MLC 530, Bild: Leuze Electronic

Der MLC 530 ist ein Sicherheits-Lichtvorhang von Leuze Electronic. Vor und hinter Sicherheitslichtvorhängen geht es jedoch meist eng zu. So führt der zusätzliche Einsatz von überbrückenden Sensoren meist zu einem Mehrbedarf an Platz, wodurch sich Anlagen weniger kompakt ausführen lassen...Bild: Leuze Electronic

Wenn Mensch und Maschine in einer technischen Umgebung aufeinander treffen, müssen Maschinen- und Anlagenteile binnen Sekundenbruchteil gestoppt werden können. Beim Spezialisten für die Planung und Realisierung von hochdynamischen Lager- und Kommissioniersystemen in der Intralogistik Witron werden entsprechende Bereiche mit Sicherheitseinrichtungen oder Umzäunungen ausgestattet, die den geltenden Standards und Normen entsprechen, um so Unfallrisiken gar nicht erst entstehen zu lassen. Nachdem man in einem vernetzten, mechanisierten System jedoch nicht alle Bereiche, in denen Mensch und Maschine aufeinander treffen, komplett einzäunen kann, arbeitet der Spezialist zum Beispiel an Förderstrecken mit Sicherheitslichtvorhängen. Diese müssen zuverlässig Mensch und Ware unterscheiden.

Was ist Muting? - Definition und Funktion

Muting meint das sichere, automatische und vorübergehende Überbrücken (Stumm- oder Dunkelschaltung) einer berührungslos wirkenden Schutzeinrichtung (Lichtschranke, Lichtgitter, Lichtvorhang oder Laserscanner) im laufenden Betriebe. Zum Beispiel kann dadurch Material in einen oder aus einem Gefahrenbereich transportiert werden (dauerhafte Überbrückung ist auch möglich, wird Blanking genannt). Während des Mutingzykluses ist dieser mit einer Muting-Lampe kenntlich zu machen. Über spezielle Sensoren wird der Mutingzyklus von der Mutingsteuerung nur dann gestartet, wenn das Material durch das Schutzfeld transportiert wird. Die Anordnung der Sensoren muss so erfolgen, dass Personen nicht in der Lage sind, die Mutingsensoren zu aktivieren. Diese lösen beim Zugang einer Person in den Schutzbereich sofort das Abschalten der gefahrbringenden Bewegung aus. Typische Anwendungsgebiete sind in der Automobilindustrie, bei Palettieranlagen von Getränkeabfüllern oder im Bereich der Herstellung von Steinerzeugnissen (Betonsteine, Dachziegel etc.).

(Quelle: Pilz)

Betroffene Bereiche müssen speziell in der Intralogistik sowie in der Automobil- und Verpackungsindustrie durch optische Sicherheitssensoren gekennzeichnet werden. Damit die Annäherung von Fördergut an ein Schutzfeld eindeutig erkannt und dieses zum richtigen Zeitpunkt zur Durchfahrt überbrückt wird, wurden branchenweit in der Vergangenheit Muting-Prozesse mit signalgebenden Muting-Sensoren eingesetzt.

Diese Sensoren wurden zusätzlich zu den Sicherheitslichtvorhängen installiert und ermöglichten, dass Paletten und Fördergut unterbrechungsfrei ein- und ausfahren konnten.

Vor und hinter dem Sicherheitslichtvorhang geht es allerings meist eng zu. So führte der zusätzliche Einsatz von überbrückenden Sensoren meist zu einem Mehrbedarf an Platz, wodurch sich die Anlage weniger kompakt ausführen ließ. Auch der Installations- und Serviceaufwand für deren zusätzlichen Aufbau, Justage und Rejustage waren mit Mehraufwand verbunden. „So kam bei Witron der Wunsch auf, eine Lösung zu finden, welche die Prozesssicherheit, Anlagenverfügbarkeit sowie eine einfache Bedienung miteinander vereint“, erklärt Stephan Schmid, erfahrener Projektingenieur im Bereich Entwicklung Steuerungstechnik bei Witron.

Wie Leuze das Muting neu erfand

Sicherheitslichtvorhang MLC 530, Bild: Leuze Electronic
Das Verfahren Smart Process Gating basiert auf den Sicherheitslichtvorhängen MLC 530 und ist für den „Best of Industry-Award 2019“ nominiert. Bild: Leuze Electronic

Zu jenem Zeitpunkt hatte Leuze Electronic für diese Anforderung zwar noch keine praktische Antwort parat, aber bereits eine Projektidee: Smart Process Gating – basierend auf den Sicherheitslichtvorhängen MLC. Der Spezialist für Sensorlösungen stellte diese seinem Schlüsselkunden in einer sehr frühen Entwicklungsphase vor. Witron war von dieser Idee schnell überzeugt. So wurde Smart Process Gating auf Herz und Nieren bei und von Witron auf dessen Teststrecken in seinem Firmenstammsitz in Parkstein in der Oberpfalz getestet und gemeinsam im Detail optimiert. „Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Es entstand eine clevere Lösung, welche die Anforderung der Arbeitssicherheit kombiniert mit einer hohen Prozesssicherheit und Anlagenverfügbarkeit vereint“, erläutert Josef Apfelbeck, Key Account Manager und Spezialist für Intralogistik bei Leuze Electronic.

Intralogistik, Bild: Leuze Electronic
Prozessgesteuerte Zugangssicherung in der Intralogistik. Bild: Leuze Electronic

Mit Smart Process Gating entstand ein neues Verfahren, womit sich Muting-Prozesse einfacher, kompakter und stabiler ausführen lassen. Mit dem auf Basis seiner Sicherheitslichtvorhänge MLC entwickelten SPG-Verfahren kann auf die bisher notwendigen signalgebenden Sensoren verzichtet werden. Fördersysteme lassen sich somit kompakter ausführen. Zudem entfällt in der Betriebsphase die Gefahr von Dejustage oder Beschädigung der Sensoren ebenso wie der Aufwand für deren Wartung und Instandhaltung. Dadurch erhöht sich die Verfügbarkeit der gesamten Sicherheitseinrichtung und weitere praxisbezogene Risiken reduzierten sich. Beim SPG kommt das erste Muting-Signal von der Prozess-Steuerung (SPS), während das zweite durch das Schutzfeld selbst erzeugt wird. Smart Process Gating setzt daher einen kontrollierten Materialfluss voraus, damit die nötigen SPS-Steuersignale exakt im erwarteten Zeitfenster zur Verfügung gestellt werden. Der Sicherheits-Lichtvorhang MLC 530 in der Variante mit Smart Process Gating ist vom TÜV zertifiziert. In Kombination mit einer Standard-Steuerung kann ein Performance Level PL d erreicht werden, mit einer Sicherheitssteuerung auch ein Performance Level PL e. aru

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