Nach einer Ausbildung als Werkzeugmacher studierte Weßling Bauingenieurwesen, in seiner

Nach einer Ausbildung als Werkzeugmacher studierte Weßling Bauingenieurwesen, in seiner Abschlussarbeit ging es um Vibrationsisolierung. Seit zehn Jahren ist er bei ACE und hat auch hier mit Vibrationsisolierung zu tun.

Herr Weßling, stellen Sie uns das Unternehmen ACE bitte kurz vor.
Letztendlich geht es bei uns um Prozesse – unsere Produkte helfen, diese effizienter zu machen, leiser und schneller. Der Ursprung des Unternehmens liegt über 50 Jahre zurück in der Region Michigan-Detroit, im Maschinenbau für den Automotive-Bereich. Dort hat ACE den ersten einstellbaren Industriestoßdämpfer entwickelt und patentiert – primär um Prozesse schneller zu machen. Sprich: Je länger ich schnell fahren kann und je später ich bremse, desto schneller bin ich letztendlich auch im Produktionsprozess. Hinzu kommt: Je besser ich bremse, desto geringer sind meine Maschinenbelastungen. Die Dämpfungstechnik  ist nach wie vor das absolute Kerngeschäft für uns. Dort haben wir über die Jahre zahlreiche Entwicklungen gemacht, Dämpfungstechnik mit Rollmembran, Dichtung als hermetisch dichtes System, das man auch im Druckraum einbauen kann, und vieles mehr. Da sind wir schon, so denke ich, technologisch state-of-the-art und globaler Marktführer in der industriellen Dämpfungstechnik.

André Weßling

André Weßling ist Head of Global Marketing bei ACE Stoßdämpfer.

Seit wann gibt es ACE in Deutschland? Und sind Sie eine reine Vertriebs-Tochtergesellschaft?
ACE wurde als deutsches Unternehmen 1978 gegründet und ist als GmbH mit drei Leuten gestartet. Dann gab es recht schnell eine rasante Entwicklung, wir sind sehr, sehr lange Zeit immer knapp zweistellig gewachsen. Das war schon eine sehr imposante Unternehmensentwicklung. Heute ist der Standort Deutschland Global Head of Sales and Marketing für das gesamte Unternehmen.

Und wo wird produziert?
Farmington in Michigan ist unser Hauptstandort für die Dämpfungstechnik. Aber wir arbeiten auch mit Partnern hier in Deutschland, etwa wenn es um größere Durchmesser geht oder wenn es mal schnell gehen muss. Im Bereich Gasfedern haben wir in der Gruppe die Firma Hahn Gas­federn als Schwesterunternehmen dazu gekauft. Auch für den Bereich Vibrationsisolierung haben wir mittlerweile zwei Firmen als Schwestern dazu bekommen.

Industriegasfedern? Was ist da Ihr Portfolio?
Die Gasfedern kamen bei uns Anfang der 90er-Jahre dazu. Unsere Nische sind dabei die kundenorientierten Lösungen für den Industrieeinsatz. Wir haben im Gegensatz zu den massengefertigten Federn keinen abgeschlossenen Körper, in dem eine feste Menge Stickstoff drin ist und damit eine feste Kraft. Wir haben ein Ventil, über das wir den Druck auf die Kundenanforderung hin anpassen können und auch ein Ingenieurteam, das dem Kunden für jede Applikation die passende Lösung entwickeln kann. Der Kunde nennt uns die Lasten und die gewünschten Handkräfte zu Anfang und zum Schluss, wir schlagen aus unserem Baukasten ein Produkt vor und erstellen eine Zeichnung als Einbauvorschlag. Wenn der Kunde dann sagt: ok, gefällt mir, dann geht das direkt elektronisch zu den Befüllanlagen. Stickstoff rein, zwei Beschlagteile oder Anschläge dran, und dann geht das, wenn es sein muss sogar innerhalb von 24 Stunden, zum Kunden raus. Das ist ein ganz anderer Ansatz als bei den großen Herstellern von Volumengasfedern.

Was haben Sie sonst so im Portfolio?
Wir haben die klassische Dämpfungstechnik, das ist bei uns der Bereich Automation Control, die Gasfedern im Bereich Motion Control, dann noch Vibrationsisolierung, unter anderem durch Dämmmatten im Bereich Vibration Control. Und zu guter Letzt haben wir noch den Bereich Safety Products, also Sicherheitsdämpfer sowie Klemm- und Bremssysteme. Hier geht es darum, Lasten zu halten oder im Notfall Schlimmeres zu verhindern.

André Weßling

„Dämpfung ist keine Raketenwissenschaft, und Hightech-Lösungen sind hier meist nicht kosteneffizient. Die Innovation steckt in Materialien und Prozessen.“
André Weßling, ACE Stoßdämpfer

Jetzt sind Dämpfer ja recht ausgereifte Produkte. Gibt es da überhaupt Innovationen? So im Sinne von Industrie 4.0?
Sicherlich gibt’s Innovationen. Aber da muss ich kurz ausholen. Auch wir haben uns sehr früh mit Thematiken wie elektro- oder magnetorheologischen Fluiden beschäftigt. Damit lassen sich hoch dynamische, sich anpassende Dämpfer konzipieren. Das sind alles sehr innovative Ansätze was Flexibilität anbelangt, auch was Schnelligkeit anbelangt. Allerdings haben wir erkannt, dass kaum eine Anwendung diese Variabilität verlangt. In den allermeisten Anwendungen wissen wir sehr genau, welche Lasten wie schnell von A nach B bewegt werden. Und da sind einfache, langlebige hydraulische Systeme sowohl die kostengünstigere, als auch vom Bauraum die attraktivere Geschichte. Zudem muss man die regelbaren Dämpfer steuerungstechnisch in die Anlagen integrieren.  Man muss über vieles nachdenken. Die einfachen Dämpfer sind im Vergleich dazu Plug&Play.

André Weßling

Nach einer Ausbildung als Werkzeugmacher studierte Weßling Bauingenieurwesen, in seiner Abschlussarbeit ging es um Vibrationsisolierung. Seit zehn Jahren ist er bei ACE und hat auch hier mit Vibrationsisolierung zu tun.

Gibt es denn dann gar nichts Neues?
Doch. Aber der Quantensprung in Sachen Technologien, der ist nicht kosteneffizient zum heutigen Zeitpunkt. Das soll aber nicht heißen, dass wir nicht unsere Produkte stetig verbessern. Wir verbessern die Fertigungsmethoden, verwenden andere Materialien, vor allem bei den Dichtungen. Dadurch konnten wir immer wieder die Lebensdauer erhöhen oder kleiner bauen. Da passiert schon einiges. Und wenn Sie das Thema Industrie 4.0 suchen: Wir haben eine prämierte App, den Vibrochecker (s. Video), die den internen Bewegungssensor des iPhone nutzt, um eine erste Schwingungsanalyse zu fahren. Die ist kostenlos verfügbar. Und wenn es um neue Produkte geht: Wir haben eine neue Serie von Gasfedern in der Pipeline.

Was ist deren besondere Stärke?
Wir werden ein komplett neues Design auf den Markt bringen, das auch eine eigene Farbe hat. Sodass man den ACE-Standard auch optisch erkennen kann. Dann werden wir ein neues Dichtungspaket vorne haben, ein neues Führungslager. Durch weniger Reibung im Dichtungspaket können wir ganz andere Märkte bedienen, wie Medizintechnik und sehr, sehr hochqualitative Anwendungen – wo es drauf ankommt, mit sehr geringen Kräften etwas zu bewegen. Dann haben wir Features wie längere Führungslager aus anderen Materialien, die über ein Sickensystem fixiert werden. Das unterstützt die Langlebigkeit und verringert die Fluchtungsabweichung.