Windräder in den Wolken, Bild: Pixabay

Ingenieure sollten sich die Pläne der Parteien genau ansehen, denn Sektorenkopplung, Ausbau der Stromtrassen und Speichertechnologien werden ganz unterschiedlich gewichtet. Bild: Pixabay

Ingenieure entwickeln jeden Tag neue Lösungen, um die Energiewende umzusetzen. Was technisch heute schon möglich ist, zeigen immer neue Konzepte und Pilotprojekte. Auch die Geschäftsmodelle verändern sich, weil Menschen und Industrie nach neuen Produkten und Dienstleistungen fragen. Im Wahlkampf für die Bundestagswahl im September 2017 sind die Erneuerbaren Energien deshalb ein zentrales Thema — könnte man meinen.

Arbeitsplätze abhängig vom Ausbau der Energiebranche

Für Ingenieure und Entwickler im Maschinenbau ist das interessant. Denn die Nachfrage nach Dienstleistungen, Komponenten und Konzepten der "grünen Technologien" steigt. Die Branche hat sich zu einem ernstzunehmenden Industriezweig gemausert und sichert, direkt und indirekt, viele Arbeitsplätze im Maschinen- und Anlagenbau. Doch bisher geht das Thema Energiewende laut dem Interessensvereinigung Eurosolar unter in Meldungen zu Sicherheit, Bildung und Integration. Deshalb veröffentlichte der Verein kürzlich die Antworten der größeren Parteien in Deutschland auf 24 Fragen zu den energiepolitischen Plänen. Beteiligt waren die Union, SPD, FDP, die Linke, Bündnis 90/Die Grünen. Die AFD antwortete nicht auf die Fragen.

Diese Pläne betreffen den deutschen Maschinenbau

Die wichtigste Frage stellte Eurosolar zuerst. Die nämlich, wann Deutschland zu 100 Prozent aus Erneuerbaren Energien versorgt werden soll. Ambitioniert zeigen sich die Grünen, die bis 2030 den Strom aus erneuerbaren Energiequellen speisen wollen. Wärmeversorgung und der Verkehr haben hingegen bis 2050 Zeit. Die Linke visiert das Jahr 2040 an, ohne Details zu den einzelnen Schritten zu verraten, wie das gelingen soll. Die FDP verneint gar die Umstellung auf eine Vollversorgung aus Erneuerbaren und stellt den Preis für CO2-Emissionen in den Fokus der Bemühungen um das Klima. Die verschiedenen Energiequellen würden entsprechend der gesetzten Ausstoßziele reguliert gegeneinander konkurrieren. In der Union gibt man sich mit den EEG-Novellen zufrieden, die schon auf den Weg gebracht wurden. Die SPD beantwortet die Frage mit einer anvisierten Quote von 80 Prozent bis 2050 und gesetzlichen Maßnahmen zur Sektorenkoppelung.

Sektorenkopplung wird wichtig

Das Zusammenwachsen der verschiedenen Energiemärkte ist ein heißes Eisen. Das zeigte schon die Hannover Messe 2017, die die Energiemesse entsprechend als "Integrated Energy" betitelte. Sektorenkoppelung zwischen Strom, Wärme und Verkehr ist hier das Thema. Für die Industrie birgt das Herausforderungen und Chancen.

Auf das Thema Sektorenkopplung angesprochen, stimmen FDP und Union überein, diese technologieneutral und marktgetrieben umsetzen zu wollen. In der SPD will man „mit adäquaten gesetzlichen Rahmenbedingungen und einem beschleunigten Netzausbau“ agieren, weitere Erläuterungen fehlen. Die Grünen sprechen sich für eine unverzügliche Umsetzung aus und wollen diese mit stärkerem Engagement bei der Förderung der Speichertechnologie begleiten. Für die Linke steht auch hier das Jahr 2040 als Referenzpunkt. Bis dahin soll die Sektorenkopplung umgesetzt sein.

Für die Industrie heißt das: Pilotprojekte zur Kraft-Wärme-Kopplung werden wohl ebenso wie andere Power-to-X-Ansätze in Zukunft gefördert werden. Darin stimmen die Parteien überein. Ein gutes Zeichen für die Forschung und Unternehmen, die an solchen Projekten beteiligt sind oder ähnliche Vorhaben in Angriff nehmen wollen.

Speichertechnologie liegt im politischen Trend

Die Energiewende wird ohne Speichertechnologie nicht zu machen sein, davon zeigen sich alle Parteien in ihren Antworten überzeugt. Für die Union ist dabei klar, es fehlt an Anreizen, weil der Emissionshandel und der Stromgroßhandel die Speicherung von Strom bisher nicht honoriert. Die Grünen wollen deshalb die Betreiber durch bei Umlagen und Netzentgelten entlasten und ein den Bau von 10.000 Wärmespeichern fördern. Während die Linke hier den Schwerpunkt auf Erkenntnisse aus Pilotprojekten setzt, ist die FDP auch hier sicher, dass sich ein Preis für Speicherkapazitäten über den Markt regeln wird. Die SPD will hingegen mit gesetzlichen Regelungen einen technologieoffenen Wettbewerb ermöglichen. Wie schon auf den Messen der letzten Jahre zu sehen war, wird die Nachfrage nach Speichern steigen. Und das sowohl für die Anwendung in Privathaushalten wie auch für die Industrie. Förderprogramme aus der Politik werden die Anreize hier zu investieren noch weiter verstärken.

Der Atomausstieg ist unumkehrbar

Hier werden die Parteien so deutlich, wie sonst bei keiner Frage zur Energiepolitik. Die Atomkraft wird in Deutschland zukünftig keine Rolle mehr spielen. Einige Parteien sprechen sich für einen schnelleren Ausstieg aus, dass er kommt ist jedoch unstrittig. Keine Einigkeit herrscht jedoch bei der Frage, ob Deutschland aus dem Euratom-Vertrag ausscheiden solle. Während SPD, FDP und Union sich für einen Verbleib aussprechen, will die Partei die Linke den Vertrag kündigen. Die Grünen wollen den Vertrag so umschreiben, dass er letztlich der Förderung und weiteren Forschung der Erneuerbaren Energien dient. Sollte das nicht möglich sein, ist die Aufkündigung für die Grünen eine mögliche Option.

Wettbewerb in der E-Mobilität

Spannend wird es beim Vergleich der Mobilitätskonzepte für die oft als Verkehrswende titulierte Umstellung auf Straße, Schiene, Wasser und in der Luft. Hier bieten die Parteien ganz unterschiedliche Vorschläge an. Während man bei der FDP auch in diesem Fall den Markt über die Wende im Verkehr bestimmten lassen will. Darüber hinaus will sich die Partei für eine bessere Ladestruktur und technologieoffene Forschung engagieren. Ganz ähnlich arbeitet hier die Union, die ebenfalls die Hemmnisse in der Infrastruktur beseitigen will. Darüber hinaus seien geeignete Maßnahmen bereits im Mobilitätspaket aus dem Frühjahr 2016 definiert. Bei SPD und Linke will man ausgehend von einer schrittweisen Umstellung im ÖPNV und bei Dienstfahrzeugen im Öffentlichen Dienst und bei Unternehmensflotten die Anreize auch für Privathaushalte erhöhen. Die Grünen sprechen sich für ein Ladenetz aus, wie es in Norwegen und in den Niederlanden bereits existiert. Darüber hinaus soll es eine ökologischere Kfz-Steuer geben. Das Ziel ist der Produktionsstopp für Autos mit Verbrennungsmotor ab 2030.