In Hamburg kann der Flugzeugbau auf eine lange Tradition zurückblicken. Auf der einstigen Elbinsel

In Hamburg kann der Flugzeugbau auf eine lange Tradition zurückblicken. Auf der einstigen Elbinsel Finkenwerder werden schon seit über 70 Jahren Flugzeuge gebaut – heutzutage sind es die Single-Aisle-Flugzeuge Airbus A321, A319, A318 sowie das Großraumflugzeug A380, die hier teilmontiert und ausgestattet werden, um dann ausgeliefert zu werden. Hier erfolgt die Rumpfmontage aller Airbus-Flugzeuge und deren komplette Ausrüstung sowie die Innenausstattung von A320, A300 und A310. Quelle: www.eads.com - Bild: Airbus

Die Redaktion der ke NEXT führt Sie zu den Reisezielen in Deutschland, bei denen ein Blick hinter die Kulissen möglich ist. An die Orte, an denen Sie sehen können, wie die Dinge entstehen, die uns in unserem Alltag umgeben. Diesmal zeigen wir Ihnen, wo Sie hautnah beim Bau eines Flugzeugs dabei sein können.

So ganz gelingt es einem doch nie, Abstand von der Arbeit zu gewinnen. Das Blackberry ist abgeschaltet, dem iPad wurde das automatische Abrufen von E-Mails unterbunden, und man sitzt in fast zehn Kilometern Höhe im Flieger, der einen im Idealfall an einen weißen Traumstrand befördert – oder je nach Vorliebe natürlich auch in die Berge. Und dennoch: So schnell entlässt die Arbeit einen Ingenieur nicht aus ihren Fängen in die Freiheit.

Bild: Guido Vrola - Fotolia

Tausende Tonnen Stahl erheben sich in den Himmel. Aber wie entsteht solch ein technisches Meisterwerk, das uns in den Urlaub fliegen soll? Bild: Guido Vrola – Fotolia

Die Szenerie scheint trivial, aber ist das Flugzeug, in dem Sie gerade sitzen nicht ein Wunderwerk moderner Technologie, für das Sie selber oder die findigen Konstrukteurskollegen vielleicht selbst Sensoren und modernste Antriebstechnik entwickelt haben? Hand aufs Herz: Wollten Sie nicht eigentlich schon seit Ihrer Kindheit wissen, wie die Giganten der Lüfte tatsächlich gebaut werden?

Flugzeugbau

In Hamburg kann der Flugzeugbau auf eine lange Tradition zurückblicken. Auf der einstigen Elbinsel Finkenwerder werden schon seit über 70 Jahren Flugzeuge gebaut – heutzutage sind es die Single-Aisle-Flugzeuge Airbus A321, A319, A318 sowie das Großraumflugzeug A380, die hier teilmontiert und ausgestattet werden, um dann ausgeliefert zu werden. Hier erfolgt die Rumpfmontage aller Airbus-Flugzeuge und deren komplette Ausrüstung sowie die Innenausstattung von A320, A300 und A310. Quelle: www.eads.com – Bild: Airbus

Also warum nicht einmal das Nützliche mit dem Schönen verbinden und sich etwas genauer mit dem Bau eines Jumbo-Jets beschäftigen? Hier tut sich nämlich Einiges, und die Projekte in diesem Bereich muten gar futuristisch an. Wenn man sich ein wenig im Umfeld des Flugzeugbaus umschaut, stößt man schnell auf die Idee, dass dort bald die Roboter Einzug halten sollen. Das Faunhofer Institut hat unlängst verlauten lassen, dass an der Produktion von Flugzeugteilen in naher Zukunft nicht mehr nur Menschen, sondern auch automatisierte, mobil und autonom handelnde Helferlein beteiligt sein sollen.

Wissen für Zwischendurch

Die Väter von Airbus
Roger Béteille „Mr. Airbus“
Der französische Ingenieur kam 1967 als Technischer Leiter des A300-Programms zu Airbus. Zu einer Zeit, als die Amerikas 80 Prozent des Weltmarktes im Bereich der Luftfahrt beherrschten, war er davon überzeugt, dass Airbus neue Technologie-Standards setzen wird. Viele Erfolge des Unternehmens werden auf ihn zurückgeführt, woraufhin die Endfertigungshalle des Unternehmens nach ihm benannt worden ist.

Henri Ziegler
Der französische Ingenieur und Testpilot war neben Roger Béteille und Felix Kracht ebenfalls einer der Gründungsväter von Airbus Industries und der erste CEO der Firma. In einer Rede zur Einweihung eines neuen Auslieferzentrums von Airbus in Toulouse 2006, das Zieglers Namen trägt, erklärte der damalige CEO Gustav Humbert „Es gäbe keine Firma Airbus ohne Henri Ziegler“.

Felix Kracht
Der Deutsche im Väter-Trio von Airbus Industries, war Ingenieur und Pilot. Des Weiteren kann man den ehemaligen Technischen Leiter und Produktionsdirektor des Unternehmens auch als Luftfahrtpionier bezeichnen. Ihm gelang 1937 erstmals eine komplette Alpenüberquerung in einem selbst konstruierten Segelflugzeug.

Schon bald sollen neue mobile Roboter entwickelt werden, die schließlich direkt in die Herstellungsprozesse von Flugzeug-Komponenten integriert werden können. Das Besondere daran: Die Roboter sollen autonom und ohne trennende Schutzräume Seite an Seite mit Menschen agieren. Wie das möglichst schnell umgesetzt werden kann, erforscht unter dem Projektnamen Valeri (Validation of Advanced Collaborative Robotics for Industrial Applications) ein Konsortium aus europäischen Forschungs- und Industriepartnern.

Kompass

Bild: Oleksiy Mark - Fotolia.com

Bild: Oleksiy Mark – Fotolia.com

Hamburg: Eine Werksbesichtigung bei Airbus
Airbus beliefert immer mehr Airlines mit seinem Flaggschiff für Langstrecken, dem A380. Die Endmontage des Superjumbos findet in Hamburg-Finkenwerder statt, und während einer Werksbesichtigung können Sie sich die Produktion von heute aus nächster Nähe anschauen. Vielleicht schwebt Ihnen schon die eine oder andere Idee vor, wie man autonome Roboter noch schneller und besser in den Produktionsprozess einbinden kann.

Ort: Airbus Werk Hamburg-Finkenwerder, Airbus Deutschland
(Kreetslag 10, 21129 Hamburg).
Dauer: 2,5 Stunden.
Preise: 14 Euro pro Person, ermäßigt 11 Euro; exklusive Führungen (inklusive A 380): 280 Euro bis maximal 20 Personen.
Buchung: eine Buchung ist erforderlich und bei Globetrotter Tours möglich.
Weitere Informationen:
Die Werksführungen werden ausschließlich von Globetrotter Tours organisiert und abgewickelt.
Eine Kombi-Tour mit A380 ist nur für exklusiv gebuchte Gruppen mit einem über den Veranstalter angemieteten Bus oder einem eigenen Bus möglich.

Wie die Flugzeuge, die uns in unseren wohlverdienten Urlaub transportieren sollen, heute hergestellt werden – sozusagen auf althergebrachte Art und Weise – kann man bei einer Führung durch das Airbus-Werk Hamburg-Finkenwerder sehen. Hier gibt es stationär eingesetzte Roboter, die in Fertigungszellen ihren Aufgaben nachgehen. Ein Bild, das wir – wenn die Vision von Valeri Realität wird – bald unter „das können wir mal unseren Enkeln erzählen“ abspeichern können.

Von Julia Lansen
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Julia Lansen
Redaktion, ke NEXT

Für die Themen Greentech, Pneumatik, Antriebs- und Elektrotechnik zuständig. Studium der Romanistik in Bonn und Rom sowie Europastudien in Aachen mit einem Zwischenstopp im Herzen der europäischen Politik in Brüssel. Im Berufsleben fasziniert von neuen Trends in der Industrie, privat leidenschaftliche Skifahrerin und Filmeguckerin.

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