Frau im AR-Cockpit auf Schiff, Bild: RollsRoyce
Entwickler von Rolls Royce arbeiten an dem autonomen Schiff. 2020 sollen erste ferngesteuerte Schiffe unterwegs sein, allerdings noch bemannt. Bild: RollsRoyce

Neben aktuellen Entwicklungen, um Kapitäne von Frachtschiffen mit Technologien wie Augmented Reality bei der Navigation zu unterstützten, können sich Crews von Container-Schiffen in einigen Jahren wahrscheinlich auf permanenten Landgang einstellen. Waren werden dann von selbstfahrenden Schiffen durch die Meere kutschiert. Rolls Royce beabsichtigt, mit MacGregor, dem Engineering-Dienstleister des Frachtabwicklungsspezialisten Cargotec, die Auswirkungen autonomer Frachtschiffe auf den Markt zu erforschen und deren Entwicklung voranzutreiben. Laut Oskar Levander, Rolls-Royce SVP Concepts and Innovation – Marine, rechnet man in regionalen Gewässern bereits 2020 mit ersten ferngesteuerten, jedoch noch bemannten Schiffen – vorrangig Schlepper und Fähren.

Doch in etwa acht Jahren werden bereits autonome und ferngesteuerte Schiffe auf See erwartet. In 2030 könnten autonome Schiffe standardmäßig auf den Weltmeeren unterwegs sein. Die dafür benötigen Sensor-Systeme aus Infrarot- und hochauflösenden Kameras kombiniert mit Lidar für Reichweiten mit 1000 Metern gibt es bereits.

Mit der schwedischen Stena Line AB wird dazu an intelligenten Wahrnehmungssystemen gearbeitet, die aktuell in Finnland getestet werden. Rolls-Royce rechnet mit einem ersten kommerziell verfügbaren Produkt Ende 2017. Auch Algorithmen für einen virtuellen Kapitän sind auf dem besten Weg, stabil zu laufen. Für den Einsatz im maritimen Umfeld muss bei beiden Technologien noch an der Kostenschraube gedreht werden.

Rolls-Royce future shore control centre (Quelle: Rolls-Royce)

Gefahren für autonome Schiffe erforschen

Welchen Gefahren autonome Schiffe ausgesetzt sind, untersucht Rolls-Royce in dem AAWA Projekt. Cybersecurity erfordert eine verschlüsselte Kommunikation über eindeutige Sicherheitsprotokolle und eine kontextspezifische Angriffserkennung mit Überwachung des Netzwerks auf Anomalien. Piraterie ist ein weiteres Risiko, das jedoch über entsprechendes Schiffsdesign minimiert werden kann. Ohne Crew als potenzielle Geiseln sinkt der Wert für Piraten. Im Falle einer Kaperung könnte das Schiff über eine Art Not-Aus gestoppt werden oder sich im Kreis drehen. Noch besser wäre, die Piraten gleich zur nächsten Küstenwache zu verschiffen.

Ein weiterer Sicherheitsfaktor stellt eine Referenz-Datenbank dar, aus deren Statistikwerten verlässliche Vorher-
sagen für den Betrieb von autonomen Schiffen getroffen werden können. Den Grundstein dafür legte Norwegen Mitte vergangenen Jahres, indem der Trondheim Fjord von der norwegischen Seefahrtbehörde und der Küstenverwaltung weltweit als erstes Testgebiet für autonome Schiffe freigegeben wurde. Als Gründungsmitglied im finnischen Verbund für autonomen Schiffstransport (DIMECC) arbeitet Rolls-Royce auch mit Firmen wie ABB Cargotec, Ericsson, Meyer Turku, Tieto und Wärtsilä it am Aufbau des weltweit ersten Systems im Baltischen Meer. Dafür soll als Teil der Intelligent-Fairways-Initiative ein Testbereich vor der Südwest-Küste Finnlands reserviert werden.

Elektrische autonome Containerschiffe

Doch auch kleinere Marktteilnehmer wie der finnische Düngemittelhersteller Yara setzen auf selbstfahrende Schiffe. Zur Lärm- und Abgasentlastung der umliegenden Dörfer sollen die bisher jährlich 40.000 Lkw-Ladungen von dem elektrisch und autonom betriebenen Containerschiff „Yara Birkeland“ über Binnengewässer mit etwa zehn Knoten zum Hafen transportiert werden. Technologiepartner für die komplette Steuerung inklusive Sensoren und Fernbetrieb sowie dem elektrischen Antriebsystem mit einer bis zu vier Megawattstunden großen Batterie ist Kongsberg. Mitte 2018 sollen bemannte Tests beginnen, die 2019 mit Fernsteuerung erweitert und 2020 in autonome Steuerung übergehen.

Auch im Innovationsbereich wird auf neue Konzepte gesetzt. Am 13. September 2017 findet im Internationalen Maritimen Museum in Hamburg die Veranstaltung Buy Blue statt, eine Art Speed Dating für die Branche. Rotterdam richtet am 1. und 2. September den fünften World Port Hackathon aus. In Singapur wurde mit knapp 190 Teilnehmer aus den Bereichen Startup, Technologie und Venture Capital die sechsmonatige Smart Port Challenge gestartet. Die Branche stellt sich der Herausforderung. hei

Autonomes Schiff, Bild: Rolls Royce
Bei Rolls Royce arbeitet man an der autonomen Schifffahrt. Ab 2030 könnten bereits autonome Schiffe zum Standard auf den Weltmeeren werden. Bild: Rolls Royce

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