtig gemacht haben und dass es vom Markt, von den Kunden, so akzeptiert wurde. Sonst würde es ein anderer ja nicht auf die gleiche Weise machen.

Nun sind Kupplungen ja mechanische Bauteile, bei denen sich das Know-how nicht in einer Software verstecken lässt, sie lassen sich also leichter kopieren. Wie groß ist Ihr Entwicklungsvorsprung?

Frank Kronmüller: Das hat sich über die Jahre verändert. Sehen Sie, unser erster großer Meilenstein war die spielfrei steckbare Metallbalgkupplung. Das war 1993. Da hat es rund 13 Jahre gedauert, bis sie nachgemacht wurde. Bei den Leichtbau-Sicherheitskupplungen von 2010 hatten wir einen Vorsprung von gut zwei Jahren. Man sieht also, der Markt wird agiler. Man ist schon gezwungen, mit stetigen Neuentwicklungen den Kunden Vorteile zu verschaffen, sonst kann man nicht mehr bestehen.

Sie sagen, Neuentwicklungen basieren bei Ihnen auf Kundenanforderungen. Nennen Sie mir mal ein typisches Beispiel.

Frank Kronmüller: Da habe ich vielleicht kein typisches Beispiel, aber ein sehr schönes. Wir haben eine Leichtbaukupplung für die Internationale Raumstation ISS gebaut. Aufgabe war es, die sensible Messtechnik in einem Ergometer für Astronauten zu schützen, falls die Jungs da oben zu vehement hineintreten. Ich habe gelesen, dass es 80.000 Dollar kostet, ein Kilo dort hoch zu schießen. Da zählt am Ende jedes Gramm. Also haben wir eine spezielle Kupplung gebaut, die war am Ende durchlöchert wie ein Schweizer Käse. Schließlich ist aus diesem Projekt aber auch wieder eine Standard-Baureihe entstanden, unsere Leichbau-Reihe SL. Insofern ist es dann doch wieder ein typisches Beispiel.

Wenn Sie in die Zukunft blicken: Wie wird die Kupplung der Zukunft aussehen?

Frank Kronmüller: Die Grundanforderung wird bleiben: Wir haben eine Drehbewegung, die übertragen werden muss. Das macht man dann mit einem runden, flexiblen Bauteil, und zwar möglichst effizient. Was allerdings auch bei uns kommen wird, ist das Thema Industrie 4.0. Und da muss man sehen, welche Rolle mechanische Bauteile – nicht nur die Kupplungen – spielen werden. Ich denke, dass in Kupplungen, Getriebe, Lager oder Ketten auch eine gewisse Intelligenz integriert werden wird. Um überhaupt all die intelligenten Prozesse zu ermöglichen. Für die Kupplung heißt das, sie könnte erkennen, ob sie richtig verbaut ist, ob sie zu viel Versatz hat, ob es eine Erwärmung gibt und wann sie eine Wartung braucht. Wir haben bereits 2009 zur MDA eine intelligente Kupplung vorgestellt. Noch nicht fertig entwickelt, aber als Konzept. Das war noch limitiert, aber wir forschen in diese Richtung.

Abschließend: Was kann R+W besonders gut?

Frank Kronmüller: Das klingt immer ein bisschen abgedroschen, aber man muss das Gesamtbild sehen. Wir sind flexibel und wir nehmen jeden Kunden ernst. Ob er eine kleine Kupplung will oder eine große. Hinter jeder Kupplung steckt Entwicklungszeit. Und die macht bei so einer kleinen meistens genauso viel Arbeit wie bei einer großen. Aber wir gehen es an. wk