ke NEXT hakt nach: beim Personalleiter

Personalleiter Ralf Sturm setzt auf Vertrauen in die Mitarbeiter. Bild: ebm-Papst
Personalleiter Ralf Sturm setzt auf Vertrauen in die Mitarbeiter. Bild: ebm-Papst

Acht Fragen an Ralf Sturm (45), Personalleiter bei ebm-Papst

Herr Sturm, wo sehen Sie aus Sicht des Unternehmens Vor- und Nachteile des ergebnisorientierten gegenüber dem anwesenheitsorientierten Modell?
Wir haben unsere Arbeitszeit im Verwaltungsbereich vor etwa einem Jahr vom anwesenheits- zum aufgaben- und ergebnisorientierten Modell umgestellt und die damalige Kernarbeitszeit von 9.30 bis 14.30 Uhr abgeschafft. Jeder Mitarbeiter muss nun zwischen 5 und 22 Uhr mindestens vier Stunden in der Firma anwesend sein. Seine individuelle Arbeitszeit kann er allerdings eigenverantwortlich in Abstimmung mit seinen Aufgaben und dem Team festlegen. Das fördert eine Kultur des Vertrauens. Die Vorteile der Flexibilisierung sind, dass die Mitarbeiter Familie und Beruf besser vereinbaren können. So können sie zum Beispiel morgens ihre Kinder zur Schule bringen oder auch mal zwischendrin einen Arzttermin wahrnehmen. In der Produktion bieten sich aufgrund der zwei wechselnden Achtstundenschichten allerdings noch wenige Flexibilisierungsmöglichkeiten. Dort gibt es aber zum Beispiel die Drei-, Vier- oder Fünf-Tage-Woche.

Wie stellen Sie sicher, dass Mitarbeiter das in sie gesetzte Vertrauen nicht missbrauchen?
Wir leben eine Unternehmenskultur, die den Mitarbeitern ein hohes Maß an Vertrauen entgegenbringt. Der Mitarbeiter kann eigenverantwortlich und flexibel seine Aufgaben erfüllen. Wichtig ist dabei eine Abstimmung im Team, damit zum Beispiel immer Ansprechpartner erreichbar sind.

Überlegen Sie, in Zukunft weitere Flexibilisierungen für die Mitarbeiter einzuführen?
Ja, wir denken kontinuierlich über sich verändernde Arbeitsformen und Gesellschaftsstrukturen nach. Dabei spielt das Thema Flexibilisierung eine wichtige Rolle.

Welche Gründe haben bei der Einführung des flexiblen Arbeitszeitmodells eine Rolle gespielt?
Bei der Einführung des flexiblen Arbeitszeitmodells haben Gründe wie Vereinbarkeit zwischen Beruf und Familie sowie Vertrauen gegenüber unseren Mitarbeitern eine Rolle gespielt. Dies haben wir innerhalb unseres Standortsicherungspakts festgeschrieben. Ein weiterer Grund war der optimale Service, den wir unseren globalen Kunden bieten möchten: zum richtigen Zeitpunkt, wenn es der Kunde verlangt, mit unseren Mitarbeitern und Leistungen zur Stelle zu sein. Dies können wir nicht erreichen, wenn wir die Arbeitszeiten aller Mitarbeiter in ein starres Korsett zwängen. Deshalb sind diese so flexibel wie unsere Kundenwünsche.

Wie sind die Arbeitszeiten jetzt?
Die Angestellten können innerhalb der Gleitzeitspanne von
5 bis 22 Uhr arbeiten und sollen mindestens vier Stunden am Tag anwesend sein. Wer wann anfängt, ist dabei jedem Einzelnen selbst überlassen.

Und wenn ein Mitarbeiter pro Tag nur vier Stunden da ist?
Dann wird sein Arbeitszeitkonto irgendwann ins Minus rutschen, denn der Soll pro Tag beträgt 7,7 Stunden. Wir haben aber Arbeitszeitkonten, bei denen die Mitarbeiter 180 Stunden ins Plus und 90 Stunden ins Minus gehen können. Unser Modell soll die Möglichkeit bieten, die jeweilige Lebenssituation der Mitarbeiter ein stückweit zu berücksichtigen.

Wie schnell muss das Guthaben abgebaut werden?
Es gibt keine Frist, sondern nur die Ampelgrenzen grün, gelb und rot. Befinden sich die Plus- und Minusstunden eines Mitarbeiters im grünen Bereich, ist alles in Ordnung. Sobald sie in den gelben oder roten Bereich gelangen, wird dies zusammen mit der jeweiligen Führungskraft analysiert und in der Folge werden gemeinsam Maßnahmen eingeleitet.

Also handelt es sich um ein Langzeitkonto?
Es handelt sich nicht um ein Langzeitkonto, sondern eher um ein Kurzzeitkonto. Denn mit den Stunden, die man aufbauen kann, ist es nicht möglich, sich Weiterbildungen oder ein sogenanntes Sabbatical zu erarbeiten.

Das Interview führte Olga Possewnin, ebm-Papst