Yvonne Heidler, Bild: VDMA

 

„Für 2017 stehen die Zeichen in Polen wieder auf Wachstum.“

Yvonne Heidler, Osteuropa-Expertin der VDMA Außenwirtschaft

In den kommenden Jahren gilt es für die polnische Wirtschaft vor allem, technologisch aufzuholen. Die Roboterdichte (Anzahl von Robotern je 10.000 Beschäftigten in der Industrie) liegt in Deutschland 13-mal höher als in Polen. Insgesamt verläuft die Weichenstellung für Innovationen in Polen noch langsam. Auch wenn das Interesse an Automatisierung groß ist, scheitern viele kleine und mittelständische lokale Unternehmen derzeit an der Finanzierung. „Mittel- bis langfristig wird der Markt den Automatisierungsprozess jedoch vorantreiben, da die polnischen Arbeitskostenvorteile – vor allem in den Ballungsgebieten – schwinden. Die steigende Beschäftigungsquote sowie die ungünstige demographische Entwicklung verschärfen den Fachkräftemangel und führen somit zu steigenden Gehältern. Damit wird Automatisierung finanziell attraktiver“, prognostizierte Heidler.

Die Rolle Polens als eigener Absatzmarkt wächst, da auch polnische Unternehmen als Kunden des Maschinenbaus immer anspruchsvoller werden. Zugleich ist das Land für viele Maschinenbauer aus Deutschland weiterhin wichtig als Beschaffungsmarkt für Teile und Komponenten. Dies belegt auch die deutsche Maschineneinfuhr aus Polen in Höhe von 2,6 Milliarden Euro im Jahr 2016: knapp 70 Prozent entfielen auf Teile und Komponenten und nur rund 30 Prozent auf Komplettmaschinen. Besonders geschätzt wird von deutscher Seite die Einsatzbereitschaft und Flexibilität polnischer Zulieferer.

Polen überzeugt mit einer kontinuierlich wachsenden Wirtschaft und einer modernisierten Infrastruktur. Das Autobahnnetz, Flughäfen, Bahnlinien und öffentliche Objekte sind zu Profiteuren des wirtschaftlichen Aufstiegs geworden. Ein weiterer Aspekt sind umfangreiche Fördermittel aus dem EU-Haushalt. Sie werden weiterhin für In-frastrukturprojekte eingesetzt, aber auch für Forschung und Entwicklung, Wirtschaftsförderung, umweltfreundlichen Transport und die Digitalisierung.

Ausländische Unternehmen haben 2015 laut Eurostat insgesamt 86 Milliarden Euro in Polen investiert. Das entspricht mehr als einem Drittel der Bruttoanlageninvestitionen in allen mitteleuropäischen EU-Staaten. Seit Jahren schon gilt Polen als einer der attraktivsten Investitionsstandorte in der Region Mittelosteuropa. Das polnische System der Investitionsanreize bietet verschiedene Instrumente, die auch von ausländischen Investoren genutzt werden können.

Forschung und Entwicklung

Die Ausweitung des Sektors Forschung und Entwicklung ist eine der Prioritäten für Polens Entwicklung in den kommenden Jahren. Das unterstreichen strategische Dokumente wie zum Beispiel die Nationale Entwicklungsstrategie Polen 2020.

Der Zufluss von ausländischem Kapital zum Aufbau von Forschungs- und Entwicklungszentren beweist, dass ausländische Investoren das wirtschaftliche Potenzial des Landes zu schätzen wissen. Zu diesen Unternehmen zählen NSN, Motorola, Samsung und Kainos ebenso wie die polnischen Firmen Transition Technologies und SMT Software. In Polen gibt es zahlreiche Forschungs- und Entwicklungszentren, die als Zweigstellen internationaler Organisationen wie zum Beispiel Oracle, Samsung, Faurecia, GlaxoSmithKline, Microsoft, Volvo, Capgemini, IBM, ABB, Lurgi, Google, Bosch oder Siemens betrieben werden.

In der IT-Branche und der Luftfahrt kooperieren Forschungs- und Entwicklungszentren mit polnischen Universitäten und öffentlichen Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen – so bestehen zum Beispiel Partnerschaften zwischen Intel und der Technischen Universität Gdańsk, zwischen United Technologies und der Technischen Universität Rzeszów oder zwischen Lockheed Martin sowie GE Aircraft Engines und dem Institut für Luftfahrt in Warschau.

Unternehmen, die Forschungs- und Entwicklungsarbeit leisten, Know-how akkumulieren und vor allem die Ergebnisse ihrer Forschungsarbeit kommerziell verwerten, können mit Fördergeldern in beispielloser Höhe rechnen. Mögliche Formen der Unterstützung sind EU-Zuschüsse, nationale Fördergelder und Steuererleichterungen.

Aventics setzt auf aussichtsreiche Schlüsselbranchen

Investoren aus aller Welt zieht es auch deshalb nach Polen, weil das Land kontinuierlich seine Infrastruktur modernisiert und weiter ausbaut. Bild: Nightman1965 - Fotolia

Pneumatik in Polen

Für den Pneumatikspezialisten Aventics ist Polen ein attraktiver Markt. Denn mit kontinuierlichem Wachstum in der Nahrungsmittelindustrie, dem Trend zur Automatisierung und der florierenden Schiffsindustrie steigt in dem diesjährigen Partnerland der Hannover Messe der Bedarf an Pneumatikkomponenten. So hat die Unternehmensberatung McKinsey in einer Studie 2015 erhebliche Potenziale für den Aufbau einer starken polnischen Nahrungsmittelindustrie ausgemacht. Für Aventics ist dies eine erfreuliche Entwicklung; denn das Unternehmen zählt die Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie zu seinen Kernbranchen. Aufgrund steigender Produktionskosten und Sicherheitsanforderungen stünden die Unternehmen im diesjährigen HMI-Partnerland zunehmend unter Rationalisierungsdruck. Das böte Chancen, die Automatisierung in der polnischen Industrie voranzutreiben.

Ein weiteres interessantes Marktsegment für Aventics ist die Schiffsindustrie an der Ostseeküste. Nach Berechnungen des Branchenverbands für maritime Unternehmen erreichte der Umsatz 2015 einen Rekordwert von 2,5 Milliarden Euro. Darunter fallen neben dem Neubau von Schiffen auch die Reparatur und die Modernisierung. Auch hier partizipiert Aventics als Anbieter von Schiffssteuerungen und Systemlösungen beispielsweise für pneumatische Tankballastsysteme.