• Stütze, Bild: SEW

    Die einzige Stütze, in Stahlbauweise ausgeführt, ist mit 127 Metern die höchste ihrer Art. Bild: SEW Eurodive

  • Bergstation, Bild: SEW

    Das Bild zeigt den Blick auf die Bergstation. Bild: SEW Eurodive

  • Eingangsbereich, Bild: SEW

    Der Eingangsbereich der Talstation. Die neue Seilbahn an der Zugspitze ist ein herausragendes Prestigeprojekt, das gleich mehrere Weltrekorde bricht. Bild: SEW Eurodive

  • Kabine, Bild: SEW

    Die Kabine bietet Platz für 120 Personen und einen Fahrgastbegleiter. Bild: SEW Eurodive

  • Typschild, Bild: SEW

    Das Typschild verrät: Die Getriebe übertragen Höchstleistungen! Bild: SEW Eurodive

  • Bergewinde, Bild: SEW

    Der Antrieb der Bergewinde für den Einsatz des Bergekorbs, der im Falle einer notwendigen Bergung von Gästen zwischen Bergstation und Stütze zum Einsatz kommt. Bild: SEW Eurodive

  • Kupplung, Bild: SEW

    Hinter der Kupplung befindet sich jeweils noch eine Schwungmasse von fast einem Meter Durchmesser und mit einer Masse von gut einer Tonne. Bild: SEW Eurodive

  • Kupplung und Getriebe, Bild: SEW

    Das Bild zeigt Kupplung und Getriebe. Bild: SEW Eurodive

  • Doppelbremsaggregat, Bild: SEW

    Das hydraulische Doppelbremsaggregat. Bild: SEW Eurodive

  • Maschinenraum, Bild: SEW

    Das Bild offenbart einen Blick in den Maschinenraum. Bild: SEW Eurodive

Zwei Exemplare der Baureihe X von SEW-Eurodrive treiben das Zugseil an, das die Kabine mit der Kraft einer ausgewachsenen Diesellokomotive auf 2943 Meter Höhe hievt.

Drei Jahre Planung und drei Jahre Bauzeit waren nötig, um die Personenbeförderung von der Talstation am Eibsee auf die Zugspitze zukunftssicher zu machen. Die Betreibergesellschaft Bayerische Zugspitzbahn Bergbahn entschied sich dabei für einen kompletten Neubau. Der Auftrag ging an die Schweizer Seilbahnfirma Garaventa, die 2002 mit dem österreichischen Seilbahnhersteller Doppelmayr fusionierte. Die Doppelmayr/Garaventa-Gruppe hat bisher über 14.000 Seilbahnsysteme in mehr als 90 Ländern realisiert.

Eine Seilbahn, drei Weltrekorde

Dennoch ist die neue Seilbahn Zugspitze ein herausragendes Prestigeprojekt, das gleich drei Weltrekorde bricht: Die einzige Stütze, in Stahlbauweise ausgeführt, ist mit 127 Metern die höchste ihrer Art. Zwischen Stütze und Bergstation überwindet die Bahn bisher nicht verwirklichte 3.213 Meter Seil, und die 1.945 Meter Höhenunterschied auf diesem Seilabschnitt sind gleichermaßen weltweit einzigartig. Kurz vor dem Gipfel wird der Anstieg der Seilbahn atemberaubend steil: Die bergfahrende Kabine überwindet eine Steigung von 104 Prozent, gewinnt also auf jedem Meter Vorwärtsbewegung mehr als einen Meter an Höhe. Zeitgleich nähert sich die zweite Kabine der Talstation, die Bahn fährt also im Pendelbetrieb. Verbunden sind beide über eine Zugseilschleife, die in der Talstation angetrieben wird. Zwei je 900 kW starke Drehstrommotoren sind über elastische Klauenkupplungen von KTR mit je einem dreistufigen Stirnradgetriebe des Typs X3FS280 von SEW-Eurodrive verbunden. „Die Leistung brauchen wir, weil wir hier ein extremes Streckenprofil haben“, betont Projektleiter Markus Reichmuth von Garaventa. Hinter der Kupplung befindet sich jeweils noch eine Schwungmasse von fast einem Meter Durchmesser und gut einer Tonne Gewicht. Die Schwungräder sorgen für ein besseres Regelverhalten des Antriebssystems. Die daran anschließenden Industriegetriebe mit je fast sechs Tonnen haben jeweils ein Nenndrehmoment von 240.000 Nm und können eine Leistung von 1.024 kW übertragen. Sie werden von einem Öl-Luft-Kühler im definierten Temperaturbereich gehalten. Auf der Abtriebsseite sorgt jeweils eine über drei Tonnen schwere schaltbare Bolzenkupplung für den Kraftschluss mit den Seilrädern. Auf deren Rückseite kann über Zahnkupplungen ein Notantrieb eingreifen.

Das denkt die Redakteurin

Angela Unger, Redakteurin für Maschinenelemente, Verbindungstechnik, Werkstoffe, Innovation & Management sowie Spektrum

Steiler als ersichtlich

Bilder besitzen die Fähigkeit, etwas zu verschweigen und zu beschönigen. Wer sich die Panorama-Bilder zur Zugspitzseilbahn anschaut, sieht eine traumhaft schöne Kulisse und kann nur erahnen, wie steil es wirklich hinaufgeht. Dies erschließt sich erst demjenigen, der sich die Zeit nimmt, den Berg von unten zu betrachten, beispielsweise vom nahen Eibseeufer aus. Wer von dort aus die Flanke der Zugspitze anschaut, an der die Seilbahn Nichtbergsteiger rauf- und runterbringt, dem wird, je nach Veranlagung, mulmig bis schlecht. Und dies soll nach dem Hörensagen auch manchem Gondelpassagier so gehen. Übrigens benötigt ein geübter Bergwanderer für den Aufstieg ohne Klettersteigerfahrung, also über die Reintalanger- und Knorrhütte elf Stunden, das sind zwei Wandertage. All dies zeigt, welche Leistung die Technik hier erbringen muss – und das auch noch stets zuverlässig. Mein Respekt gilt den Ingenieuren, die dies alles ermöglichen. Allen anderen rate ich: selbst mal hinfahren!

Hohe Wartungsfreundlichkeit

Die Getriebe der Baureihe X von SEW-Eurodrive zeichnen sich durch ihre geräuscharme Verzahnung und hohe Wartungsfreundlichkeit aus. Das robuste Gehäuse der Baureihe ist in der Universalausführung umkehrbar und kann in allen Raumlagen verwendet werden. Die bei der Seilbahn Zugspitze verwendeten Horizontalgehäuse sind dagegen speziell für horizontale Anwendungen konzipiert. Ein weiteres Getriebe ist in der Bergstation auf der Zugspitze installiert: Das dreistufige Kegelstirnradgetriebe vom Typ X3TH210 mit einem Nenndrehmoment von 90.000 Nm sitzt am Antrieb der Bergekabine. Diese könnte zur Bergung der Fahrgäste auf die Tragseile gesetzt werden, falls die beiden Kabinen der Seilbahn Zugspitze sich nicht mehr bewegen lassen. Das ist jedoch äußerst unwahrscheinlich – jeder der beiden Hauptmotoren, sowie die beiden hydraulisch betriebenen Notantriebe können das Zugseilsystem notfalls auch allein antreiben.

Weltrekord mit einem Antriebskonzept von SEW-EURODRIVE!

Die gewaltige, erforderliche Antriebsleistung erzeugen zwei Drehstrommotoren mit je 900 kW Nennleistung. Sie sind an ein 400-V-Mittelspannungsnetz angeschlossen. Bei einem Stromausfall können Dieselaggregate der zwei Megawatt starken Netzersatzanlage die nötige Antriebsleistung bereitstellen. Die Netzersatzanlage ist in der Talstation in einem Nebenraum installiert und wurde von Polyma installiert und in Betrieb genommen.

Beschleunigung auf fast 40 Stundenkilometer

Im Normalbetrieb beschleunigen die beiden Hauptmotoren und die Industriegetriebe der Baureihe X im Verbund das Gondelsystem auf bis zu 10,6 Meter pro Sekunde – das sind fast 40 Stundenkilometer. Jede Kabine fasst bis zu 120 Fahrgäste und wird von jeweils zwei Tragseilen mit 72 Millimeter Durchmesser und 145 Tonnen Masse gehalten. Die Tragseile haben eine Bruchlast von gut 600 Tonnen und wurden aus 5.500 Kilometern Draht gefertigt. Die Seilbahn ist für Temperaturen bis -30 Grad Celsius zugelassen und fährt bis Windstärke acht. In rund zehn Minuten gelangen die Fahrgäste auf den Berg. Für den Hersteller Garaventa ist die neue Seilbahn Zugspitze ein Leuchtturmprojekt, ebenso für die Antriebsspezialisten von SEW-Eurodive in Bruchsal, die in der Schweiz von der Generalvertretung Alfred Imhof vertreten wird. „In letzter Zeit hat sich die Kooperation mit der Imhof AG verstärkt“, berichtet Projektleiter Markus Reichmuth. „Preis-Leistungs-Verhältnis und Termintreue stimmen – und die Zusammenarbeit funktioniert sehr gut.“

Und Imhof-Industriegetriebespezialist Peter Baumgartner ergänzt: „Ein solches Projekt ist mehr als nur eine hervorragende Referenz – es ist ein Meilenstein. Die Seilbahn auf die Zugspitze hat ja einen Platz in den Geschichtsbüchern.“ Aru