Dr. Steffen Haack, Bild: wk

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Herr Dr. Haack, verraten Sie unseren Lesern bitte ein paar Details zu Ihrer Person.
Gerne. Ich habe in Erfurt Maschinenbau studiert und danach in der Fluidtechnik, der Strömungslehre, promoviert. Im Anschluss war ich bei einer kleinen Maschinenbau-Firma, wo ich das Hydraulik-Business von der Pike auf gelernt habe: Von der Aggregatekonstruktion über die Montage der Anlagen beim Kunden bis hin zur Wartung habe ich damals alles gemacht. 1996 bin ich zu Robert Bosch gewechselt, in den Geschäftsbereich Automationstechnik und dort zur Industriehydraulik. In der Bosch-Gruppe habe ich verschiedene Stationen, auch in der Montagetechnik oder der Großkundenbetreuung, durchlaufen. 2008 bin ich dann als ausgebildeter Öl-Mensch in die Elektrik gewechselt als Leiter des Bereichs Electric Drives and Controls mit etwa 3800 Mitarbeitern. 2012 übernahm ich die Aufgabe als Vorstand bei Bosch Solar Energy. Nachdem Bosch aus dem Solargeschäft ausgestiegen war, hatte ich dort die Aufgabe, die Aktivitäten zu beenden und herunterzufahren. Und jetzt bin ich also wieder zurück bei Rexroth – auch, aber nicht nur bei der Hydraulik.

Dr. Steffen Haack

Seit 1. Januar 2015 ist Dr. Steffen Haack im Vorstand von Bosch Rexroth. Der 48-Jährige war zuvor Vorstandsvorsitzender der Bosch Solar Energy. Bild: ke NEXT / wk

Was ist nun ihr aktueller Verantwortungsbereich?
Ich bin innerhalb des Vorstandes zuständig für die Business Unit Industrial Applications, also Industrieanwendungen. Technologisch verbirgt sich dahinter die Industriehydraulik, die Lineartechnik, die Montagetechnik und als verbindendes Element die Elektrik. Insgesamt arbeiten hier etwa 17.000 Mitarbeiter. Wir haben 21 Werke weltweit und sind in über 80 Ländern mit Service, Fertigung oder Vertriebsaktivitäten vertreten. In Summe ist das knapp die Hälfte dessen, was Bosch Rexroth heute ausmacht. Die andere Hälfte ist der Bereich mobile Anwendungen und die Erneuerbaren Energien – beides verantwortet mein Vorstandskollege Dr. Bertram Hoffmann.

Für die Hydraulik war 2014 ja kein einfaches Jahr. Wie schätzen Sie die Situation für die Zukunft ein?
Wenn wir auf die Maschinenproduktion schauen, dann muss man sagen, dass wir das Vorkrisen-Niveau von 2009 noch nicht erreicht haben. Wir haben eine Aufholbewegung gehabt – natürlich sehr gute Jahre 2010, 2011 und 2012. Aber jetzt sind wir ehrlicherweise eher in einer Seitwärtsbewegung. 2014 hatten wir ein leichtes Marktwachstum, an dem wir als Rexroth auch partizipieren konnten. Für 2015 erwarten wir ebenfalls höchstens ein leichtes Marktwachstum. Das gilt für den Industriemarkt in Summe. In den verschiedenen Segmenten entwickelt sich das ganz unterschiedlich: Die Hydraulik läuft eher konservativ, wohingegen in der Elektrik zweistellige Wachstumsraten keine Seltenheit sind, die wir dann auch bei Rexroth realisieren können.

Wie sieht es denn regional gesehen aus? Welche Märkte machen Ihnen besonders viel Freude?
Wirklich gut geht es in Amerika. „America is back“ nach Jahren des Herunterfahrens, der Stagnation. Die Industrie ist dort wieder auf dem aufsteigenden Ast, das sehen wir sehr deutlich. In Asien gibt es auch noch Wachstum, aber weitab von dem, was wir in früheren Jahren erlebt haben. Und wir sehen Afrika. Auch dort erleben wir derzeit hohe Steigerungsraten – noch von niedriger Basis, aber deutlich erkennbar.

Dr. Steffen Haack

„Wichtig wird sein, dass die Industriehydraulik in Zeiten von Industrie 4.0 ihre Rolle findet. Dass sie sich problemlos in Vernetzung, Zustandskontrolle und digitale Steuerbarkeit integrieren lässt.“
Dr. Steffen Haack , Bosch Rexroth

Seit Jahren hört man, dass elektrische Antriebe die Hydraulik ersetzen werden. Rexroth hat beides im Portfolio. Wie schätzen Sie die Zukunft der Hydraulik ein?
Grundsätzlich muss man sagen, dass die Industriehydraulik seit Jahren Wachstumsraten aufweist – allerdings sehr moderat im unteren einstelligen Bereich. Aus unserer Sicht wird das zunächst auch mal so bleiben. Wir selber sehen natürlich als unabhängiger Hersteller die bekannten Vorteile der Industriehydraulik: Leistungsdichte oder Regelbarkeit. Und glauben, dass es nach wie vor immer Anwendungsfälle geben wird, wo sich der Einsatz der Hydraulik sehr gut lohnt. Nichtsdestotrotz sehen wir natürlich das Thema Elektrifizierung weiter voranschreiten – mit der Nebenbemerkung, dass die zunehmende Einkehr der Elektronik in die Hydraulikantriebe diese natürlich auch wieder wettbewerbsfähiger macht. Wichtig wird sicherlich sein, dass die Industriehydraulik im neuen Zeitalter der Industrie 4.0 ihre Rolle findet. Dass sie also nicht als autarke Technologie daneben steht, sondern so adaptiert wird, dass sie sich problemlos in Vernetzung, Zustandskontrolle und digitale Steuerbarkeit integrieren lässt.

Vor diesem Hintergrund: Welche technischen Trends sehen Sie und woran arbeitet Ihre Entwicklungsabteilung?
Die Entwicklungsgeheimnisse behalten wir natürlich für uns. Allerdings kann ich gerne ein paar Trends skizzieren. Erstens: Wir haben nicht nur den Trend der Elektrifizierung, es gibt auch einen gegenläufigen Trend. Wir sagen Hydraulifizierung dazu. Ein Beispiel: Der Schneckenatrieb hinten an einer Kunststoffmaschine, der muss nicht immer elektrisch sein. Bezüglich der Überlastfähigkeit gibt es Vorteile bei hydraulischen Antrieben. Dafür haben wir gerade einen neuen, sehr kleinen Hydromotor in der Pipeline. Der lässt sich auch in Windenantrieben gut einsetzen. Denn in gewissen Anwendungsfällen – ich denke mal an den Hafen von Murmansk bei Minusgraden – ist das mit der Elektrik auch nicht so einfach.
Ein weiterer Trend ist es, Bauraum zu sparen. Wir haben auf der SPS IPC Drives letztes Jahr eine neue Motorengeneration mit einer wesentlich besseren Drehmoment- und Drehzahlkennlinie vorgestellt. Viel kleiner bauend als bisher. Zudem gibt es noch den Trend zu einer schaltschranklosen Technik. Die Versorgungseinrichtung und alle Regler befinden sich dezentral in der Maschine. Das geht mit Elektroantrieben ebenso wie mit unseren kompakten Hydraulikzylindern mit integriertem Aggregat. Das sind so die wesentlichen Trends.

Abschließend: Was sind Ihre wichtigsten Aufgaben für die kommenden zwölf Monate?
Da haben wir relativ viel vor. Rexroth hat sich selbst ein Fitnessprogramm verordnet, sozusagen. Unser Ziel ist, dass wir in allen Bereichen so gut wie der Benchmark sind. Für unser Wachstum arbeiten wir gerade auf nahezu allen Feldern: Regionen, Branchen, Produkte, Projekte und auch Vertriebswege.