Was sind die Vorteile für ein Unternehmen, einen Interim Manager von außen ins Projekt zu holen?
Mit Sicherheit ist ein großer Vorteil die schnelle Verfügbarkeit. Im Prinzip könnten wir in den meisten Anfragen innerhalb von 48 Stunden mit einem Manager vor Ort sein, der die Aufgabe übernimmt. Meistens dauern allerdings die Besetzungsprozesse in den Unternehmen dann doch einfach ein bisschen länger, weil mehrere Entscheider involviert sind, die Sie nicht innerhalb von 48 Stunden unter einen Hut bekommen. Denn der eine ist vielleicht gerade im Ausland bei einem Tochterunternehmen unterwegs und der nächste hat andere wichtige Kundentermine. Aber die Projekte, die schnell starten sollen, starten tatsächlich auch innerhalb von zwei Wochen.

Ein Interim Manager ist mit Sicherheit auch vor dem Kostenhintergrund kein „nice to have“. Es muss ein wirtschaftlicher Druck auf dem Thema lasten. So sind es meist Projekte, Themen oder Aufgaben, die schon in akuter Schieflage sind und bei denen das Unternehmen dringend agieren muss. Da gehört die schnelle Verfügbarkeit erfahrener Interim Manager mit Sicherheit zu den wichtigsten entscheidungsgebenden Punkten. Ein weiterer Vorteil ist, dass Interim Manager im positiven Sinne gesehen keine Historie im Unternehmen haben und gar keine Zukunft in diesem verfolgen. Das führt dazu, dass ein Interim Manager wirklich sehr schnell objektiv in den operativen Themen eingearbeitet ist. Er muss keine Rücksicht auf Seilschaften nehmen, und vor allem muss er alle Dinge, die er entscheidet, nicht mit dem Hintergedanken machen, ob das seiner eigenen Karriere schaden könnte. Somit können Interim Manager sehr objektiv Veränderungsprozesse vorantreiben.

Ein weiterer Punkt ist, dass Unternehmen die Aufgaben meistens selbst lösen könnten, aber dafür nicht genügend Zeit oder Managementressourcen haben. Es gibt hier zwei Theorien, wie ich einen Fortschritt, Innovationen oder Veränderungen in ein Unternehmen hineintragen kann. Die eine Möglichkeit ist „try and error“. Also ich setze zum Beispiel jemanden auf eine Funktion und durch „Versuch und Irrtum“ probiere ich so lange herum, bis ich eine akzeptable Lösung habe. Man geht dabei immer wieder einen Schritt zurück, nimmt seine Erkenntnisse und startet einen neuen Versuch. Das ist eine hervorragende Möglichkeit, um Wissen aufzubauen, dauert aber lange und kostet auch deutlich mehr Geld, weil ich eben nie weiß, an welcher Stelle ich jetzt tatsächlich bei einer guten Lösung angekommen bin. Interim Management bedeutet eigentlich eher ein anderes Lernmodell, ein „Modelling of Excellence“.

Ich kopiere Wissen oder einen Prozess, den andere schon tausendfach erfolgreich durchgeführt haben. Dabei habe ich dieses Wissen nicht selbst, sondern hole mir das Prozess-Know-how einfach über einen Interim Manager herein. Ich kopiere diesen Erfahrungsschatz, den der Interim Manager mitbringt, um dadurch schneller in Veränderungsprozesse zu kommen. Ich kaufe mir also Erfahrungen. Aber lediglich Interim Manager bringen genau diesen Mehrwert ins Unternehmen, sei es etwa im internationalen Kontext oder beispielsweise beim Umzug von Produktionsstraßen. Sie kennen die Fehler und können dadurch den Kunden davor bewahren, diese Fehler selber machen zu müssen.

In der Interim Management Studie 2017 stand, dass fünf von zehn Managern in der Industrie und im verarbeitenden Gewerbe sich nicht mit dem Thema Digitalisierung auskennen. Wie ist Ihre Erfahrung?
Solche Verallgemeinerungen sind sehr schwierig. Das Thema Digitalisierung ist mit Sicherheit wichtig, aber trotzdem müssen sich Nutzen und Kosten in einer vernünftigen Relation befinden - Stichwort Automatisierung. Es macht mit Sicherheit keinen Sinn, wenn ich im Einzelmontagebereich maximal automatisiere, weil es an manchen Stellen doch günstiger wäre mit deutschen Fachkräften zu arbeiten. Deshalb muss man das immer in Relation sehen. Das Thema wird sehr heiß gekocht. Aber wenn es wirklich in der gesamten deutschen Wirtschaft so dramatisch wäre, wie uns das die großen Unternehmensberatungen vorgaukeln, dann wären wir mit Sicherheit in den Prozessen und in der Produktion nicht da, wo viele Unternehmen heute schon sind. Aber mit Sicherheit müssen sich das die Unternehmen ständig anschauen und auf dem Laufenden bleiben.

Aber trotzdem haben Sie Recht, dass sich eine gewisse Anzahl von Unternehmen nicht oder zu wenig um die Digitalisierung kümmert. Das hat aber nichts mit der Industrie oder dem produzierenden Unternehmen zu tun, daraug treffen Sie genauso in den verwaltenden Unternehmen oder Dienstleistungsunternehmen. Man muss sich eine gewisse Neugier erhalten, und wo diese nicht vorhanden ist, ist es schwierig den Anschluss zu finden. Aber manchmal kann man auch einfach eine Evolutionsstufe überspringen, wenn dann plötzlich von außen jemand kommt oder durch eine Fusion zweier Unternehmen vielleicht die Möglichkeit besteht sich weiter zu entwickeln.

Wie wird sich der Bereich Interim Manager in den nächsten Jahren entwickeln? Wird es immer mehr Interim Manager geben oder sollten die Unternehmen vielleicht selbst Fachkräfte nachschulen?
Einen Interim Manager intern ausbilden kann man nicht. Das einzige, was man zukünftig stärker machen könnte, ist ein Projektteam zu bilden, das sich um Sonderthemen kümmert. Insgesamt wird mit Sicherheit der Markt noch steigen, weil Besetzungsprozesse zunehmend immer länger dauern werden, besonders für das mittlere oder gehobene Management. Da eben auch die Anforderungen immer mehr steigen: zum Beispiel einen international erfahrenen Werksleiter zu finden, der zwei oder sogar mehr Sprachen spricht, ist in manchen Regionen nicht einfach.

Was ich hoffe ist, dass zukünftig noch stärker die Chance wahrgenommen wird, eigene interne Mitarbeiter über die Interim Manager weiterentwickeln zu lassen. Der Interim Manager kommt zum Beispiel als Interim-Werksleiter ins Unternehmen, um im Erstauftrag einen Produktionsrückstand aufzuarbeiten. Er wird das Projekt übernehmen und die Produktionsrückstände erst mal aufarbeiten, aber gleichzeitig schauen, ob es einen potenziellen jungen Mitarbeiter oder eine Führungskraft aus der zweiten Reihe gibt, die er vom ersten Tag an die Hand nehmen kann, um sein Wissen weiterzugeben. Die Nachfolgeausbildung ist oft ein generelles Problem in kleineren und mittleren Unternehmen. Denn in der Realität wird ein Werksleiter selten sein „Gralswissen“ komplett an Nachwuchsmanager weitergeben. Er will sich ja nicht zu früh selbst entbehrlich machen. Da wirken Eigenschutzmechanismen, die ein Interim Manager natürlich nicht besitzt.

Weil sie kommen, um zu gehen. Das heißt, von Tag eins an muss überlegt werden, wie die Veränderungen, die jetzt angestoßen werden, dauerhaft im Unternehmen weitergelebt werden. Und das geht nur, indem ich Mitarbeiter einbinde, die die Prozesse mitgestalten können und vor allen Dingen auch jemanden habe, der die Aufgaben im Anschluss sauber übernimmt. Interim Manager haben von Haus aus immer ein großes Interesse an einem Wissenstransfer. So eine Idealsituation finden Sie im laufenden Tagesgeschäft relativ selten.

Zur Person

Annette Elias ist Gründerin und Inhaberin der Firma Interim Profis. Das Unternehmen liefert mit Fokus auf dem produzierenden Mittelstand Interim Manager, die innerhalb von 48 Stunden beim Kunden vor Ort entweder das operative Tagesgeschäft oder verschiedenste Sonderprojekte übernehmen können. Nach 200 Projekttagen verlässt der Interim Manager das Unternehmen.

Annette Elias ist seit knapp fünf Jahren im Bereich der Interim-Management-Vermittlung tätig und findet es immer wieder sehr spannend in unterschiedliche Firmen und Projekte zu gehen. Persönlicher Kundenkontakt ist ihr besonders wichtig, um direkt beim Kunden vor Ort die Problematik zu erkennen und einen passgenauen - sowohl von der fachlichen als auch von den persönlichen Kompetenzen her - Manager in den Unternehmen platzieren zu können.

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