Dachabdeckung, Bild: Arno Arnold

Im Betrieb ist die Dachabdeckung geschlossen. Der vordere Endrahmen ist seitlich fixiert. Nach der Entriegelung kann er nach hinten verfahren werden. Bild: Arno Arnold

Wenn ein Unternehmen im Erzgebirge gegründet wird, liegt die Vermutung nahe, dass es etwas mit dem Bergbau zu tun hat. Das gilt im Grunde auch für die Firma Arnold, die sich genau dort vor über 150 Jahren mit der Herstellung von Ziehharmonikas, dem so genannten „Bergmannsklavier“, einen Namen gemacht hatte. Unter dem Markennamen AA-Bandoneon eroberten die Arnold-Instrumente später vor allem die Tango-Musikwelt. Doch die verwendete Technologie ließ sich auch anders einsetzen: Als der Firmenchef Arno Arnold 1930 den Kastenfaltenbalg des Musikinstruments in der Mitte durchschnitt und auf Gleitbahnen in Werkzeugmaschinen montierte, war die moderne Schutzabdeckung geboren. Die Herstellung von Musikinstrumenten gab Günter Weinmann 1971 auf und konzentrierte sich voll und ganz auf Industrieanwendungen.

Eleganter Schutz für Maschinen

Heute bietet das Unternehmen aus Obertshausen nahe Offenbach am Main Schutzabdeckungen für Maschinen und Bearbeitungszentren, aber zum Beispiel auch für medizinische Apparate. Das Produktportfolio beginnt bei klassischen Faltenbälgen, geht über Faltenbälge mit Blechen über Rollbandabdeckungen und Komplettabdeckungen bis hin zu WBM-Spiralen und Gliederschürzen.

Eine Besonderheit der Arno-Arnold-Produkte ist dabei ein Fokus auf Ästhetik und kreative Gestaltung der Schutzabdeckungen. „Die Maschinen werden nicht nur schneller und effizienter, sie werden auch schöner“, erklärt Firmenchefin Simone Weinmann-Mang, die das Familienunternehmen in fünfter Generation zusammen mit ihrem Mann leitet. „Entsprechend achten wir darauf, dass unsere Abdeckungen neben der Schutzfunktion auch das Design der Maschinen unterstützen. Wenn das zum Beispiel insgesamt eher rund ist, nehmen wir das beim Design der Schutzabdeckungen wieder auf.“ Die Hauptaufgabe, so Weinmann-Mang, sei aber der zuverlässige Schutz sensibler Maschinenteile und der Umgebung vor Schmutz, Spänen oder Kühlschmiermitteln. Zudem würden auch Menschen vor Verletzungen an Klemmstellen geschützt, etwa an Hebebühnen oder Patientenliegen.

Seit jeher Innovation

Elegano, Bild: Arno Arnold
Elegano besticht mit einem sehr geringen Lmin und seiner Leichtbauweise, die im Vergleich zu konventionellen Systemen eine Gewichtseinsparung von bis zu 40 Prozent ermöglicht. Das spart Energie. Bild: Arno Arnold

Schon 1930 ließ sich Arnold seine Schutzabdeckung patentieren, eine Innovationsfreude, die bis heute anhält. Über 35 Patente, Gebrauchsmuster und Schutzrechte hat das Unternehmen in den vergangenen 15 Jahren angemeldet. Ein aktuelles Beispiel ist das neuartige Prinzip Strapano in einer gewinkelten Abdeckung. Durch einen sehr geringen Platzverbrauch (Lmin) bietet diese Abdeckung dem Maschinenkonstrukteur neue Möglichkeiten.

Neben ansprechender Optik und zuverlässigem Schutz bieten die Systeme von Arno Arnold auch ein besonders gutes Verhältnis zwischen minimalem und maximalem Auszug, was sich vor allem bei den Blechausführungen bemerkbar macht: Durch sauber verarbeitete, lasergeschnittene und sehr dünne Bleche schaffen es die Obertshausener beispielsweise, eine im Maximalauszug zehn Meter lange Schutzabdeckung auf 200 Millimeter zusammenzuschieben. Ein geringes Eigengewicht ist hier ein positiver Nebeneffekt.

Materialkombinationen, Bild: Arno Arnold
Für jeden Einsatz das richtige Material: Eigene Werkstoffentwicklungen mit entsprechend freigegebenen Mischungen und Materialkombinationen ermöglicht es, fast jeder technischen Anforderung gerecht zu werden. Bild: Arno Arnold

Wichtig dabei: alle Systeme werden speziell auf die jeweilige Kundenanwendung zugeschnitten, sowohl von der Form, als auch bezüglich der Materialauswahl. „Wir haben ein eigenes Technologiezentrum, wo wir Grundlagenforschung betreiben bezüglich Werkstoffen und Materialaufbau. Das betrifft nicht nur das gefaltete Material, sondern auch Stahlteile und Verbindungselemente“, betont die Firmenchefin. „Dort betreiben wir auch eigene Prüfanlagen, in denen wir in Dauertests und Simulationen testen können, ob ein Material die Erwartungen erfüllt.“ Der Phantasie sind hier kaum Grenzen gesetzt, egal, ob selbstverlöschendes Material für Laseranwendungen, flüssigkeitsdicht oder auch mit transparenten Folien – falls mal mehr Licht im Arbeitsraum nötig ist.

Generell sieht Arno Arnold seine Stärken darin, als Entwicklungspartner seiner Kunden aufzutreten und auch jene Abdeckungssysteme zu entwickeln, die bei den Herstellern einfacherer Systeme als unmöglich gelten. „Einfach und billig kann jeder“, erklärt Simone Weinmann-Mang die Firmenphilosophie. „Unser Markt sind Qualitätsmaschinen, bei denen die Bleche auch nach jahrelangem Dauereinsatz noch gerade stehen und sauber schließen sollen. Dass Dichtigkeit und Abstreifwirkung trotz langer Verfahrwege und schwieriger Einbaulage über Jahre konstant bleiben, ist unsere besondere Kompetenz.“

Mehr Flexibilität für die Automatisierung

Noch vor wenigen Jahren waren Schutzabdeckungen im Dachbereich eher die Ausnahme. Die ständig fortschreitende Entwicklung der Arbeitsprozesse ermöglicht heute aber die Fertigung komplexer Bauteile innerhalb eines Bearbeitungsschrittes, etwa durch Mehrachsbearbeitung oder Dreh-Fräskombinationen. Daraus resultiert die Notwendigkeit der kompletten Einhausung der Maschine mitsamt dem Dachbereich. Das kann teils mit feststehenden Blechen, teils mit längenvariablen Schutzabdeckungen erfolgen. Eine Verschmutzung der Werkhalle wird so vermieden, der Bediener geschützt.

Auf der anderen Seite laufen heute viele Funktionen in der Produktion halb- oder vollautomatisch ab, die Maschinen arbeiten vernetzt. Dadurch sind Werkzeugmaschinen und Bearbeitungszentren je nach Bauweise auch auf den Zugriff von oben angewiesen, etwa wenn es darum geht, das Werkstück zu wechseln oder wenn eine Roboterbestückung gewünscht wird. Bei großen und schweren Werkstücken müssen oft unterschiedliche Handlingsgeräte bis hin zu Kransystemen eingesetzt werden, und auch diese verlangen eine wenigstens teilweise Öffnung nach oben. Um diesen augenscheinlichen Widerspruch zwischen zuverlässiger Dachabdeckung und Kranbeladung zu lösen, hat Arno Arnold ein umfangreiches Baukastensystem entwickelt, mit dem sich vielfältige Lösungen auf die Kundenapplikation anpassen lassen. Interessant im Portfolio ist eine halbautomatische Variante. Über einen dual wirkenden, robusten Mechanismus kann die Abdeckung einer Achse entriegelt und geöffnet werden. Durch die mechanische Verbindung des Fahrständers in der vorderen Endlage mit der Dachabdeckung nimmt dieser bei der Fahrt in die hintere Endlage die komprimierte Schutzabdeckung für den Dachbereich mit. Somit wird der Zugang zum Arbeitsraum der Maschine von oben und vorne frei zugänglich. Falls die manuelle Öffnung nicht möglich ist, etwa weil das Dach der Maschine so hoch ist, dass der Bediener den Balg nicht ohne Hilfsmittel nach hinten schieben kann, hat Arno Arnold auch eine teilautomatisiert Lösung im Programm.

Der Besuch im Video (Quelle: ke NEXT TV)