Alles andere als niedlich: ein Kreativitätsvampir. Bild: wenchiawang / Fotolia.com

Alles andere als niedlich: ein Kreativitätsvampir. Bild: wenchiawang / Fotolia.com

Kreativitätsvampir ist der Sammelbegriff für kreativitätshemmende Faktoren, die so manches schwungvolle Vorhaben zum Scheitern bringen. Dabei sind Kreativitätsvampire im Sinne von Ideenkillern allerdings nicht gleichzusetzen mit Personen, die sich negativ auf Kreativität auswirken, sondern es handelt sich um einflussnehmende Größen, die sich im eigenen Verhalten manifestieren. Kreativitätsvampire haben sich in allen Branchen und Lebensbereichen angesiedelt und oft gelingt es ihnen, Kreativität im Keim zu ersticken und damit jede Entwicklung und jeden Fortschritt zu sabotieren. Daher ist es ratsam, die Kreativitätsvampire im eigenen Umfeld zu erkennen und abzuwehren. In dieser Beitragsreihe lernen Sie verschiedene Kreativitätsvampire kennen. Die Diagnose beginnt mit der Beobachtung, wie es ihnen gelingt, sich festzubeißen. Die im Kindesalter noch vorhandene Ur-Kreativität nimmt im Laufe des Lebens ab, wenn sie nicht regelmäßig gepflegt und trainiert wird. Meist findet dieser Prozess schleichend, kaum wahrnehmbar statt. Wenn dann noch Kreativitätsvampire angreifen, befindet man sich plötzlich in folgendem Szenario:

 

Symptome: Daran erkennt man eine Attacke durch Kreativitätsvampire

  • Man hat sich gedanklich festgefahren, ist in bestimmten Denk- und Verhaltensmustern gefangen.
  • Man glaubt nur noch an die Existenz einer einzigen Wirklichkeit, die oft eine Entweder-Oder-Polarität darstellt.
  • Man denkt in stark vereinfachenden „Wenn-dann“-Kausalitätsketten.
  • Man steckt in Ziel- und Interessenkonflikten und es fällt einem schwer, diese aufzulösen,
  • Man weiß nicht mehr, welche Richtung einzuschlagen ist und welches Ziel Vorrang hat.
  • Dadurch fühlt man sich gedanklich gelähmt und antriebslos.
  • Man findet keine Lösungen mehr für die zu bewältigenden Aufgabenstellungen.

Profil des Kreativitätsvampirs Expertentum

Ingrid Ute Ehlers unterstützt seit über 20 Jahren im Innovationsprozess. Bild: Alexander Paul
Ingrid Ute Ehlers unterstützt seit über 20 Jahren im Innovationsprozess. Bild: Alexander Paul Englert

Je ausgeprägter der Wissensstand ist, umso eher werden zu ergründende Phänomene mit bewährten Denk- und Erklärungsmustern, die man sich in seinem Fachgebiet angeeignet hat, betrachtet. Durch diese Wissenslandkarte entstehen bestimmte Sichtweisen und Blickwinkel, zuweilen gerät man so gar unbewusst in zu enge Interpretationsbereiche. Wenn sich dann automatisierte Betrachtungsmöglichkeiten einschleichen, erscheinen einem bestimmte Sachverhalte als unumstößlich. Das Bewegen innerhalb des Spezialwissens führt häufig dazu, dass der bereichernde Perspektivwechsel zwischen Detailanalyse und der ganzheitlichen Betrachtung sich auf eine immer tiefer gehende Spezialanalyse fokussiert.

Eine andere Ausprägung des verkürzten Expertenblickwinkels besteht in der potentiellen Tendenz, die angewandten Methoden, Techniken und Erklärungsmuster gar nicht mehr zu hinterfragen. Oft ist es ein langer und steiniger Weg, bis man sich den Status eines Experten erarbeitet hat. Dieses Terrain verlässt niemand gerne und schon gar nicht freiwillig. Hinzu kommen oft fehlende Anlässe, bestehendes Wissen und bereits Erforschtes erneut in Frage zu stellen, wenn man bereits auf hohem Niveau angelangt ist. Damit erweist sich ein stark ausgeprägtes Vertrauen in erworbenes Fachwissen paradoxerweise als Fortschrittshemmnis und stellt einen gefährlichen Kreativitätsvampir dar. Provokant formuliert könnte man auch sagen „Wissen verhindert Fortschritt“.