Karsten Just, Bild: Baumer Group

Karsten Just, CMO Baumer Group, Mitglied des Vorstandes. Bild: Baumer Group

Herr Just, wo wird Ihrer Meinung nach die Branche in puncto Digitalisierung in fünf Jahren stehen?

Die Entwicklungen am Markt sind so dynamisch, dass eine Prognose für die nächsten fünf Jahre aus meiner Sicht mehr als schwierig zu treffen ist. Eine Digitalisierung um jeden Preis wird es aber nicht geben. Der Mehrwert für den Betreiber von Produktionsanlagen oder auch den Maschinen- und Anlagenbauer steht ganz klar im Vordergrund und wird auch zukünftig die Triebfeder der digitalen Transformation sein. Unser bestehendes Sensor-Portfolio wird von uns nachhaltig in Richtung intelligent vernetze Sensoren und Sensorlösungen erweitert. Aber wir konzentrieren uns hierbei nicht nur auf unser Portfolio an sich, sondern auch auf die Peripherie. Unseren Kunden echte Mehrwerte schaffen, das treibt uns um. Beispielsweise bieten wir die optische Miniatursensoren Familie O200 erstmalig mit 3D CAD Daten inkl. Strahlverlauf an. Das sorgt für eine einfachere Implementierung und für unsere Kunden bedeutet dies spürbare Zeit- und Ressourcenersparnis in der Konstruktion der Maschinen. Ein weiterer Schritt in Richtung digital Twin und ganz klar ein Vorteil für den Konstrukteur. Hier sehe ich auch die bestehenden und vor allen Dingen zukünftigen Ansätze unserer Branche im Bereich der Digitalisierung. Den Nutzer bzw. die Anwendung in den Fokus zu rücken und wirkliche Mehrwerte zu schaffen.

AlphaProx, Bild: Baumer Group
AlphaProx, teachbare Standard-Induktivsensoren zur Messung kleinster Positionsänderungen. Bild: Baumer Group

Was sind Ihre drei wichtigsten Produkte oder Lösungen zur Digitalisierung?

Grundsätzlich arbeiten wir mit Hochdruck daran, dass unsere Sensoren durch ihre Primärfunktion zu überzeugen wissen. Best-in-Class zu sein ist hierbei unser Ziel. Denn dies ist die Basis für sichere und zuverlässige Maschinen und Anlagen. Das ist zunehmend wichtig, wenn diese Messdaten nicht nur der Maschinensteuerung dienen, sondern auch in anderen Systemen genutzt werden.

VeriSens-Familie, Bild: Baumer Group
Die VeriSens-Familie ermöglicht die bildbasierte Qualitätskontrolle mit nur einem einzigen Sensor. Bild: Baumer Group

Zudem bauen wir unser Portfolio an IO-Link Sensoren konsequent aus. Insbesondere im Bereich der einfachen Sensoren, beispielsweise die induktiven AlphaProx-Sensoren. Wir haben diese mit Sekundärfunktionen und Messwerten erweitert, mit denen unsere Kunden die Möglichkeit haben, Predictive Maintenance oder Big Data Szenarien realisieren zu können.

In Leistungsfähigeren Sensor-Plattformen sehen wir Ethernet Schnittstellen mit dem OPC-UA-Protokoll als längerfristigen, globalen Standard. Hierzu bieten wir bereits heute Sensoren an wie zum Beispiel die VeriSens-Familie, welche eine bildbasierte Qualitätskontrolle mit einem einzigen Sensor ermöglichen. Oder unseren Ethernet-Drehgeber der Serie EAL580, der einen kompakten und wirtschaftlichen Aufbau in Verbindung mit modernsten Kommunikationstechnologien ermöglicht. Als einer der ersten absoluten Drehgeber mit Profinet-Schnittstelle unterstützt die Serie den OPC-UA-Standard. Somit wird sichergestellt, dass ein zuverlässiger und herstellerneutraler Datenaustausch zwischen Systemen möglich ist. Die zukünftigen Möglichkeiten die sich dadurch erschließen sind teilweise bereits erkennbar und sehr vielfältig.

Ethernet-Drehgeber, Bild: Baumer
Ethernet-Drehgeber aus der Serie EAL580 bieten einen kompakten und wirtschaftlichen Aufbau in Verbindung mit modernsten Kommunikationstechnologien. Bild: Baumer Group

Um zusätzliche Messwerte und erweiterte Funktionalitäten auch dem Anwender in der Produktion zur Verfügung zu stellen ist es zwingend nötig die Komplexität gering zu halten und die Bedienung so einfach wie möglich zu machen. Nur so liefern digitalisierte Prozesse und Anlagen eine höhere Gesamtanlageneffektivität. Ein Meilenstein hierzu ist sicherlich unser neues Web Interface. Welches im Responsive Design gleichermaßen für PC als auch für mobile Endgeräte im täglichen Einsatz Massstäbe setzt. Weiter arbeiten wir daran Know-How aufzubauen, um unsere Kunden bei der Integration unserer smart und connected Sensoren in Cloud-Umgebungen zu unterstützen.

Bitte erläutern Sie, warum diese drei Produkte oder Lösungen die Digitalisierung voranbringen werden!

Unsere induktive Sensoren AlphaProx überzeugen durch mikrometergenaue Abstandswerte. Durch die einfache Integration via IO-Link liefern sie dabei noch zusätzliche Prozessdaten, wie zum Beispiel Frequenzmessung und Zählerfunktion. Eine individuelle und anwendungsspezifische Parametrierung sorgen somit für optimale Prozesse bei unseren Kunden und den Endanwendern.

Der Vision Sensor VeriSens mit seinem integrierten Webserver steht für einfache Parametrierung und Bedienung und überzeugt durch Echtzeit-Anzeige von Messwerten. Selbst komplexe Messaufgaben können schnell und unkompliziert über einen Standard-Webbrowser konfiguriert und überprüft werden. Zudem steht ein zeitlicher Verlauf zur Verfügung um umfangreiche Analysen fahren zu können. Für unsere Kunden bedeutet dies eine extrem einfache Einbindung der Sensoren in deren Netzwerkstrukturen, nutzerfreundliche Bedienung und stark reduzierte Komplexität bei gleichzeitig gestiegener Performance der Sensorik.

Schnelle Integration, hohe Anlagenverfügbarkeit, reduzierte Stillstandszeiten sind Anforderungen unserer Kunden an modernste Industrie-Drehgeber. Neben den sehr guten mechanischen Eigenschaften des OptoTurn EAL580 überzeugt der absolute Drehgeber auch durch eine einfache Geräteintegration, dem Zugang zu Parametern und zusätzlicher Information. Gerade im Kontext der vorbeugenden Wartung gibt es hier bereits vielversprechende Anwendungsfälle.

Auch in Zukunft werden wir daher stärker denn je gemeinsam mit unseren Kunden nach Möglichkeiten suchen die Chancen die sich durch die digitale Transformation ergeben optimal zu nutzen. Wir unterstützen mit Hilfe unserer Sensorik unmittelbar bei der Erschließung neuer Geschäftsmodelle.