Montageinsel, Foto: SEW-Eurodrive

Ergonomisch: Die Montage von Elektromotoren für Gepäckbänder an Flughäfen erfordert sorgfältige und präzise Arbeitsabläufe. Schwere Lasten wie die Linearkämme der Elektromotoren mit 25 Kilogramm müssen nun dank der neuen, ergonomischen Montageinsel nicht mehr gehoben werden. Foto: SEW-Eurodrive

Auch in Zeiten von Industrie 4.0 sind manuelle Tätigkeiten im Fertigungsprozess noch immer notwendig. Insbesondere, wenn es um die präzise Montage von Eletronikkomponenten geht. Diese erfolgt zum großen Teil in Handarbeit, da viele der Montageaufgaben nicht von Maschinen erbracht werden können. Das Bruchsaler Unternehmen SEW-Eurodrive setzt hierzu auf durchdachte Montagearbeitsplätze, die als Montage-Inseln gruppiert und verkettet sind.

Antriebe mit Gewicht

Insbesondere die Montage von Elektromotoren für Gepäckbänder an Flughäfen erfordert nicht nur sorgfältige und präzise Arbeitsabläufe, sie war bislang auch von einem Kraftaufwand für die Mitarbeiter geprägt. Schließlich wiegen allein die Linearkämme der Elektromotoren rund 25 Kilogramm. Diese mussten bislang gehoben, geschoben und getragen werden. Ziel des Projektes waren ergonomische Arbeitsplätze, zusammengefasst in einer Montageinsel. Dort sollten bis zu drei Mitarbeiter gleichzeitig arbeiten können. Bereits vor vielen Jahren haben sich die Bruchsaler bei der Konstruktion der Montagearbeitsplätze für den Full-Service-Hersteller MiniTec entschieden, der mit seinem Systembaukasten die Basis für die Konzipierung und Bau von ergonomischen Arbeitsplätzen bietet. Dieser basiert auf einem Alu-Profilsystem sowie universalen und kompatiblen Komponenten. Eine ausgeklügelte Verbindungstechnik und umfangreiches Zubehör sorgen zudem für große Gestaltungsfreiheit. Ein weiterer Pluspunkt ist das Fachwissen des Herstellers in den Bereichen Montage- und Fördertechnik, denn oft ist auch die Verkettung von Arbeitsplätzen notwendig.

Hintergrundinfos

Alle MiniTec-Baukastenkomponenten sind in einer Bibliothek als 2D- und 3D-Daten in zahlreichen CAD-Formaten verfügbar. Foto: MiniTec

Systembaukasten und Assistenzsysteme

  • Das Unternehmen MiniTec bietet einen Systembaukasten für die Konzipierung und Bau von ergonomischen Arbeitsplätzen.

  • Assistenzsysteme für die manuelle Montage sind eine weitere Spezialität des Herstellers aus Schönenberg-Kübelberg. Diese umfassen unter anderem Bildschirme, Projektoren, Pick-by-Light-Systeme, Kameras sowie Anbindungen zu IT-Systemen für Augmented Reality, ERP- (Enterprise Resource Planning) und MES-Software (Manufacturing Execution Systems).

  • Durch Erkennen der Intentionen des Werkers sowie Wissen über das aktuell herzustellende Produkt kann die Software beispielsweise passende Zusatzinformationen liefern oder die nächsten Arbeitsschritte visualisieren und überwachen.

Wirtschaftlichkeit und Ergonmie vereint

Die Herausforderung des Projektes bestand darin, einen Montagearbeitsplatz zu gestalten, der zum einen wirtschaftliche Aspekte erfüllt. Die Gestaltung eines manuellen Montagearbeitsplatzes sollte aber nicht nur unter den Gesichtspunkten des optimierten Fertigungsflusses und der Steigerung von Qualität und Wirtschaftlichkeit der Arbeit erfolgen. Auch ihre ergonomische Gestaltung hat Einfluss auf das Wohlbefinden und die Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter.

Dazu kam: Durch einen Verkehrsunfall hatte ein langjähriger Mitarbeiter einen Unterschenkel verloren und konnte durch diese Beeinträchtigung nicht an seinen Arbeitsplatz zurückkehren. Deshalb sollte der Montagearbeitsplatz auch behindertengerecht und ergonomisch sein. Ein SEW-Team aus Mitarbeitern der Motorenfertigung und Montage, Personalbereich sowie Betriebsrat entwickelte gemeinsam mit Ingenieuren von MiniTec und der Deutschen Rentenversicherung eine Lösung, die alle Kriterien erfüllt. Federführend bei der Planung der Montageinsel waren Daniel Saumer (Abteilungsleiter Motorenfertigung und Montage) sowie sein Mitarbeiter Almir Zuzic, der mithilfe der Leitmerkmalmethode einen Arbeitsplatz konzipierte. Diese Methode ist ein Werkzeug zur Ermittlung der tatsächlich vorhandenen physischen Arbeits-belastung. Dabei werden vier Leitmerkmale erfasst: Zeitdauer und Häufigkeit, Lastgewichte, Körperhaltung sowie die realen Ausführungsbedingungen. Insbesondere berücksichtigt werden Belastungsarten wie Heben, Halten und Tragen von Lasten, Ziehen und Schieben von Lasten sowie manuelle Arbeitsprozesse.

Arbeiten auf der Insel

Nach einer detaillierten Planung und Analyse folgte der Bau einer Montageinsel, die alle geforderten Eigenschaften vereint. Die Ergebnisse sind beachtlich: Die wirksamen Lasten konnten über die gesamte Prozesskette von rund 25 auf unter 5 Kilogramm reduziert werden. Die Arbeitshöhen lassen sich je nach Wunsch und ohne Rüstaufwand anpassen. Kurze Wege durch prozessorientierte Materialanordnung vereinfachen und beschleunigen den Arbeitsprozess und Unfallgefahren werden durch geschickte Konzipierung der Arbeitsplätze stark reduziert.

Die Montageinsel ist so konzipiert, dass der Mitarbeiter trotz seiner Behinderung an allen drei Arbeitsplätzen eingesetzt werden kann. Je nach Arbeitsaufkommen sind zusätzlich zwei weitere Mitarbeiter im Einsatz. Die Aufgabenverteilung kann flexibel erfolgen, da alle Mitarbeiter alle Handgriffe und Prozesse beherrschen. Ein weiterer großer Vorteil hierbei ist, dass sich dadurch eintönige, sich ständig wiederholende, Arbeitsabläufe vermeiden lassen. Dies ist nicht nur ergonomisch, sondern steigert auch gleichzeitig die Motivation. Aru