Vorausschau: Das CNC-Programm veranschaulicht in der 3D-Simulation, in welchen Schritten die CNC-Maschine das kundenspezifische Gehäuse fertigen wird und

Auf dem Weg zum kundenspezifischen Teil: Das CNC-Programm veranschaulicht in der 3D-Simulation, in welchen Schritten die CNC-Maschine das kundenspezifische Gehäuse fertigen wird. Bild: A. Unger, ke NEXT

Es riecht nach Öl in der Halle. Mehrere CNC-Maschinen mit Spindel und Gegenspindel fräsen, drehen, bohren und schleifen mit beeindruckender Geschwindigkeit, sodass sich die Augen beim Blick durch das Fenster Mühe geben müssen, um zwischen den Kühlwasserfontänen die einzelnen Arbeitsschritte zu verfolgen. Schließlich spucken die Maschinen Gabelköpfe oder Kugelpfannen auf das jeweilige Transportband aus, die anschließend in die Waschanlage kommen, um restliches Öl zu entfernen. Wir sind beim Unternehmen mbo Oßwald, gut 50 Kilometer von Würzburg entfernt, im idyllischen Main-Tauber-Kreis. Hier, mitten auf dem Dorf, entstehen mehr als 12.000 verschiedene Standard- und DIN-Teile wie Bolzen, Gelenkköpfe, Gabelgelenke, Winkelgelenke. Aber weil die Konstrukteure ihre Maschinen immer individueller anpassen müssen, fertigen die Mitarbeiter zu etwa 30 Prozent spezielle Wunschteile.

Auf die Machbarkeit prüfen

Und das funktioniert so: Täglich trudeln bei Maschinenbaumeister Jürgen Schüssler die Anfragen ein, die seine Kollegen von der Angebotsabteilung weder zu- noch absagen können. Er muss dann prüfen, ob die Maschinen über die notwendigen Bearbeitungsgänge verfügen, um diese Teile zu fertigen. Dazu schaut er sich die übermittelten technischen Zeichnungen an, die manchmal auch nur aus Handskizzen bestehen: Länge, Durchmesser, aber auch Details wie beispielsweise gewünschte Schrägen. Manchmal können die Maschinen diese gar nicht fertigen, etwa, weil das Werkzeug für eine Schräge einen Radius brauchte. Schüssler muss in solchen Fällen praktisch entscheiden, ob seine Kollegen die Fertigung übernehmen können oder nicht oder zumindest nicht genau so, wie sich der Kunde das vorstellt. Wenn ihm etwas nicht ganz stimmig vorkommt, greift er zum Telefon und klärt, ob das Teil wirklich so aussehen soll. Manchmal geht es auch nur darum, dem Konstrukteur eine kostengünstigere oder für den Maschinenpark geeignetere Alternative vorzuschlagen.

Jürgen Schüssler arbeitet als Maschinenbaumeister bei mbo Oßwald, Bild: A. Unger, ke NEXT

„Der Sonderteilbereich hat bei uns in den letzten Jahren stark zugenommen. Zwar haben die Konstrukteure den Anspruch, immer ein Standardteil zu verwenden, aber häufig bringt dieses nicht das mit, was das Teil für den konkreten Anwendungsfall können muss. Ich denke, dies wird auch weiterhin zunehmen – trotz unserer insgesamt 12.000 Standardteile.“

Jürgen Schüssler, mbo Oßwald

Software hilft bei der Kalkulation

Neben der technischen Machbarkeit muss Schüssler aber auch klären, ob er die richtigen Werkzeuge, Prüfmittel und das Rohmaterial im Haus hat oder was dieses kostet und wann es lieferbar ist. Und schließlich muss er kalkulieren, was den Konstrukteur die gewünschte Losgröße kostet. Dazu laufen alle ermittelten Faktoren durch eine Kalkulationssoftware, die am Ende den Set-Kostenpreis ausgibt, aus dem die Mitarbeiter ein Angebot erstellen. Häufig gibt es zum verschickten Angebot Rückfragen, beispielsweise ob es einen Erstmusterprüfbericht gibt. „Manchmal hatte der Kunde bei seiner Anfrage noch nicht mitgeteilt, dass er seine Teile innerhalb von drei Wochen benötigt und wir haben ihm eine Lieferzeit von sechs Wochen angekündigt. Dann müssen wir natürlich hausintern klären, inwieweit wir das auch in einer kürzeren Zeit hinbekommen“, sagt Schüssler. Auch hier hilft dem Maschinenbaumeister wieder eine Planungssoftware, die ihm auf einer virtuellen Zeitstrahl-Plantafel die bereits bestehenden Aufträge anzeigt.