Modernes Büro, Bild: Pixabay.com

Die Digitalisierung hat unser Leben stark verändert - sowohl privat als auch beruflich. Wie sieht der Arbeitsplatz der Zukunft aus? Bild: Pixabay.com

Herr Molzen, in den Medien wird gerade viel über den Arbeitsplatz der Zukunft gesprochen. Wie sieht der Arbeitsplatz der Zukunft aus?

Es lässt sich schwer einschätzen, was in 20 Jahren passieren wird. Aber ich glaube, man muss gar nicht so weit schauen, um die ersten Schritte zu erkennen. Ein wesentlicher Punkt, der das Arbeiten in Zukunft verändern wird, ist das Thema Wireless.

Viele Kunden denken darüber nach, moderne Systeme wie zum Beispiel Shared Desks einzurichten. Das Problem ist aber, dass viele Mitarbeiter oft hier erstmal nicht mitziehen wollen. Diese haben ihren gewohnten Arbeitsplatz, vielleicht mit einem Bild der Familie - und auf einmal ist der Arbeitsplatz weg. Es ist wichtig, die richtige Schlüsseltechnik anzubieten, um die Endanwender mitzunehmen. Sozusagen ein positives Erlebnis schaffen, damit dieser Schritt in ein neues Arbeitsumfeld wie dem Shared Desk als gewinnbringend empfunden wird.

Zudem lassen sich durch solche Ansätze in puncto Fläche und Bürozubehör Kosten einsparen. Denn am Arbeitsplatz befindet sich sehr viel Zubehör, mit dem Geräte wie Notebooks, Tastatur und Bildschirm angeschlossen werden. Dieses fällt weg, wenn Wireless-Technologien zum Einsatz kommen.

Knutz Molzen, Bild: Fujitsu
Knuth Molzen, Senior Director Client Computing Devices Central Europe bei Fujitsu, Bild: Fujitsu

Wenn Arbeitgeber Bürofläche oder -material sparen wollen, dann wäre das Home Office doch auch eine Möglichkeit…

Das ist mit Sicherheit auch eine Lösung. Aber viele Firmen haben festgestellt, dass Home Office allein oft nicht ausreicht. Ihre Mitarbeiter brauchen die Nähe zum Unternehmen und den Austausch mit den Kollegen. Gerade junge Mitarbeiter wollen sich mit der Firma identifizieren und einen festen Anlaufpunkt haben. Das gibt vielen Menschen Orientierung im Leben.

Auch die Art, wie gearbeitet wird, ist im Büro flexibler: Mitarbeiter können in Gruppen zusammenarbeiten, sich Ruhe- oder Arbeitszonen aussuchen und finden überall die beste Unterstützung – ganz im Sinne der Ergonomie. Ein weiterer Grund, warum Mitarbeiter oft an den Arbeitsplatz gehen, ist, dass sie dort ein besseres Arbeitsempfinden haben als zu Hause. Deswegen wird es immer wichtiger, dass zukunftsorientierte Unternehmen insbesondere jungen Mitarbeitern verschiedene Technologien zum flexiblen Arbeiten zur Verfügung stellen.

Ein wichtiger Punkt ist auch die Work-Life-Balance. Beim flexiblen Arbeiten könnten aber auch die Grenzen verschwimmen, vor allem beim mobilen Arbeiten. Ist das ein Problem für die Zukunft?

Das ist teilweise schon zum Problem geworden. Es ist auch der Grund, warum die Art, wie Kommunikation geführt wird, sich bereits in vielen Unternehmen verändert hat: Die ersten Unternehmen in Deutschland sind dazu übergegangen, den Exchange ab 18 Uhr abzuschalten, sodass Mitarbeiter ab diesem Zeitpunkt keine E-Mails mehr empfangen können.

Am Ende des Tages ist jeder Mitarbeiter ein Stück weit eigenverantwortlich. Er muss selbst beurteilen, wie viel Leistung er bringen kann und möchte und wann er Ruhe braucht.

Der Vorteil des mobilen Arbeitens ist einfach, dass die Mitarbeiter sich Ruhephasen nehmen können, wenn sie diese brauchen.

Zum Beispiel, wenn Zeit für die Familie benötigt wird oder etwas erledigt werden muss.

Wie sieht es hier bei Fujitsu aus?

Bei uns ist es recht unterschiedlich. In Bereichen wie der Produktion ist Home Office natürlich nur schwer möglich. Prinzipiell versuchen wir bei Fujitsu, das Konzept des flexiblen Arbeitens in allen Bereichen zu leben. So können bei uns Meeting-Räume oder Schreibtische bequem online gebucht werden. Für Mitarbeiter, die viel im Büro sind, gibt es feste Arbeitsplätze. Und die, die viel unterwegs sind, können sich dementsprechende Home Zones einrichten, um von dort aus zu arbeiten.

Wichtig ist, dass mit der richtigen Arbeitsplatztechnologie das Arbeiten so angenehm wie möglich gestaltet wird. Das Büro ist nicht mehr grau in grau wie früher, sondern ein Ort der Inspiration, an dem Mitarbeiter viel Zeit verbringen.

Daher haben wir den ersten komplett kabellosen Arbeitsplatz der Welt entwickelt. Im Moment handelt es sich dabei noch um einen Prototypen. Aber aus unserer Sicht geht die Reise genau hier hin: Bei dieser Lösung können Anwender den Monitor ohne Strom- oder Datenkabel einfach auf den Schreibtisch stellen.

Genauso ist es bei Notebooks oder Tablets, die sich einfach mit dem Monitor verbinden lassen. Das ist sehr zukunftsorientiert. Den Prototyp haben wir zusammen mit dem Fraunhofer Institutes IAO entwickelt. Er nennt sich Office21.

Um unseren Kunden diesen Schritt zu ermöglichen, bieten wir Brückentechnologien an. Das ist natürlich vor allem eine Lösung für Mitarbeiter, die viel unterwegs sind. Es ist aber ein wichtiger Baustein, um am Ende Kosten zu reduzieren. Dadurch kann mehr Geld in Wachstum oder Digitalisierung investiert werden.

Eine aktuelle Studie von Gartner zu diesem Thema zeigt: Ungefähr 70 Prozent des kompletten Budgets geben Unternehmen für die klassische Infrastruktur aus; 20 Prozent für Wachstum und zehn Prozent für Innovation. Das ist im Moment wenig, gerade im Rahmen der Digitalisierung. Der CIO wird heutzutage mit ganz anderen Anforderungen konfrontiert als das noch vor ein paar Jahren der Fall war.

Dass sich Innovationen aber lohnen, zeigt sich im Fujitsu Werk in Augsburg: Dort haben wir nun den Schritt zu einer Smart Factory geschafft. Es befindet sich quasi kein einziges Blatt Papier mehr im Werk. Wenn man hochrechnet, wie viel Blatt Papier hier täglich verbraucht wurde, dann war das viel.

Mit diesem Beispiel möchten wir auch zeigen, dass wir uns mit unseren Lösungen stets darauf fokussieren, unseren Kunden zu helfen: auf der einen Seite, um das Arbeitsumfeld ergonomisch zu gestalten und auf der anderen Seite, um Kosten zu reduzieren. Hierzu sehen wir uns die einzelnen Arbeitsprofile an und schauen genau, wie die Mitarbeiter arbeiten. Wir betrachten zum Beispiel, welche Anwendungen sie nutzen, wie das Arbeitsschema ist und wie oft beziehungsweise wie lange sie an ihren Schreibtischen arbeiten.

Aber viele Unternehmen denken noch traditionell, dass ihre Mitarbeiter jeden Tag ins Unternehmen kommen müssen…

Es kommt ein starkes Umdenken, auch im Mittelstand und produzierenden Gewerbe. Wir haben beispielsweise einen sehr starken Automotive-Zulieferer-Bereich, in dem schon ein deutliches Umdenken zu spüren ist. Denn in der Diskussion um flexibles Arbeiten geht es auch um das Thema War for Talents, sprich darum, junge Mitarbeiter für die eigene Firma zu begeistern.

Wir haben viele Hidden Champions bei uns in Deutschland. Also Unternehmen, die Marktführer in einem Segment sind, die aber keiner kennt. Gerade ihnen geht es darum, neue Talente anzuwerben. Und das geht heutzutage ganz stark über flexible Arbeitsplatzgestaltung.

Mehr zu den Themen Digitale Transformation, Mitarbeitermotivation, Changeprozess und Arbeitsplatz finden Sie in unseren Rubriken Management und Karriere.

Tipps für die Führung 4.0 finden Sie außerdem in unserer Kolumne mit Schauspielerin und Business-Coach Amanda Pur.