Die Hauptnutzer eines CD-Styleguides sind Designer oder Mediengestalter – also ein Regelwerk von Gestaltern für Gestalter. Die verwendete Sprache und Terminologie wird somit verstanden. Die Hauptnutzer eines HMI-Styleguides hingegen sind Software-Entwickler. Diese haben in den meisten Fällen keinen Gestaltungshintergrund und messen Design oft einen geringen Stellenwert bei.

Fragender Entwickler,
Nicht jede Design-Spezifikation erschließt sich dem Entwickler direkt. (Bild: Centigrade)

Ein Software-Entwickler zieht daher auch keinen Gewinn daraus, wenn ihm eine Design-Richtlinie in opulenter Prosa erläutert wird. Aber auch eine etwas visuellere Form des Designs als Photoshop- oder Illustrator-Datei ist nur von begrenztem Nutzen, besitzen die meisten Ingenieure oft weder entsprechende Software-Lizenzen noch die Ausbildung, um die notwendigen Informationen effektiv herauslesen zu können. Somit müssen Softwareingenieure von HMI-Styleguides grundsätzlich anders abgeholt werden.

Das Ziel vor Augen – aber jeder ein anderes

Das größte und folgenschwerste Missverständnis bei der intuitiven, aber falschen Analogie von CD-Styleguide und HMI-Styleguide resultiert aber aus einem verborgenen Zielkonflikt. Bei einem CD-Styleguide ist das Ziel klar erkennbar und jeder kann sich damit identifizieren: durch Konsistenz im visuellen Auftritt erhöht sich die Wiedererkennbarkeit des Unternehmens. Bei einem HMI-Styleguide ist das Ziel vordergründig sehr ähnlich – bohrt man jedoch tiefer, ist es in Wirklichkeit ein anderes. Schlimmer noch: es handelt sich nicht um ein, sondern gleich um mehrere Ziele, die im Entwicklungsteam variieren und teilweise konfligieren.

  • Der Software-Entwickler hat bei der Entwicklung eines HMI-Styleguides vor allem die Hoffnung, dass seine Implementierung effizienter und wartbarer wird. Denn wenn für gleiche Probleme auch gleiche Bausteine verwendet werden können, produziert man keine unnötigen Code-Dopplungen.
  • Der (visuelle) Designer erwartet von einem HMI- Styleguide, dass hierdurch alle Masken elegant, konsistent und ästhetisch sind und kein vordergründig sichtbarer Qualitätsunterschied gegenüber den eigens gestalteten Masken existiert. Der Interaktionsdesigner erwartet zusätzlich, dass diese Masken auch auf den zweiten Blick noch ergonomisch sind.
  • Der Produkt Manager erwartet von dem HMI-Styleguide, dass sein Entwicklerteam trotz möglichst weniger Design-Rückfragen benutzerfreundliche Masken eigenständig implementieren kann.

Doch letztlich kommt in Wirklichkeit meist kein einziger dieser Personen auf seine Kosten. Der Software-Entwickler kodiert schon zum wiederholten Male ähnlichen, aber eben doch anderen HMI-Code. Der visuelle Designer ärgert sich darüber, dass nicht einmal der basale Grundstock von Icons konsistent verwendet wird. Der Produktmanager hat das Gefühl, die Entwickler werden nicht ausreichend unterstützt, und der Interaktionsdesigner ist unangenehm überrascht darüber, dass die Bediener berichten: „Das neue Interface ist zwar moderner und aufgeräumter, aber es geht an den eigentlichen Arbeitsabläufen vorbei.“

Unterschiedliche Erwartungen,
In einem interdisziplinären Team driften die Erwartungen an einen HMI Styleguide oft auseinander. (Bild: Centigrade)

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