Kerstin Alber leitet bei Balluff die Entgeltabrechnung. Beim Unternehmen sind Väter willkommen.
Kerstin Alber leitet bei Balluff die Entgeltabrechnung. Beim Unternehmen sind Väter willkommen. Foto: Balluff

Frau Alber, heutzutage wollen zunehmend auch männliche Ingenieure in Elternzeit gehen. Inwieweit hat Balluff sich darauf eingerichtet?

Wir sind natürlich darauf eingerichtet. Es gibt ja auch einen gesetzlichen Anspruch. Und wir haben einige Männer im Unternehmen, auch gerade im Bereich der Ingenieure und Konstrukteure, die bereits Elternzeit in Anspruch genommen haben.

Wie sehen Sie als Arbeitgeber oder auch als Personalverantwortliche das Thema, dass die Männer jetzt auch in Elternzeit gehen?

Absolut positiv sehen wir das. Außerdem wollen wir ja ein attraktiver Arbeitgeber sein. Wir wissen, dass wir Probleme mit Nachwuchs haben, und deswegen bieten wir natürlich auch eine familienfreundliche Personalpolitik an. Und wir möchten es natürlich auch den Männern ermöglichen, wenn sie den Wunsch haben, dass sie in Elternzeit gehen können.

In einigen Betrieben herrscht immer noch die konservative Ansicht, dass die Männer arbeiten und die Frauen daheim beim Kind bleiben sollen. Warum ist das bei Ihnen anders?

Es ist einfach unsere Grundeinstellung, dass wir alle gleich behandeln wollen. Wir haben ja auch fünf Belegplätze in einer Kindertagesstätte und da sagen wir auch nicht, da dürfen nur Kinder rein, deren Mütter bei uns arbeiten, sondern Kinder von Mitarbeitern, egal ob das ein Mann oder eine Frau ist. Und so sehen wir das bei der Elternzeit auch. Wir denken, das Thema ist überholt.

Glauben Sie, dass Männer in puncto Familie heutzutage mehr gefordert sind als früher?

Ja, ich denke, das ist schon mittlerweile so, dass es einfach gleich funktionieren muss. Dass Elternpaare teilweise sagen, wir arbeiten jeweils 50 Prozent, dann bleiben wir beide in unserem Beruf und wir können uns beide um das Kind kümmern. Ich denke, die Zeit hat sich gewandelt und wir als Unternehmen wollen auch mitgehen und modern sein.

Inwiefern unterstützen bei Balluff die Vorgesetzten, wenn die Männer in Elternzeit gehen wollen?

Da würde ich sagen: genauso wie das Unternehmen. Das geht von der Geschäftsleitung aus, dass wir die Elternzeit begrüßen und ermöglichen wollen. So sehen das unsere Führungskräfte auch. Gut, wenn ein Projekt ansteht, das ganz dramatisch wichtig ist, dann wird man eben mit dem Mitarbeiter sprechen und fragen: Das ist ein ganz schlechter Zeitpunkt. Wäre es nicht möglich, dass du vielleicht ein halbes Jahr oder ein Vierteljahr später in Elternzeit gehst? Und dann muss man eben einen Kompromiss finden.

Wie frühzeitig sollten Ingenieure das Thema Elternzeit Ihrer Meinung nach angehen? Gesetzlich vorgeschrieben ist ja nur die Anmeldung sieben Wochen vor Beginn. Das ist natürlich für das Unternehmen etwas kurzfristig. Was raten Sie?

In Anbetracht der Tatsache, dass man es meistens schon neun Monate vorher weiß, orientieren wir uns ganz gern an den Kündigungsfristen. Wenn jemand ein halbes Jahr weg ist, muss man für ihn Ersatz beschaffen. Das ist so ähnlich als wenn derjenige das Unternehmen verlassen würde. Deswegen finden wir drei Monate vorher ganz gut. Wenn jemand zwei Monate in Elternzeit geht, dann sind auch sieben Wochen in Ordnung. Aber grundsätzlich wären drei Monate vorher für uns das optimale. Wenn man es noch früher weiß, ist es natürlich noch besser, aber weniger als drei Monate ist ein bisschen ungeschickt für die Praxis.

Die Fragen stellte Angela Unger, Redaktion