Prinzipien, Bild: © wenchiawang - Fotolia.com

Eigene Prinzipien können der Kreativität oft im Weg stehen. Bild: © wenchiawang - Fotolia.com

Kreativitätsvampir“ ist der Sammelbegriff für kreativitätshemmende Faktoren, die so manches schwungvolle Vorhaben zum Scheitern bringen. Dabei sind Kreativitätsvampire im Sinne von Ideenkillern allerdings nicht gleichzusetzen mit Personen, die sich negativ auf Kreativität auswirken, sondern es handelt sich um einflussnehmende Größen, die sich im eigenen Verhalten manifestieren.

Profil des Kreativitätsvampirs Prinzipien

Prinzipien drücken feste Werte und Wertvorstellungen aus. Sie dienen als Richtschnur des Handelns und tragen zu einem einheitlichen gemeinsamen Auftreten bei, wenn sie in Form von Leitlinien oder im Rahmen von Organisationsgrundsätzen veröffentlicht werden. Dabei hat das Individuum einen Abgleich zu leisten zwischen „individuellen Überzeugungen“ und „allgemein vorgegebenen Überzeugungen“ sowie „situativ geltenden beziehungsweise bereichsspezifisch geltenden“ Prinzipien. Anhänger eines bestimmten Wertegefüges finden darin die Bestätigung ihrer eigenen Überzeugungen und können sich an ihren Regeln orientieren. Rituale stärken den Einzelnen sowie das Zusammengehörigkeitsgefühl einer Gruppe – sowohl im beruflichen wie im privaten Lebensbereich.

Hier sollte allerdings berücksichtigt werden, dass die Bedürfnisse des Menschen paarweise angelegt sind, immer in Gegensatzpaaren, die sich gegenseitig bedingen: Eines davon ist das Komplementärpaar „Freiheit“ und „Regulation“. Ein Handeln ganz ohne Prinzipien und Regularien ist vergleichbar mit dem Agieren im luftleeren Raum, diffus und orientierungslos. Damit ist man in Innovationsprozessen verloren.

Andererseits führt ein Zuviel an Vorgaben und Strukturen fließende Gedanken und fließendes Handeln zu Blockaden. Starre Regelwerke stellen oft geistige Zwangsjacken dar, sie grenzen anders denkende, sich anders verhaltende Menschen aus und führen beim Einzelnen eher zu Denkverboten. Diese hindern einen dann, die herkömmlichen – aber abgesicherten – Pfade zu verlassen.

Selbstbeschränkungen

Ingrid Ute Ehlers, Bild: Alexander Paul Englert
Ingrid Ute Ehlers unterstützt seit über 20 Jahren im Innovationsprozess. Bild: Alexander Paul Englert

Dabei kann es sich durchaus auch um Selbstbeschränkungen, nicht nur um extern verordnete Prinzipien handeln. So können Prinzipien sich in Sturheit verwandeln oder auch zu Vor-urteilen. Und wer schnell voraus urteilt, kann nicht konstruktiv oder auch radikal Neues schaffen. Starre Prinzipien verhindern dann Innovation, wenn man die guten Lösungen von damals in Stein gemeißelt für alle Zukunft sieht. Selbstverständlich sollten Prinzipien auch eine stabile Leitplanke sein und Handlungssicherheit geben, gerade in Zeiten des permanenten und auch disruptiven Wandels.

Doch hier kommt es - wie in der Medizin - auf die die Dosis an. So kennt man auch das Phänomen der Prinzipienreiterei. Wenn Menschen so feste Prinzipien haben, dass sie nicht mehr erkennen, dass sie in Mustern agieren, so können diese auch nicht kreativ infrage gestellt und für eine kreative Weiterentwicklung von Mensch und Organisation mutig neu gestaltet werden.

Natürlich kann nicht jeder einzelne erwarten, dass genau seine Prinzipien die Regel- und Richtschnur des Handels aller werden, doch ist auch daran zu denken, dass Menschen ein Urbedürfnis nach Autonomie und Selbstverwirklichung haben. Wird dieses Bedürfnis, das auch mit Individualität und Flexibilität einhergeht, zu stark durch Prinzipien eingeschränkt, löst dies häufig Widerstand aus und wirkt damit kontraproduktiv – erst recht in kreativen Prozessen.