Augmented Reality in der Industrie steht erst am Anfang. Bild: Hannover Messe

Augmented Reality in der Industrie steht erst am Anfang. Bild: Hannover Messe

Bei vielen akustischen Messungen an Maschinen, Produktionsanlagen oder Autos sei die Ausrichtung der Messmikrofone sehr aufwendig und damit ein kostenintensiver Faktor, berichten die drei Studenten der Frankfurt University of Applied Sciences (Frankfurt UAS): Alexander Pfaff, Elisabeth Kunz und Christopher Morschel. Hier gehe in der Praxis teils mehr Zeit verloren, als für das Messen an sich.

Alles Wichtige rund um die Hannover Messe 2019

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Datum: 01. bis 05. April 2019
Ort: Messegelände Hannover, Hermesallee, 30521 Hannover
Preise (Tageskasse): 31,00 Euro Tagesticket; 70,00 Euro Dauerkarte
Internet: www.hannovermesse.de
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In seinem Projekt ARA - kurz für: Augmented Reality Acoustics - konnte das Team diese Zeit um bis zu 90 Prozent reduzieren. Möglich wird diese Zeitersparnis dadurch, dass den Messtechnikerinnen und Messtechnikern normgerechte Messpositionen in der Datenbrille sichtbar gemacht werden.

Die Idee scheint zu verfangen, denn innerhalb kurzer Zeit erhielt das Team gleich zwei Finanzspritzen. Im Dezember gewann es den Applied-Idea-Wettbewerb der Hochschule und damit eine Summe von 1500 Euro. Im Januar folgte die Zusage für ein sechsmonatiges Stipendium des Hessischen Wirtschaftsministeriums. Es unterstützt das Vorhaben mit einer monatlichen Förderung von 2000 Euro pro Person und bei der Geschäftsentwicklung. Genau das ist das Ziel der Studenten für die kommenden Monate: eine erfolgreiche Ausgründung. Damit läge das Team im Trend: Denn nach einer Studie des Beratungsunternehmens Capgemini könnten Augmented und Virtual Reality in drei bis fünf Jahren in jedem zweiten Unternehmen zum Standard gehören.

Simulieren mit der Powerwall. Quelle: ke NEXT TV

Die Top 3 Einsatzbereiche für AR und VR in der Industrie

Comos Walkinside kann für Immersive Operator Trainings genutzt werden. Bild: Siemens

1. Konstruktion

Bereits 2016 haben wir hierzu ein Interview mit Dr. Georg Wünsch von Machineering, einem Spezialisten für Simulations-Software geführt. Eine der größten Herausforderungen für die Konstruktion mit VR sei die Integration sämtlicher relevanter Unternehmens- und Prozessdaten betonte damals schon das Unternehmen - angefangen vom E-Mail-Programm über das CAD-Modell bis hin zur technischen Betriebsanleitung.

Mit seiner Simulationssoftware Industrial-Physics hat Machineering deshalb bereits auf der SPS IPC Drives 2016 ein Tool vorgestellt, das ein ganzheitliches Engineering vom CAD-Modell über die SPS-Simulation bis hin zur Maschinensimulation ermöglichen soll. Wünsch erklärt: „Mit dem Einsatz einer VR-Brille beispielsweise kann der Anwender tief in die Industrial-Physics-Modelle eintauchen und Abläufe untersuchen, während die Simulation läuft. Auch die Anbindung an reale Steuerungen sowie Handhabungsuntersuchungen sind möglich. Im Gegensatz zu VR besteht bei der AR-Brille die Möglichkeit, die simulierten Modelle in der realen Umgebung einzublenden. Zusätzlich sind Was-wäre-wenn-Untersuchungen in der Planung und Entwicklung mit bewegten Objekten und Maschinen – auch mit realen Steuerungen – möglich. So können Live-Informationen aus der Steuerung direkt in das Modell eingeblendet werden.“

2. Instandhaltung

Dr. Christoph Runde vom Virtual Dimension Center Fellbach erklärt die Möglichkeiten in der Instandhaltung: „Es wird also eine Videokonferenz gefahren, und der Maschinenspezialist aus der Zentrale sieht über die Kamera dasselbe wie der Servicetechniker vor Ort. Auf diese Weise kann der Spezialist ortsrichtig in oder auch an der Maschine einblenden, was der Techniker zu tun hat und ihm zeigen, wo der Fehler liegt. Im Prinzip teilen Sie den Blick.“ Mit Augmented Reality haben Anwender so die richtige Information am richtigen Platz zur richtigen Zeit auf dem richtigen Device.

3. Training

Ein Beispiel für VR-Training ist die Software Comos Walkinside von Siemens. Manuel Keldenich, Experte für Comos bei Siemens, erklärt: „Die Software ermöglicht dem Anwender das Training von Standard Operating Procedures näher, simuliert aber auch Notfallszenarien für den Worst Case, dass zum Beispiel ein Feuer ausbricht. So lässt sich die Inbetriebnahmezeit von Maschinen und Anlagen deutlich verkürzen. Gleichzeitig kann ich mir zum Beispiel – bei einer Verbindung mit dem Leitsystem – den aktuellen Druck oder den Durchfluss an einem Ventil anzeigen lassen. Das vereinfacht wiederum die Wartung im laufenden Betrieb: Denn der Anwender agiert bei Abweichungen vom Sollwert, anstatt erst zu reagieren, wenn es bereits zu einem Ausfall gekommen ist.“