Auf der Hannover Messe 2013 informierte sich Walter Strömer über den Motor. Im Mai 2014 wurde dann die erste Rauchkammer probeweise umgerüstet. Im Rahmen der Umrüstung wurde auch das mechanische Antriebssystem geändert und von einem Keilriemen- auf einen Zahnriemenantrieb umgestellt.

Die Lüftermotoren halten während des Räucherns zwei konstante Drehzahlen: Zu Beginn 1250 und 1500 Umdrehungen pro Minute, die später auf 550 bis 600 Umdrehungen pro Minute reduziert werden. Die Drehzahlen werden bei der Installation der Antriebe auf die jeweilige Kammer und deren Kapazität einmal abgestimmt und – nach einer eventuellen Nachjustierung – dann in der Folgezeit eingehalten.

Eine Vergleichsmessung zwischen dem alten polumschaltbaren Motor und dem neuen Synchronreluktanzmotor vor und nach der Umrüstung ergab eine Energieeinsparung von knapp fünfzig Prozent. Walter Strömer erläutert die Wirtschaftlichkeitsberechnung: „Man muss die Zahlen über die Laufzeiten sehen. Wir räuchern in zwei Stufen. 75 Prozent des gesamten Räucherprozesses läuft der Lüftermotor nur auf 50 Prozent der Maximalleistung. Mit einem normalen Motor würden wir es nicht schaffen, so weit mit der Drehzahl runterzugehen. Das gelingt nur mit dem IE4-Motor und dem Frequenzumrichter von ABB. Hinzu kommt noch der Wirkungsgradgewinn durch den Zahnriemenantrieb, den ich auf zwei bis drei Prozent schätze.“ Die Investition in die neue Antriebstechnik amortisiert sich für die Rügenwalder Mühle dadurch schon in 1,3 Jahren.

Nachdem der Probebetrieb die Erwartungen erfüllt hatte, wurden im selben Jahr noch die Lüfterantriebe von vier weiteren Rauchkammern umgerüstet. Die restlichen 25 Kammern werden 2015 folgen.

Frerk Elektromotoren aus Liebenau in Niedersachsen liefert und installiert die Antriebspakete. Torsten Thieleke, einer der Geschäftsführer der Firma, sagt dazu: „Neben dem Einsparpotenzial spielen auch Umbaukosten und Ausfallzeiten für den Kunden eine Rolle. Dank unveränderter Motorenbaugröße in Verbindung mit von uns vorab konfigurierten Frequenzumrichtern und konfektionierten Kabeln werden Stillstandszeiten erheblich minimiert. Die Frequenzumrichter lassen sich zudem problemlos im Feld integrieren und mit kleinen Modifikationen an der alten Steuerung betreiben.“

Die Lieferung von ABB an den Systemintegrator umfasst insgesamt 30 Synchronreluktanzmotoren und die dazugehörigen Frequenzumrichter mit einer Nennleistung von 11 und 15 Kilowatt (400 Volt) bei einer Nenndrehzahl von 1500 Umdrehungen pro Minute sowie die entsprechende Anzahl Frequenzumrichter ACS880 für deren Regelung.

Rügenwalder Mühle
Der Standort verfügt über dreißig Rauchkammern mit einem Fassungsvermögen von 7000 bis 22.000 Würsten. / Bild: Rügenwalder Mühle