Die Auswahl der Lagerbauform beginnt mit einer vorläufigen Aufnahme der folgenden Informationen:

  • Größe der Last
  • Anordnung der Last, zum Beispiel mittig auf dem Laufwagen oder seitlich
  • Erforderliche Genauigkeit
  • Gewünschte Laufleistung
  • Einbaubedingungen

Dank der Steifigkeit, Tragzahl und Genauigkeit sind Profilführungen mit O-Anordnung für anspruchsvolle Anwendungen prädestiniert, die von der Industrieautomation mit hohen Lasten über Werkzeugmaschinen bis zu Präzisionsmessgeräten reichen.

Für besonders anspruchsvolle Anwendungen bieten sich Rollen als Wälzkörper an, da diese hier noch mehr Vorteile mit sich bringen. Die Rollen sind platzsparender, das heißt sie liefern höhere Tragzahlen bei geringeren Einbaugrößen, was unter beengten Montageverhältnissen hilfreich sein kann.

An dieser Stelle sei jedoch vor einer Überspezifikation gewarnt: Die Auswahl eines Führungssystems mit zu hoher Steifigkeit kann die zulässigen Einbautoleranzen derart senken, dass die Vorbereitungskosten für die Montageflächen ins Uferlose steigen. Wird die Montagefläche nicht ordnungsgemäß vorbereitet, führt dies zu einem unruhigen Laufverhalten, sodass ein häufiger Austausch der Komponenten notwendig wird oder die Lager sogar ganz festfressen.

Für Anwendungen, bei denen es nicht in erster Linie auf höchste Präzision, Tragzahl und Steifigkeit ankommt, bieten Lösungen in X-Anordnung möglicherweise eine höhere Laufruhe bei geringeren Anschaffungs- und Montagekosten. Damit sind sie die optimale Wahl für Anwendungen der Industrieautomation wie Lebensmittelverarbeitungs- oder Verpackungsanlagen, wo die Lasten eher gering und die Anforderungen an die Präzision nicht allzu hoch sind.

Lebensdauer korrekt abschätzen

Symbolbild Sanduhr, Bild: Syda Productions, Fotolia
Die Last, die auf eine Führung wirkt, beeinflusst direkt die Lebensdauer des Lagers. Bild: Syda Productions, Fotolia

Wenngleich alle erhältlichen Systeme aus widerstandsfähigen Werkstoffen gefertigt und mit aufwändig polierten Oberflächen versehen sind, um die Reibung zu minimieren, unterliegen sie dennoch unweigerlich einem gewissen Verschleiß. Die Langlebigkeit ist im Wesentlichen eine Funktion aus der zu bewegenden Last und der Anzahl der Arbeitszyklen – sämtlich Größen, die sich anhand der Planungsparameter berechnen und vorherbestimmen lassen.

Die meisten Gerätehersteller definieren die Lebensdauer ihrer Systeme hinsichtlich der Laufleistung. Das heißt, sie geben beispielsweise an, dass eine Führung eine Laufleistung von 50 oder 100 Kilometer bietet. Hier sollte jedoch unbedingt die Last einberechnet werden. Die wirkende Last hat einen direkten Einfluss auf die Lebensdauer eines Linearlagers. Ingenieure könnten also ein Lager mit einer überdimensionierten Tragzahl wählen, um auf diese Weise die Laufleistung zu erhöhen. Der Umkehrschluss könnte ebenfalls zutreffen, hierzu sollte aber der Hersteller des Lagers konsultiert werden. Wichtig zu beachten ist zudem, dass die Nenntraglast eines Linearlagers immer im Zusammenhang mit einer bestimmten Laufleistung angegeben wird, die von Hersteller zu Hersteller abweichen kann.

Bei Anwendungen mit beengtem Platzangebot können kleinere Lager verwendet werden, während die Lebensdauer entsprechend ausgelegt wird. Bei einer solchen Herabstufung sinkt die Laufleistung, es ist jedoch darauf zu achten, dass die vom Kunden geforderte Einschaltdauer eingehalten wird. Wünscht der Endanwender jedoch zugunsten einer hohen Investitionsrendite eine längere Lebensdauer, müssen das System oder die Systemumgebung entsprechend umgestaltet werden.

Weitere Faktoren, wie die Art der Schmierung, haben ebenfalls Einfluss auf die Lebensdauer, machen aber keinen Unterschied zwischen X- und O-Anordnung, können also hier vernachlässigt werden.