11,2 Prozent der von zugelassenen Überwachungsstellen 2015 geprüften 534.229 Aufzugsanlagen wiesen Sicherheitserhebliche Mängel auf – dies sind knapp 60.000 Aufzüge, wie der TÜV in seiner "Mängelstatistik Aufzüge 2016" berichtet. Insgesamt war über die Hälfte der geprüften Anlagen nicht mängelfrei. So sei eine Trendwende in Bezug auf die festgestellten Mängel und den Zustand der geprüften Aufzugsanlagen nicht erkennbar, wie Axel Stohlmann vom TÜV Nord in der Studie ausführt. Und doch ist der Bericht euphorisch mit der Überschrift „Licht am Ende des Aufzugsschachts“ überschrieben – wurden doch gegenüber 2011 84.000 Aufzüge mehr überhaupt geprüft. Geschuldet ist das der novellierten Betriebssicherheitsverordnung, die eine Kennzeichnungspflicht in Form einer sichtbar innerhalb der Aufzugskabine angebrachten Prüfplakette verlangt.

Die Änderungen im Gesetzestext führten jedoch nicht unmittelbar zu einer Verbesserung des Anlagenzustands. Vielmehr gelte es, eine praxisgerechte Umsetzung zu ermöglichen und die Akzeptanz der gesetzlichen Anforderungen anzustreben, um die Sicherheit zuverlässig und nachhaltig zu erhöhen. Die Entwicklung der stetig steigenden Anzahl geprüfter Aufzugsanlagen lasse die berechtigte Hoffnung zu, dass sich dieser Trend weiter fortsetze und das Bewusstsein im Hinblick auf die Sicherheit von Anlagen weiter zunehme, zieht Axel Stohlmann ein optimistisches Fazit der Mängelstatistik.

Der Gesetzgeber hat einige Vorschriften auf den Weg gebracht, um Aufzugsanlagen sicherer zu machen. So dürfen seit dem 20. April 2016 im europäischen Wirtschaftsraum nur noch Aufzüge in Verkehr gebracht werden, die der neuen europäischen Aufzugsrichtlinie 2014/33/EU entsprechen. Die wichtigste Änderung der aktuellen Neufassung betrifft die Rückverfolgung von Sicherheitsbauteilen. So fordert die Aufzugsrichtlinie 2014/33/EU eine Kennzeichnung, anhand derer der Hersteller, Importeur oder Händler des betreffenden Bauteils ermittelt werden kann. Dadurch soll es den Behörden bei der Marktüberwachung erleichtert werden, nichtkonforme, also unsichere Sicherheitsbauteile zu identifizieren und so die Produktsicherheit bei Aufzügen weiter zu stärken.

Branchenumsatz in Deutschland

  • Rund 80 Hersteller machen einen Branchenumsatz von über 2 Milliarden Euro.
  • Der Wert der in 2015 neu installierten 21.435 Aufzüge betrug 901 Millionen Euro. Für 260 Millionen Euro wurden Aufzugsanlagen modernisiert.
  • Der Aufzugsbestand in Deutschland umfasste 2015 720.000 Aufzüge. Davon waren 615.000 Aufzüge zur Personenbeförderung geeignet.

Rückverfolgung durch QR-Code

Deshalb hat auch Aufzugshersteller Schindler alle Sicherheitsteile mit QR-Codes versehen, die eine lückenlose Rückverfolgung der Bauteile ermöglichen. Durch dieses elektronische Tracking-Verfahren kann der Weg jedes Sicherheitsbauteils nachverfolgt werden. „Durch die Kennzeichnung mit den QR-Codes wissen wir jederzeit immer genau, welche Sicherheitsbauteile in unseren Anlagen verbaut sind“, sagt Cordula Jourdan, Direktor Technik und Qualität bei Schindler Deutschland.

Weiter fordert der Gesetzgeber seit dem 1. Juni 2016 für alle Aufzüge einen Notfallplan. Bei Neuanlagen ist das Dokument mit der novellierten Betriebssicherheitsverordnung bereits jetzt verpflichtend, für bestehende Anlagen läuft die bislang geltende Übergangsfrist zum 31. Mai aus. Dieser Notfallplan enthält alle Informationen, die für eine zügige Befreiung eingeschlossener Personen erforderlich sind. Zusätzlich muss der Aufzugsnotruf den gesetzlichen Anforderungen entsprechen. Denn spätestens ab 2020 muss jeder Aufzug über eine sogenannte Zwei-Wege-Kommunikationseinrichtung verfügen. Schon heute haftet der Betreiber, wenn die Befreiung eingeschlossener Personen nicht innerhalb einer halben Stunde eingeleitet werden kann. Diese Nachrüstung oder Modernisierung eines veralteten Fernnotrufs über einen Mobilfunkanschluss lässt sich bei jedem Aufzug problemlos realisieren.

Die Aufzugshersteller reagieren mit moderner Technik

Otis hat daher mit dem neuen Aufzugskonzept New Gen2 eine Reihe von integrierten Multimedia- und vernetzten Funktionen implementiert. Zu den großen Stärken des New Gen2 zählt seine Konnektivität: Innovationen wie der Smartphone-Fernruf eCall (den Aufzug auch aus der Ferne anfordern und steuern), der intuitive Etagenruf OneCall (Wahl der Zieletage bereits vor der Fahrt außerhalb des Aufzugs per Tastendruck) und das interaktive Multifunktionsdisplay eView (Echtzeitinformationen zu Nachrichten, Wetter und Verkehr) tragen dem aktuellen Vernetzungstrend Rechnung. Wobei eView nicht nur zuverlässig über Standort, Fahrziele und Status informiert, über die Notrufverbindung zur Otisline kann im Bedarfsfall ein Mitarbeiter des Kundenservice Centers – auf dem Bildschirm sichtbar – den Betroffenen professionell beruhigen. Darüber hinaus reduziert New Gen2 den Energieverbrauch und optimiert den Platzbedarf im Gebäude.

Auch Kone bietet mit dem RemoteCall eine mobile An­wendung, mit der Nutzer einen Aufzug bequem und schnell per Smartphone rufen können. Die App ist für Geräte mit iOS- und An­droid-Betriebssystem verfügbar und funktioniert im Zusammenspiel mit der Zielwahlsteuerung Kone Polaris. Mit Kone RemoteCall können Nutzer den Aufzug aus jedem Winkel des Gebäudes rufen – die App leitet den Fahrgast zur zugewiesenen Anlage. Die Nutzer wählen ihre Zieletage über ein intuitiv bedienbares Touchscreen-Tableau und erfahren hier auch, welche Anlage sie ans Ziel bringt. Die Zielwahlsteuerung berücksichtigt zudem, wie viele Fahrgäste insgesamt in welche Etage zu befördern sind.

Mithilfe des Internet der Dinge (IoT) will ThyssenKrupp mit dem vorbeugenden Wartungsservice für Aufzüge MAX deren Sicherheit und Verfügbarkeit deutlich steigern. MAX sammelt auf Basis der Microsoft Azure IoT-Dienste in Echtzeit Daten der vernetzten Aufzüge und berechnet die verbleibende Lebensdauer wichtiger Systeme und Komponenten mithilfe von Algorithmen. Informationen über Betriebsgeschwindigkeit und Traglast bis hin zu den Türmechanismen werden über die Cloud geteilt, sodass die Servicetechniker jederzeit eine Übersicht über den Zustand des Aufzugs erhalten. Das macht Wartungsarbeiten planbarer und verringert die Ausfallzeiten von Aufzügen um bis 50 Prozent. jl

Drei Fragen an Udo Hoffmann, Otis

Udo Hoffmann, Vorsitzender der Geschäftsführung von Otis in Deutschland. Bild: Otis

Wie wichtig ist der deutsche Markt für Otis?

Der deutsche Markt ist in weltweiter Hinsicht ein ziemlich bedeutender Markt. Und er ist, was Neuanlagen betrifft, der größte Markt in Europa. Deshalb hat Otis auch eines der weltweit größten Forschungs- und Entwicklungszentren in Berlin.

Der Aufzug vernetzt sich mit seinem Benutzer. Was darf man sich darunter vorstellen?

Wir verbinden den Nutzer durch digitale Lösungen und mobile Apps mit seinem Aufzug. Die New-Gen2-Switch-Aufzugsgeneration bietet neben einem in das Bedientableau integrierten Kabinendisplay mit Echt-zeitinformationen in Zukunft auch die Möglichkeit, den Aufzug schon per App von jeder Stelle im Gebäude anzufordern und die Zieletage zu wählen.

Wie garantieren Sie die Sicherheit der Aufzüge?

Sensoren und Sicherheitsschalter überwachen die wichtigsten Aufzugsfunktionalitäten. Bei Stromausfall werden die Passagiere zur nächsten Etage befördert. Im Fall eines Notrufs wird der Fahrgast über die Direktverbindung eView mit der Notrufzentrale verbunden und hat einen sichtbaren Ansprechpartner.

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