Das heißt, dass Sie durch diesen Trend jetzt Kosten sparen können?

Helmut Roschiwal: Das stimmt nur teilweise. Denn Lizenzen sind das Eine, Ausbildung das Andere. Bei uns muss jeder Mitarbeiter mehrere CAD-Systeme beherrschen, und jetzt auch SAP. Schon dafür müssen wir für jedes gängige System Lizenzen vorhalten. Dann bringt ja jeder Hersteller jedes Jahr ein neues Release heraus. Deshalb haben wir ständig irgendwelche Schulungen. Sie können schon mal ein Jahr auslassen, aber spätestens im zweiten Jahr müssen Sie dann wieder eine Schulung machen – für jedes der eingesetzten Systeme. Da haben wir einen riesen Kostenfaktor. Denn der Kunde erwartet, dass unsere Leute in seinem System sattelfest sind.

Was hat sich sonst noch geändert in der Konstruktion?

Helmut Roschiwal: Die Entwicklungszeiten werden kürzer. Aber die werden immer schon kürzer, seit ich denken kann. Das heißt für uns, wir müssen sehr schnell reagieren, wenn eine Anfrage reinkommt. Die Kunden, wirklich, die rufen bei uns an und sagen, könnt ihr nächste Woche anfangen mit der Entwicklung? Das Hauptziel unserer Kunden ist, dass sie schneller liefern können.

Robert Merk: Außerdem wird der Berechnungsbereich immer wichtiger, das hat sich in den letzten Jahren schon abgezeichnet. Wir machen eigentlich für alle hochwertigeren Entwicklungen mittlerweile FEM-Berechnungen. Steifigkeitsberechnungen waren ja bisher schon Standard, das Neue ist jetzt, dass wir das Schwingungsverhalten mit untersuchen. Da sind auch Hard- und Software immer schneller, immer hochwertiger geworden, sodass man heute in ein paar Tagen das machen kann, wofür man früher drei, vier Wochen gebraucht hat. Bewegungssimulationen sind mittlerweile sehr gängig, und auch Robotersimulationen machen wir sehr viele.

Roboter?

Robert Merk: Klar, wir haben in der Automatisierungstechnik sehr viel mit Robotik zu tun. Die Kosten der Roboter sind ja wahnsinnig gesunken. Deshalb werden sie mittlerweile sehr stark eingesetzt im Maschinenbau. Wo man früher eine Drei-Achs-Einheit konstruiert hat, da setzt man heute gerne einen Roboter ein. Denn so ein Roboter, der kostet 25.000 Euro, dann baut man noch ein Greifer-System dran und ein bisschen Abschottung drum herum, schon ist man fertig. Und für den Preis ist eine neu konstruierte Drei-Achs-Einheit noch nicht fertig. Deshalb machen wir auch Robotersimulation.

Beeinflusst das Trendthema Industrie 4.0 auch Ihre Arbeit?

Helmut Roschiwal: Wir haben mittlerweile einige Kunden, auch mittelständische Firmen, die sich intensiv mit diesem Thema beschäftigen. Einige haben sogar spezielle Mitarbeiter abgestellt, die sich nur mit dem Thema Industrie 4.0 befassen. Aber ich denke, auch viele unserer Kunden wissen selber noch nicht, wo das Thema hinlaufen wird. Letzten Endes ist es in erster Linie eine Steuerungsfrage, eine Software-Frage, eine Elektronikfrage. Natürlich kann das unter Umständen auch Auswirkungen haben auf die Mechanik. Die sind aber im Moment noch nicht zu spüren. Was wir sehr wohl schon spüren, ist der Trend zu verketteten Anlagen. Aber das machen wir auch schon länger, insofern haben wir bislang keinen Umbruch in der Konstruktion durch Industrie 4.0.

Bekommen Sie denn als mittelständisches Unternehmen genügend Fachkräfte-Nachwuchs?

Helmut Roschiwal: Ja, vorwiegend von der FH Augsburg. Wobei wir gerade bei Absolventen immer wieder feststellen, dass die Nummer eins als Arbeitgeber Porsche, BMW, Audi und so weiter sind. Was die jungen Leute nicht wissen, ist, dass, wenn sie zu einem großen Automobilisten gehen, sie dann Spezialisten werden. Dann konstruiert einer, überspitzt gesagt, fünf, sechs, acht Jahre lang Aschenbecher. Dann ist er natürlich hervorragend in der Aschenbecherkonstruktion, aber sonst ist die Geschichte für ihn gelaufen. Unsere Mitarbeiter hingegen müssen unglaublich flexibel sein.

Wie können Ihre älteren Mitarbeiter bei all den Veränderungen Schritt halten?

Robert Merk: Wir haben ja überwiegend langjährige Mitarbeiter. Und mit der Zeit lernt man seine Leute kennen. Jeder Mitarbeiter hat Stärken und Schwächen, wie jeder Mensch. Und wir versuchen die Leute entsprechend ihrer Stärken und Schwächen einzusetzen. Wir haben zum Beispiel Mitarbeiter, ältere Mitarbeiter, die sind ungeheuer flexibel. Mit denen kannst du Konzeptphasen machen, die sind kreativ. Andere wiederum sind weniger kreativ, dafür aber sehr penibel und detailgenau. Junge Leute sind vielleicht flexibler, was neue Software-Tools angeht, denen fehlt halt dann das Know-how. So versuchen wir das entsprechend zu steuern, und in der Mischung klappt das hervorragend.

Neue gesetzliche Regelung seit April 2017

Das Arbeitnehmerüberlassungsgesetz (AÜG)

Für Ingenieurdienstleister, die ihre Fachleute beim Kunden arbeiten lassen, sie also verleihen, und deren Kunden gibt es eine relevante Gesetzesänderung: Seit dem 1. April 2017 gilt eine Überlassungshöchstdauer für Leiharbeiter von 18 Monaten. Danach müssen diese entweder fest angestellt oder durch einen anderen Arbeitnehmer ersetzt werden. So soll eine missbräuchliche Arbeitnehmerüberlassung als Dauerzustand verhindert werden. Auf noch laufende Fremdpersonaleinsätze hat die Überlassungshöchstdauer allerdings keinen Einfluss. Diese werden bei der Berechnung der Überlassungshöchstdauer nicht berücksichtigt.

Auch bei der Bezahlung gibt es eine Änderung: Nach neun Monaten steht den Leiharbeitern derselbe Lohn zu wie der restlichen Stammbelegschaft. Arbeitgeberverbände und Gewerkschaften können jedoch abweichende Vereinbarungen treffen, wenn ein Tarifvertrag existiert. Eine Ausnahme von der Neun-Monats-Frist gilt etwa, wenn der Arbeitgeber bereits ab der sechsten Beschäftigungswoche einen ansteigenden Branchenzuschlag zum Tariflohn in der Zeitarbeit zahlt. Dann können Unternehmen die Angleichung des Lohns auf 15 Monate strecken. Zudem dürfen Leiharbeiter nicht als Streikbrecher eingesetzt werden. Allerdings dürfen sie in einem bestreikten Betrieb arbeiten, wenn sie keine Tätigkeit streikender Beschäftigter ausführen.