Eröffnung der 19. IFF-Wissenschaftstage, Bild: Fraunhofer IFF, Viktoria Kühne

Professor Michael Schenk zur Eröffnung der 19. IFF-Wissenschaftstage: "Die Wirtschaft steht mit Einzug der Industrie 4.0 vor einem grundliegenden Pradigmenwechsel." Bild: Fraunhofer IFF, Viktoria Kühne

Mit zwei Fachtagungen "Magdeburger Logistiktage" und "Anlagenbau der Zukunft" widmeten sich die 19. IFF-Wissenschaftstage des Fraunhofer-Instituts für Fabrikbetrieb und -automatisierung IFF der Digitalisierung in Produktion und Logistik. Im Mittelpunkt des Kongresses standen die Folgen der Digitalisierung der Wirtschaft für den Maschinen- und Anlagenbau, die Prozessindustrie und die Logistikbranche. Vorgestellt wurden nicht nur neue Lösungen und Technologien für die Industrie 4.0. Insbesondere der Umgang mit der Digitalisierung, ihren Chancen und Möglichkeiten, die sie für die Unternehmen bietet, wurde zentral diskutiert.

Experten aus Wirtschaft und Forschung, Bild: Fraunhofer IFF, Viktoria Kühne
Hunderte Experten aus Wirtschaft und Forschung diskutierten über die Digitalisierung der Wirtschaft und ihre Folgen für Produktion und Logistik. Bild: Fraunhofer IFF, Viktoria Kühne

"Die Wirtschaft steht mit Einzug der Industrie 4.0 vor einem grundlegenden Paradigmenwechsel", fasst Professor Michael Schenk, Leiter des Fraunhofer IFF in Magdeburg, auf der Tagung zusammen. "Die durchgängige Digitalisierung sämtlicher Prozesse wird zwangsläufig ganz neue Geschäftsmodelle hervorbringen. Hersteller werden zu Dienstleistern und Kunden zu Datenproduzenten."

Beispiele für diese Entwicklung finden sich bereits bei vielen der derzeit weltweit größten börsennotierten Unternehmen wie Google, Apple, Amazon, Facebook oder Microsoft. Die Digital-Pioniere machen es vor, wie sich mit Daten der Kunden Geld verdienen lässt. Die Digitalisierung und umfassende Vernetzung der Unternehmen, Produktionssysteme und Produkte im Zuge der Industrie 4.0 erlauben es, Erfolgsrezepte der Internetkonzerne auf die produzierende Wirtschaft zu übertragen. Statt des einmaligen Verkaufs eines Produkts beobachten die Forscher des Fraunhofer IFF bereits jetzt den Trend hin zu einem "pay per use". So würden beispielsweise Industrieunternehmen ihre Produkte künftig eher vermieten und sich nur die tatsächliche Nutzung bezahlen lassen.

Der Mehrwert für den Kunden liegt bei der Kosten- und Risikoreduzierung. Die Anbieter wiederum würden von den erhobenen Betriebsdaten der vernetzten Produkte profitieren. Sie erhalten unter anderem für ihre Geschäftsentwicklung wertvolle Marktinformationen und können Serviceintervalle und die Qualität ihrer Produkte optimieren.

Industrie 4.0 auch Kostenfrage für KMU

19. IFF-Wissenschaftstage, Bild: Fraunhofer IFF, Viktoria Kühne
19. IFF-Wissenschaftstage des Fraunhofer IFF in Magdeburg. Bild: Fraunhofer IFF, Viktoria Kühne

Als weiterer Diskussionspunkt kristallisiert sich der Spagat zwischen Wirtschaftlichkeit und Innovationsdruck für kleine und mittlere Unternehmen im Zuge der Umstellung auf die Industrie 4.0 heraus. Die Hürde, die viele Unternehmen bei der Einführung von Technologien für die digitalisierte, vernetzte Produktion überwinden müssen, ist zum Teil hoch. Zwar können produzierende Unternehmen bei erfolgreicher Digitalisierung der Logistik- und Produktionsprozesse signifikant Kosten sparen. Institute und Forschungsdienstleister wie das Fraunhofer IFF unterstützen sie zudem bei ihren diesbezüglichen Vorhaben.

Doch die bis dahin notwendigen Investitionen sind in der Summe oft hoch, auch fehlt es vielen Betrieben an dem benötigten Know-how. Damit sei auch die Politik gefordert, sich im Sinne der Erhaltung des Produktionsstandorts Deutschland noch mehr zu engagieren, beispielsweise über der Förderung des Know-how- und Technologietransfers von der Forschung in die kleinen und mittleren Unternehmen, so ein weiteres Fazit der Tagung.

Die IFF-Wissenschaftstage in Magdeburg sind seit nunmehr 19 Jahren ein Forum für nationale und internationale Experten aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik. Die mehrtägige Konferenz verbindet jährlich wechselnde Fachtagungen zu den Themen Digital Engineering, Logistik, Robotik und Maschinen- und Anlagenbau.