Gentleman aus dem Baukasten

Gentleman aus dem Baukasten

Wasser und Strom in einem

Doppelt nützlicher Deckel
Continental hatte zur Pressekonferenz auf der Hannover Messe ein Stück Abdeckfolie vom Typ Dynactiv Power mitgebracht. Das klingt zunächst nicht so furchtbar spannend, aber die Folie hat es in sich, beziehungsweise auf sich: Denn die Oberseite ist mit Solarzellen bestückt. Dafür, dass das Produkt als Folie gehandelt wird, besteht es aus einer ziemlich robusten, dicken Materialschicht.

Abdeckfolie vom Typ Dynactiv Power

Doppelt nützlicher Deckel

Fertig verlegt, ist es begeh- und sogar befahrbar. Die Idee hinter dahinter ist einfach, aber bestechend: In semiariden Gegenden soll der Folienverbund Wasserreservoirs verschließen und das knappe Gut so vor Verdunstung und Verschmutzung schützen. Gleichzeitig erzeugt die Folie Strom, unter Standardtest-Bedingungen rund 500 Kilowatt pro Hektar. Vor allem in ländlichen Regionen soll das Produkt zu einer besseren Wasser- und Stromversorgung beitragen. Mögliche Einsatzorte liegen zum Beispiel in den USA, Australien, China und Saudi-Arabien. do

Dagmar Oberndorferke-NEXT-Redakteurin
Dagmar Oberndorfer
hat auf der Hannover Messe
gelernt: Folie ist nicht gleich Folie.

Hype 3D-Druck

Alles ist möglich
1600 Schichten in drei Stunden. So lange dauert es bis ein Handskelett für medizinische Lehrzwecke aus dem 3D-Drucker entsteht. Der 3D-Druck ist in viele n Brachen extrem flexiblen einzusetzen, ob für komplexe Strukturen, individuell angepasste Objekte, additiv gefertigte Großserien oder Einzelprodukte in Losgröße 1. Auf der Additive Manufacturing Plaza in Halle 7 konnten Besucher die Faszination des 3D-Drucks hautnah erleben – und das wortwörtlich.

Miniaturausgabe vom Ich

Miniaturausgabe vom Ich

Bei Alphacam konnte sich jeder Besucher scannen und vermessen lassen, um anschließend eine Miniaturausgabe vom Ich aus dem 3D-Drucker mit nach Hause zu nehmen. Mit dieser Aktion will Alphacam im Fabberhouse „3D printing for everybody“ den 3D-Druck dem Autonormalbürger zugänglich machen. Das geht auch ohne vertiefte Software-Kenntnisse von zuhause aus. Aus 3D-Daten kann der Käufer einfach von zuhause aus eine Printdatei erstellen, an Fabberhouse schicken und sein gewünschtes Teil wird gedruckt – für nur 49 Cent pro Kubikzentimeter ABS, einem thermoplastischen Kunststoff. hei

Felicitas HeimannRedakteurin Felicitas Heimann findet
den 3D-Druck richtig cool. Sie hätte
gerne eine kleine Ninja-Armee aus dem Drucker.
Wer denn nicht?

Roboter auf der HMI

Auf Tuchfühlung
Sind Roboter in die Produktionsumgebung eingebunden, wird gegenwärtig noch viel Wert darauf gelegt, dass sie ja nicht in einen zu engen Kontakt mit ihren menschlichen Kollegen kommen. Auf der Hannover Messe jedoch ist alles anders. Die Interaktion mit den Service- und Industrierobotern ist hier sogar erwünscht. Und tatsächlich scheinen die vielen Skeptiker, die in den Robotern eine schiere Gefahr für den Menschen vermuten, der Messe fern geblieben zu sein.

Fanuc-Roboter

Ohne jegliche Berührungsangst stellen sich Besucher neben den in seine Arbeit vertieften Fanuc-Roboter.

Ohne jegliche Berührungsangst stellen sich Besucher neben den in seine Arbeit vertieften Fanuc-Roboter. Denn der hört bereits beim kleinsten Kontakt mit dem Menschen auf, Autoersatzreifen in einen Kofferraum einzuladen. Vor allem einer der Stände von Kuka ist etwas für ganz Unerschrockene: Hier können sich Wagemutige in eine Vorrichtung schnallen lassen, die sie daraufhin durch die Luft wirbelt. Die Firmen stellen auf der Messe ihre neuesten Generationen von Industrie- und Servicerobotern vor und es scheint so, als werde ihre Rechnung bald aufgehen: Roboter und Mensch arbeiten in Eintracht zusammen. Jeder an der Aufgabe, die er am besten kann. jl

julia_lansen_100x150ke-NEXT-Redakteurin
Julia Lansen sieht die
Berührungsängste zwischen
Mensch und Roboter schwinden.

Hoher Besuch

Wenn Merkel und Modi kommen…
Es fing mit Pauken und Trompeten an. Gleich zum Auftakt der Hannover Messe ließen sich Bundeskanzlerin Angela Merkel und der indische Premierminister Narendra Modi an einigen Messeständen den neuesten Stand der Technik erklären. Dichtes Gedränge, überall Security und hochrote Geschäftsführer-Gesichter – schließlich bekommt man vor allem als mittelständisches Unternehmen nicht jeden Tag solch hohen Besuch.

Angela Merkel

Wenn Merkel und Modi kommen…

Drei Minuten Aufmerksamkeit werden es beim traditionellen Rundgang pro Stand wohl gewesen sein – drei Minuten, die – so ließen sich zumindest die aufgeregten Minen und das Gewusel der Firmenbelegschaften deuten – perfekt sein sollten: Eine knappe Vorstellung des Unternehmens, einen kurzen Produktüberblick, Fotos und Schluss. Und mit ein paar Extrasekunden obendrauf waren am einen oder anderen Stand sogar noch Unterschriften auf dem Produkthighlight drin. Und so schnell der Tross mit den Staatsoberhäuptern da war, so mir nichts, dir nichts war er auch wieder weg. Viel Tam-Tam also für drei Minuten Ruhm. Apropos: Bei Andy Warhol hätte es ein paar Minuten draufgegeben. Der hat mal von 15 Minuten gesprochen – aber das ist ein anderes Thema. fa / bf

Redakteurin Ingrid Fackler

Für ke-NEXT-Redakteurin
Ingrid Fackler ist der
traditionelle Messerundgang
auf der Hannover Messe business as usual.

Hannover war erfolgreich

Was für eine Stimmung!
Für mich war die Messe vor allen Dingen schön. Schön sonnig, ab dem zweiten Messetag sogar schön warm. Über 25 Grad zeigte das Thermometer am Messe-Mittwoch. Entsprechend gut war die Stimmung bei Ausstellern und Besuchern.

Hannover Messe 2015

Hannover Messe 2015

Schön voll war die Messe auch. 220.000 Fachbesucher, davon 70.000 aus dem Ausland, das ist zwar erneut weniger als in den MDA-Vergleichsjahren 2013 (225.000) und 2011 (230.000). Allerdings machte die Messe vor allem an den mittleren Messetagen einen volleren Eindruck. Auch hatte ich das Gefühl, dass nicht mehr ganz so viele Schulklassen über das Gelände geschleift wurden.
Das Echo bei den Ausstellern, mit denen ich sprach, fiel geteilt aus. Da gab es einige, vor allem aus der neuen Halle 19/20, die mit der Besucherführung nicht so zufrieden waren. Und es gab andere, die mir bestätigten, dass die Messe bezüglich der täglichen Kontaktzahlen die beste der vergangenen Jahre war. Die Wahrheit wird wohl dazwischen liegen. wk

Wolfgang Kräußlichke-NEXT-Chefredakteur Wolfgang Kräußlich
war auch mit der Videokamera unterwegs.
Eine Zusammenfassung aller Messevideos
finden Sie am Ende des Beitrags.

Robotik

Gentleman aus dem Baukasten
Mit der Videokamera auf der Hannover Messe unterwegs zu sein, ist ein echtes Sinnes-Rodeo. Besonders bunt und action-geladen geht es auch in diesem Jahr in den Automatisierungstechnik- und Robotik-Hallen zu: Gerade noch eine Hand geschüttelt, kreist am nächsten Stand über staunenden Köpfen surrend eine Roboter-Libelle, will ein paar Meter vor dir Titan the Robot deine Aufmerksamkeit oder tanzen direkt neben dir Mini-Roboter im Gangnam-Style. Da hilft nur ein klarer Plan: Was will ich sehen und wo bin ich verabredet? Und verabredet bin ich unter vielen anderen spannenden Terminen mit Schunk in Halle 17. Am Stand gibt es für mich ein Wiedersehen mit dem Care-O-bot 4, einem faszinierenden Serviceroboter – entwickelt vom Fraunhofer IPA in Stuttgart und bestückt mit Armgelenken und einer Ein-Fingerhand von Schunk. Bereits auf der Hannover Messe Preview in Berlin habe ich mir den Serviceroboter etwas näher angesehen.

Schunk Roboter

Gentleman aus dem Baukasten

Am Stand von Schunk auf der Hannover Messe gibt es für Care-O-bot 4 sogar eine eigene kleine Demozelle, wo er unter entsprechender Aufsicht der IPA- und Schunk-Programmierer stoisch seine Kreise zieht.„Unsere Greif-Komponenten im Care-O-bot lassen sich in industriellen Anwendungen ebenso einsetzen wie in Mess- und Prüfapplikationen oder in Assistenzsystemen, die Menschen im Alltag unterstützen“, erfahre ich von einem Schunk-Produktmanager. „Und was kann die vierte Generation besser, als die dritte?“, will ich wissen. „Die vierte Care-O-bot-Generation ist nicht nur agiler, vielseitiger und charmanter als seine Vorgänger, sondern zeichnet sich auch durch den Einsatz kostendämpfender Konstruktionsprinzipien aus“, erklärt mir Projektleiter Ulrich Reiser, Gruppenleiter am Fraunhofer IPA. So besteht ein Großteil des inneren Aufbaus aus Blechfaltkonstruktionen, die bereits bei geringen Stückzahlen kostengünstig zu fertigen sind. Mindestens genauso praktisch ist das modulare Prinzip von Care-O-bot: Beispielsweise kann auf einen oder sogar auf beide Arme verzichtet werden. Standardisierte Schunk Powerball-ERB-Module sind als Armgelenke eingesetzt und lassen sich aufgrund ihrer kompakten Kugelform einfach integrieren.

Schunk Messestand

Am Messetand von Schunk

Die komplette Steuer- und Regelelektronik ist bei diesen Komponenten bereits in die Gelenkantriebe integriert. Position, Geschwindigkeit und Drehmoment sind flexibel regelbar. Da die Versorgungsleitungen für Greifer und Tools komplett im Inneren der Arme verlaufen, entfallen störende und fehleranfällige Kabel an der Peripherie. Dank integrierter Intelligenz, universellen Kommunikationsschnittstellen und Kabeltechnik für Datenübertragung und Spannungsversorgung können sie als einzelne Module oder komplett vorkonfiguriert einfach in übergeordnete Einheiten wie den Care-O-bot 4 eingebunden werden. Spannend ist auch die 24 V DC Versorgung: Damit nämlich können Anwender die Module unabhängig vom Stromnetz oder sogar komplett mobil per Akku betreiben. Mir genügen für das Messevideo aber schon ein paar Bilder des Care-O-bot in Action. Ich drücke auf Rec. bf

Florian Blumke-NEXT-Redakteur Florian Blum
war wieder mal unterwegs mit
der Videokamera und hatte dabei
Begegnungen der blechernen Art.

Hannover Messe 2015: ke NEXT TV über Automatisierungstechnik und Konstruktionselemente