Ralf Steinmann ist seit über 20 Jahren bei Schunk. Als Geschäftsbereichsleiter für Greifsysteme verantwortet er das Produkt- und Portfoliomanagement sowie den Produktvertrieb des Schunk-Greifsystembaukastens. Dazu gehören Greifer, Drehmodule, End-of-Arm-Tooling-Produkte und Lineartechnikprodukte. Bild: Schunk

Ist die Zeit der mechatronischen Greifsysteme gekommen? Wieviel teurer sind sie und welche Vorteile bieten sie im Gegenzug? ke NEXT hat beim zuständigen Schunk-Geschäftsbereichsleiter nach der aktuellen Situation und den Zukunftsaussichten gefragt.

Schunk hat schon1986 einen servoelektrischen Greifer auf den Markt gebracht. Wieso wurde er wieder eingestellt?
Dieser Greifer war seiner Zeit voraus. Mit all den Umfeldproblemen, die sich damals ergaben, war der Markterfolg nicht gegeben. Das Steuerungsmodul für diesen Greifer war ein 19 Zoll-Rack, miniaturisierte elektrische Antriebstechnik war absolut exotisch und damit entsprechend teuer, die Zeit war einfach noch nicht reif.

Heute ist das anders?
Ja. Zwar liegt der Schwerpunkt heute noch in der Pneumatik, aber wir gehen davon aus, dass der Trend in Richtung elektromechanischer Systeme gehen wird. Vor dem Hintergrund haben wir schon vor einigen Jahren begonnen, das Portfolio sukzessive auch in Richtung mechatronischer Module auszurichten.

Die mechatronischen Komponenten sind aber immer noch teurer als die pneumatischen. Nehmen die Kunden das an?
Natürlich müssen Produkteigenschaften da sein, die zu zusätzlichen Nutzen führen. Kein Kunde dieser Welt wäre bereit, Mehrkosten, und die sind nun mal da, für ein leistungsmäßig gleiches Produkt zu bezahlen. Aber diesen Zusatznutzen bieten wir. Neben den Grundfunktionen, beim Greifer eben das Greifen, bieten wir zum Beispiel ein Signal-Feedback oder dass man unterschiedliche Geschwindigkeiten und Greifkräfte einstellen kann, und das möglichst einfach. Sie können Regelkreise aufbauen, um beispielsweise auch wirklich sensitiv greifen zu können und derlei Dinge.

Gibt es einen Daumenwert, um wie viel teurer ein mechatronischer Greifer im Vergleich zu einem pneumatischen ist?
Einen fixen Faktor kann man da nicht wirklich seriös ableiten, weil wir zu viele unterschiedliche Einflussgrößen haben. Wenn man beispielsweise einen Kleinteilegreifer mit Greifkräften für Werkstücke zwischen 100 und maximal 1000 Gramm ansieht, da ist Stand heute sicherlich noch ein Preisunterschied von bis zu 50 Prozent gegeben.

Wo sehen Sie die größten Vorteile der Mechatronik?
Es gibt Applikationen oder Branchen, wo es gar keine Pneumatik gibt, etwa in der Laborautomation. Oder wenn man an Reinräume denkt, wo es nicht ganz trivial ist, pneumatische Module einzusetzen, einfach vor dem Hintergrund, dass vom Antriebsmedium nichts an die Umgebung gelangen darf. Wenn wir uns in der 24-Volt-Antriebstechnologie bewegen, lassen sich die Versorgungskabel sehr kompakt bauen. Im Gegensatz zur Pneumatik, wo unter Umständen große Schlauchbündel als Energieleitungen gelegt werden müssen, reicht mechtronisch oft ein Zuleitungskabel mit einem Verteiler vorne bei den Aktuatoren. Und dann natürlich die schon genannten zusätzlichen Produkteigenschaften: einstellbare Hübe, einstellbare Bewegungszeiten, Feedback-Signale.

Ihr Blick in die Zukunft: Was kommt noch?
Speziell in der Greiftechnik gehen wir davon aus, dass die Vielfalt und die Varianz noch weiter steigen wird. Es wird kleine Montagegeräte geben. Wir werden neue Roboterkinematiken sehen. Wir sehen, dass die Robotik sich dramatisch verändert, es wird immer weniger Expertenwissen nötig sein, um eine Roboter-Lösung erfolgreich aufzusetzen. Wir haben Sicherheitsthemen, die im Zusammenhang mit Mensch-Roboter-Kollaborationen zu beantworten sind. Also da haben wir einen vielfältigen Blumenstrauß an Themen, an dem wir intern auch arbeiten. Automatisierung und Robotik werden noch sehr spannend bleiben in den nächsten Jahren.

Das Interview führte Wolfgang Kräußlich, Redaktion

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