Dr. Ulrich Lettau, Iba

„Es ist heute viel einfacher, schnell mal etwas zu automatisieren als früher. Die Komplexität, die dann tatsächlich dahinter steckt, ist aber immens gewachsen.“ Dr. Ulrich Lettau, Iba

Herr Dr. Lettau, was ist Ihre Aufgabe bei Iba und wofür steht das Unternehmen?
Ich bin seit 2007 bei der Iba AG als Vorstandsvorsitzender tätig und habe diese Aufgabe vom Firmengründer Horst Anhaus übernommen. Vor meiner Zeit bei Iba war ich 13 Jahre lang in unterschiedlichen Funktionen bei Siemens im Bereich Anlagenbau und Industriedienstleistungen beschäftigt. Der Name Iba kommt von Ingenieurbüro Anhaus. Horst Anhaus hatte die Firma 1984 als Automatisierungs-Dienstleister gegründet. Über das Thema Projektierung, Inbetriebnahme und Modernisierung von Anlagen ist die Firma zur Messtechnik gekommen.

Warum gerade zur Messtechnik?
Anhaus wollte genau sehen, was er macht. Eine Automatisierung hat zwar ein Bedien- und Beobachtsystem, das zeigt aber nur wenige Werte an. Das ist so ähnlich wie beim Auto, da gibt es ein paar Lämpchen, wenige Messwerte werden angezeigt, aber über die Interna erfährt man nichts. Horst Anhaus hat eine PC-basierte Messwerterfassungssoftware gefunden und passende Analog-Digital-Wandlerkarten, und so hat er sich selber ein Messsystem konfiguriert – anfangs nur für seine eigenen Zwecke. Aber als die Kunden das System gesehen haben, wollten sie es auch haben. Nach wenigen Jahren hat er nur noch Messtechnik gemacht. Im Laufe der Zeit entwickelte das Unternehmen eigene Hardware, ab Anfang der 1990er-Jahre auch Software. Seit Mitte der 90er ist Iba mit dem Geschäftsmodell, das wir heute noch haben, am Markt aktiv.

Für welche Branchen sind Ihre Messtechnik-Lösungen gedacht?
Historisch kommen wir aus dem Stahl- und Walzwerksbereich, das ist nach wie vor unsere Hauptbranche. Aber Messtechnik ist ein grundsätzliches Thema, das hat nichts mit einer Branche zu tun, sondern mehr mit der Komplexität. Überall dort, wo man komplexe oder schnelle Prozesse findet, sind wir zu Hause. Verpackungsindustrie, Automotive, Kunststoffindustrie, elektrische Energietechnik, Papierindustrie, Öl, Gas und Mining, Eisenbahn und Schiffbau. Unser Ziel ist es, Transparenz in die Welt der Automatisierung zu bekommen, die per se ziemlich autistisch ist.

Wozu wollen Ihre Kunden überhaupt so tief in ihre Maschinen blicken?
Die wahrgenommene Komplexität von vielen Dingen im täglichen Leben, Smartphone, Auto, was auch immer, die ist doch viel, viel geringer geworden. Alles ist einfacher. Das ist auch in der Automatisierung so. Es ist heute viel einfacher, schnell mal etwas zu automatisieren als früher. Die Komplexität, die dann tatsächlich dahinter steckt, ist aber immens gewachsen. Die lässt sich letztendlich als Nichtexperte gar nicht mehr durchschauen. Da laufen Regelprozesse ab, da werden Entscheidungen getroffen, aber nach außen kriege ich das nicht so mit. Wir liefern nun das Messsystem, mit dem man hineingucken kann. Wir helfen, diese Komplexität zu erschließen und zum Beispiel ein Instandhaltungsszenario zu bewerten.

Der Hersteller

Iba
Die Iba AG ist ein inhabergeführtes, mittelständisches Unternehmen mit Sitz in Fürth in der Metropolregion Nürnberg. Spezialgebiet ist seit mehr als 30 Jahren die Entwicklung hochwertiger Systeme zur Messwerterfassung und -analyse, Signalverarbeitung und Automatisierung. Die Mission des Unternehmens ist es, mit messtechnischen Systemlösungen Transparenz in die Welt der Automatisierung zu bringen. Durch ein Iba-System kann der Anwender die wachsende technische Komplexität von automatisierten Prozessen und mechatronischen Systemen begreifen und beherrschen.

www.iba-ag.com

Wie machen Sie das, was messen Sie?
Wir erfassen Daten aus den Automatisierungssystemen und messen auch analoge Signale von Sensoren. Die Sensorik selbst ist aber nicht unser Thema. Was wir anbieten, ist das Iba-System. Unsere Leistung ist, dass wir Hardware und Software miteinander kombinieren zu einem System, das dem Kunden den Nutzen bringt, anlagenangepasst und aufgabenangepasst.

Das heißt?
Im ersten Schritt geht es darum, Signale und Daten zu erfassen. Und ich spreche hier nicht von zehn, sondern von mehreren Tausend. Der Anspruch ist dabei, sie in möglichst unverfälschter Form dort aufzunehmen, wo sie produziert werden. Dazu haben wir mit Iba Padu eine Familie an Parallel-Analog-Digital-Umsetzern, die die Wandlung und Potenzialtrennung übernehmen. Zusätzlich können wir Daten direkt aus dem Feldbus oder der Steuerung holen – wobei hier Verfälschungen, die bei der Einkopplung in die Steuerung entstehen, mit aufgenommen werden. Wir haben dedizierte Hardware für viele Zwecke, am Rückwandbus, an der Feldbus-Schnittstelle. Wir können rückwirkungsfrei am Bus mithören und zeitliche Verläufe der Nutzinformationen aufnehmen. Zusätzlich können wir synchron zu den Messsignalen Videos aus Überwachungsanlagen oder Industrial TV mit aufzeichnen. Das hilft, Fehlersignale bestimmten Prozessschritten zuzuordnen. Kern ist am Ende aber unser Iba Analyzer. Hier können im Post-Processing Kennwerte berechnet und der große Datensatz vielfältig analysiert werden.

Was ist der Vorteil Ihres Systems?
Wir haben hier eine Plattform, mit der vieles, was Industrie 4.0 bringen soll, schon möglich ist. Das Stichwort ist Konnektivität. Wir messen aus der vorhandenen Automatisierung heraus, herstellerunabhängig. Für eine ständig wachsende Menge an Automatisierungssystemen bieten wir einen einheitlichen Zugang an. Die meisten Firmen haben ja nicht eine Steuerung einer Generation im Einsatz, sondern meistens verschiedene Hersteller und verschiedene Generationen, eine Vielzahl an Systemen. Da ist es eine fast unlösbare Aufgabe, aus diesen vielen Systemen schlüssige Informationen zu erhalten, Daten konsistent und vergleichbar aufbereitet zu bekommen – und das mit nur einem System. Genau das bieten wir an, über unsere Konnektivität an so gut wie jedes Bussystem und an jeden Sensor, sowohl auf der Automatisierungssystemseite, als auch bei den Übertragungsprotokollen.