Eine neue Generation Roboter für eine neue Generation Mensch 1

Schuhe kaufen in München hat nichts mit der Zukunft der Robotik zu tun. Im Jahr 2015 ist die Aussage bedingt wahr. Im Jahr 2025 wird sie sicherlich nicht mehr zutreffend sein. Möchte man sich in der Innenstadt der bayerischen Metropole ein neues Paar Sandalen zulegen, kann es passieren, dass man sich das ausgewählte Paar in der richtigen Größe via QR-Code an einem PC-Terminal im Lager bestellen soll. Geliefert werden einem die Schuhe dann über ein teilautomatisiertes Fördersystem. Es scheint, als könnte es nicht mehr lange dauern, bis die Bestellung bei einem Roboter aufgegeben wird, der sich daraufhin mit der Beschaffung der gewünschten Schuhe befassen wird.

Eine Hürde, die sich dieser Vision vom Roboter als Alltagsbegleiter in den Weg stellt: der Mensch. Viele von uns sind bereits sogenannte Digital Natives. Sie sind mit Smartphones, Tablets und all den anderen Devices aufgewachsen, die sie mit der digitalen Welt verbinden. Doch bald soll eine neue Ära anbrechen: die Ära der Robotic Natives – eine Generation, für die Roboter ein alltägliches Hilfsmittel sind. Menschen, die keine Berührungsängste kennen, wenn sie im Schuhladen auf einen Roboter treffen würden. Stefan Lampa, CEO bei Kuka Roboter sprach auf einer Pressekonferenz im Rahmen der Hannover Messe 2015 über diese heranwachsende Generation als „Generation R“. Die wird, so die Auffassung des Augsburger Roboter-Herstellers, keine Angst mehr vor der direkten Interaktion mit robotischen Systemen aller Art haben, seien es autonom fahrende Autos, automatisierte Logistiklösungen, eigenständige Serviceroboter oder eben Roboter im Einzelhandel. Sie werden überall sein und für die Generation R werden sie so selbstverständlich sein, wie für uns heute der Umgang mit dem Internet, Smartphones und Tablets.

Kollaboratives Trio: LBR iiwa, CR-35iA und Yumi

  • Yumi im Einsatz, Bild: ABB

    Um den Anforderungen an eine vollflexible Fertigung in der Elektronikindustrie und weiteren Industrien gerecht zu werden, hat ABB mit Yumi einen kollaborierenden Zweiarm-Roboter für die Kleinteilmontage entwickelt. Die Roboterlösung umfasst flexible Greifhände, Teile-Zuführsysteme, kamerabasierte Teileerkennung sowie eine leistungsfähige Robotersteuerung. Bild: ABB

  • Yumi von ABB auf der Hannover Messe 2015, Bild: Hannover Messe

    Auf der Hannover Messe 2015 war Yumi von ABB einer der Robotik-Stars. Bild: Hannover Messe

  • Der CR-35iA von Fanuc, Bild: Fanuc

    Mit einer Nutzlast von 35 Kilogramm ist der kollaborative Roboter CR-35iA von Fanuc, der weltweit stärkste seiner Klasse. Mit einer Reichweite von bis zu 1,8 Metern und internationaler Sicherheitszertifizierung übernimmt er Tätigkeiten, die Menschen bis heute alleine machen mussten, wie das Handling schwerer Lasten. Bild: Fanuc

  • CR-35iA von Fanuc, Bild: Fanuc

    Integrierte Kraftsensoren und eine verlässliche Soft-Cover-Gummioberfläche sorgen dafür, dass der CR-35iA bei sanfter Berührung sofort und sicher stoppt und einfach beiseite geschoben werden kann. Bild: Fanuc

  • LBR iiwa teachen, Bild: Kuka

    Um ihn zu teachen, führt der Bediener den LBR iiwa von Hand in die gewünschten Positionen, während die Koordinaten angefahrener Bahnpunkte im Roboterprogramm gespeichert werden. Bild: Kuka

  • KMR iiwa von Kuka, Bild: Kuka

    Kuka Mobile Robotik iiwa (KMR iiwa), ein neuer, intelligenter und mobiler Helfer, vereint den sensitiven und nachgiebigen LBR iiwa mit einer omnidirektional verfahrbaren und mobilen Plattform von Kuka. Bild: Kuka

BYOD oder BYOR

Ist das schon die ganze Zukunftsvision des Roboter-Spezialisten? Nein, bei dem Augsburger Unternehmen denkt man bereits weiter. Und Lampa denkt schon viel weiter: er hat eine Art BYOR-Konzept. Angelehnt an die Idee des BYOD (Bring your own Device), könne er sich vorstellen, dass Mitarbeiter eines Unternehmens einmal ihren eigenen Roboter mit an ihren Arbeitsplatz bringen werden. Dieser soll sie immer dort unterstützen, wo es gerade notwendig ist.

Bis dahin ist es aber noch ein weiter Weg. Die Skepsis einem Roboter gegenüber, mit dem in nächster Nähe zusammengearbeitet werden soll, ist bei vielen Menschen noch vorhanden – die Generation R steckt eben noch in den Kinderschuhen, beziehungsweise besucht gerade den Kindergarten. Jedoch sind die Roboter-Hersteller bereits dabei, den Weg zu ebnen für eine Zukunft in der die direkte Zusammenarbeit von Mensch und Maschine möglich sein wird: Der Industrieroboter soll nicht weiter ein einsames Dasein neben seinen menschlichen Kollegen fristen. Bereits seit etwa zwei Jahren werden Roboter ohne Schutzzaun in der Produktion eingesetzt. Vorher durfte ihnen niemand zu nahe kommen, solange sie arbeiteten – daher wurden sie eingezäunt. Menschliche Kollegen sollten so umfassend vor dem Roboter geschützt sein. Der Nachteil: dieser Produktionsaufbau ist nicht sehr flexibel. Und gerade das steht den Grundsätzen der Fabrik der Zukunft entgegen. Kleine Losgrößen sollen seriell hergestellt werden, Produktionslinien schnell und einfach umgebaut werden können. Keine leichte Aufgabe, wenn Roboter feststehende Aufbauten bewohnen.

Aber müssen Roboter überhaupt in der Lage sein, mit menschlichen Kollegen zusammen zu arbeiten? Können sie nicht einfach die gesamte Produktion übernehmen? Nein, es solle keine Dark Factories, sondern viel mehr Smart Factories geben, betont Stefan Lampa. Damit spielt er auf das Szenario an, bei denen in Fabrikhallen das Licht ausbleibt, da Roboter hier alleine arbeiten – ohne Menschen, ohne Licht, ohne Klimatisierung. Bei Fanuc in Japan produzieren Roboter bereits seit 2001 Roboter. Sie machen das vollkommen autonom: 50 Stück alle 24 Stunden, 30 Tage durchgehend ohne Wartung.